BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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BG-Information "Persönliche Schutzausrüstungen für Schornsteinfegerarbeiten" Anhang 3

3.8

Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz

3.8.1 Bei direkter Absturzgefahr, z.B. an freistehenden Schornsteinen, sind in der Regel persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz zu benutzen.
  In diesem Fall ist das System zum Auffangen abstürzender Personen so zu wählen, dass bei einem Sturz das Auf- oder Anprallen auf/an ein Hindernis ausgeschlossen und die Fallstrecke möglichst gering ist.

3.8.2

Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz sind Systeme zum Auffangen abstürzender Personen. Sie bestehen aus einem Auffanggurt und zusätzlichen Bestandteilen, z.B. Verbindungsmittel mit Falldämpfer, Höhensicherungsgerät.
  Es ist ausschließlich das folgende System festgelegt:
  • System aus Auffanggurt, fester Führung (Schiene, Drahtseil), mitlaufendem Auffanggerät und Zwischenverbindung (Steigschutzeinrichtung).

3.8.3

Teile der persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz sind:
  • Auffanggurte,
  • Verbindungsmittel (Seil, Gurtband, Kette),
  • mitlaufende Auffanggeräte einschließlich fester Führung (Steigschutzeinrichtungen)

3.8.4

Auffanggurte
3.8.4.1 Je nach Art der Tätigkeit und der besonderen Gefahren im Absturzfall ist ein geeigneter Auffanggurt auszuwählen. Ein Auffanggurt besteht aus Gurtbändern, die den Körper umschließend im Beckenbereich und an den Schultern verlaufen.
  Es gibt Auffanggurte mit vorderer, hinterer Fangöse und Steigschutzösen sowie zusätzlichen seitlichen Halteösen. Halteösen an Auffanggurten dürfen nicht für Auffangfunktionen benutzt werden.

Bei Bild 3 handelt es sich um eine beispielhafte Darstellung für einen Auffanggurt zur Verwendung an einer Steigschutzeinrichtung.

Bild 3: Auffanggurt mit rückseitiger Fangöse und einer vorderen Steigschutzöse; Rückenstütze bzw. Rückenpolster ist vorhanden


3.8.4.2

Falls Auffanggurte in Verbindung mit Steigschutzeinrichtungen benutzt werden sollen, müssen diese mit einer vorderen Steigschutzöse (am Bauchgurt) ausgerüstet sein (siehe Bild 3).

3.8.5

Mitlaufende Auffangeräte einschließlich fester Führung (Steigschutzeinrichtungen)

3.8.5.1

Steigschutzeinrichtungen sind Teile der persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz. Sie sichern Personen, die mit einem Auffanggurt und einer Zwischenverbindung an dem mitlaufenden Auffanggerät angeschlagen sind, gegen Absturz.

3.8.5.2

Steigschutzeinrichtungen für Steigleitern oder Steigeisengänge werden in unterschiedlichen Ausführungen mit festen Führungen (Schienen oder Seilen) angeboten. Dabei wird zwischen mitlaufenden Auffanggeräten mit oder ohne horizontaler Zugkraft, die der Steigende in horizontaler Richtung aufzubringen hat, unterschieden.

3.8.5.3

Durch die Verwendung von Falldämpfern oder energieabsorbierenden Einzelteilen bzw. energieabsorbierender Funktion des Auffanggerätes werden die Stoßkräfte auf höchstens 6 kN reduziert.

3.8.5.4

Bei der Benutzung von Steigschutzeinrichtungen ist die vordere Steigschutzöse (am Bauchgurt) direkt an der Zwischenverbindung (ohne zusätzliche Teile) anzuschließen. Die Länge der Zwischenverbindung - zwischen Auffanggerät und Steigschutzöse des Auffanggurtes - darf nicht verändert werden, da sonst die sichere Funktion des Auffanggerätes nicht gewährleistet ist.

Bild 4: Beispiel für eine Steigschutzeinrichtung


3.8.6

Beschädigte oder durch Sturz beanspruchte persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz sind der Benutzung zu entziehen, bis ein Sachkundiger der weiteren Benutzung zugestimmt hat.

3.8.7

Für den Fall eines Sturzes ist durch geeignete Maßnahmen eine unverzügliche Rettung zu gewährleisten. Durch längeres Hängen im Gurt können Gesundheitsgefahren auftreten.
  • Achtung, kein längeres Hängen im Auffanggurt als 20 Minuten.
  • Auch wenn keine äußeren Anzeichen auf eine Verletzung schließen lassen, sollte die Person stets in eine Kauerstellung gebracht werden. Die Überführung in eine flache Lage darf nur allmählich geschehen. Eine unverzügliche ärztliche Untersuchung zur Beurteilung des Gesundheitszustandes ist unbedingt erforderlich.

Bei längerem Hängen im Auffanggurt besteht die Gefahr des Hängetraumas (orthostatischer Schock). Durch plötzliche Flachlagerung besteht akute Lebensgefahr infolge Herzüberlastung bzw. Nierenversagen.


3.8.9

Prüfung
3.8.9.1 Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz müssen nach Bedarf, mindestens jedoch einmal jährlich, auf ihren einwandfreien Zustand durch einen Sachkundigen geprüft werden.

3.8.9.2

Feste Führungen (Schienen) von Steigschutzeinrichtungen hat der Betreiber dieser Einrichtung, wenn nicht kürzere Fristen festgelegt sind, nach Bedarf auf ihren einwandfreien Zustand durch einen Sachkundigen prüfen zu lassen.

3.8.10

Betriebsanweisung, Unterweisung
3.8.10.1 Betriebsanweisung
  Für die Benutzung von persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz hat der Unternehmer eine Betriebsanweisung zu erstellen.

3.8.10.2

Unterweisung
  Der Unternehmer hat die Beschäftigten vor der ersten Benutzung und nach Bedarf, mindestens jedoch einmal jährlich zu unterweisen. Für die Verwendung von persönlichen Schutzausrüstungen zum Retten umfasst die Unterweisung auch praktische Übungen.

3.8.11

Reinigung, Aufbewahrung
  Das mitlaufende Auffanggerät, das Verbindungsmittel sowie der Auffanggurt sind nach Bedarf zu reinigen und gegen schädigende Einflüsse geschützt aufzubewahren.
 
Weitere Hinweise für persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz enthalten die BG-Regeln
  • "Einsatz von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz" (BGR 198)
  • "Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen zum Retten aus Höhen und Tiefen“ (BGR 199).

Webcode: M1445-76