BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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BG-Information "Persönliche Schutzausrüstungen für Schornsteinfegerarbeiten" Anhang 3

3.4

Atemschutz

3.4.1 Gefährdungen, Gefährdungsermittlung
3.4.1.1 Ob Atemschutz erforderlich ist, muss im Einzelfall geprüft werden. Bei normaler Messtätigkeit ist im Allgemeinen kein Atemschutz erforderlich. Bei der Reinigung von Schornsteinen, insbesondere aus Asbestzementrohren,
  • der Kesselreinigung mit Bürsten,
  • dem Ausbrennen von Schornsteinen,
  • der Schornsteinbrandbekämpfung,
  • der Messtätigkeit in defekten Heizungsanlagen und anderen Arbeiten

ist im allgemeinen Atemschutz erforderlich.


3.4.1.2

Sauerstoffmangel oder gesundheitsgefährliche Gase, Dämpfe, Nebel oder Stäube können beim Menschen unmittelbar Benommenheit, Schwindel, Atemnot, Bewusstlosigkeit und Erstickungserscheinungen bis zum Tod bewirken.
  Bei der Kehrarbeit freiwerdende lungengängige Partikel als Stäube, Rauch, Aerosole können krebserzeugend sein (z.B. Asbestfasern, Benzo(a)pyren).

3.4.1.3

Die Grenzwerte (GW) als höchstzulässige Konzentration von gefährlichen Gasen, Dämpfen, Nebeln oder Stäuben in der Umgebungsluft sind durch MAK-Werte (Max. Arbeitsplatz-Konzentrationswerte) bzw. TRK-Werten (Technische Richtkonzentration) festgelegt. Überall dort, wo gefährliche Gase und Stoffe auftreten können, sind vor Beginn der Arbeiten entsprechende Schutzmaßnahmen zu treffen.
  In Zweifelsfällen ist die Prüfung mit Gasspürgeräten oder anderen Prüfund Messgeräten durchzuführen. Werden die Grenzwerte (GW) als die höchstzulässige Konzentration an Schadstoff in der Umgebungsatmosphäre nicht eingehalten, sind geeignete Atemschutzgeräte einzusetzen.

3.4.2

Auswahl und Einsatz von Filtergeräten gegen Partikel
3.4.2.1 Gegen Gefahrstoffe in Form von Stäuben oder Aerosolen wie z.B. Asbestfasern, Benzo(a)pyren, Rußpartikel, sind in der Regel Filtergeräte mit Partikelfiltern oder partikelfiltrierende Halbmasken als Atemschutz erforderlich. Geeignet sind Atemschutzgeräte der Schutzstufen P2/P3, da sie auch gegen krebserzeugende Gefahrstoffe schützen (siehe Tabelle 2 ). Bewährt haben sich Halbmasen mit Partikelfiltern der Klasse P2 oder P3 und partikelfilternde Halbmasken der Klasse FFP2 oder FFP3, die z.B. in einer am Anzugsgürtel befestigten Maskendose mitgeführt werden können.
  Mundtücher sind keine persönlichen Schutzausrüstungen und bieten keinen ausreichenden Schutz.

3.4.2.2

Partikelfilter sind durch den Kennbuchstaben P, die Partikelfilterklasse und die Kennfarbe weiß (Filtergehäuse oder weißer Farbring auf farbneutralem Filtergehäuse) gekennzeichnet.

3.4.2.3

Partikelfilter werden entsprechend ihrem Abscheidevermögen für Partikel in die Partikelfilterklassen P1 (geringes Abscheidevermögen), P2 (mittleres Abscheidevermögen) und P3 (hohes Abscheidevermögen) eingeteilt.
 
Bemerkung:
  Gegen krebserzeugende Stäube und Tröpfchenaerosole ist nach der BG-Regel "Einsatz von Atemschutzgeräten" (BGR 190) mindestens die Schutzstufe P 2 erforderlich. Hiernach ist auch eine partikelfiltrierende Halbmaske der Schutzstufe 2 = FFP 2 zulässig.
  Nach den Technischen Regeln für Gefahrstoffe TRGS 519 "Asbest; Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten" ist für Instandhaltungsarbeiten ein Atemschutz mit der Schutzstufe P2 ausreichend, wenn 150.000 F/m3 in der Umgebungsluft nicht überschritten werden.
  Nach der TRGS 519 sind auch partikelfiltrierende Halbmasken FFP 2 bis zu einer Faserkonzentration bis 150.000 F/m3 zulässig.

Tabelle 2: Einsatz von Halbmaske und Viertelmaske mit Partikelfilter und von partikelfiltrierender Halbmaske

Geräteart
Vielfaches
des Grenzwertes
(GW)
Bemerkungen,
Einschränkungen
Halb- /Viertelmaske mit P2-Filter, partikelfiltrierende Halbmaske FFP 2
10
Nicht gegen radioaktive Stoffe, Viren und Enzyme
Halb- /Viertelmaske mit P3- Filter, partikelfiltrierende Halbmaske FFP 3
30
 

Anmerkung:

Während für Vollmasken in der Regel Filter mit Standard-Rundgewinde Verwendung finden, werden in Halbmasken und Viertelmasken meist Filter mit Spezialgewinde oder nur für die entsprechende Filteraufnahme passende Steckfilter verwendet. Daher ist bei Halbmasken und Viertelmasken besonders darauf zu achten, nur die vom Gerätehersteller empfohlenen Filter einzusetzen.


3.4.2.4

Bei gleichzeitigem Auftreten von Gasen, Dämpfen und Partikeln sind geeignete Kombinationsfilter zu benutzen.

3.4.2.5

Der Einsatz von Filtergeräten setzt voraus, dass die Umgebungsatmosphäre mindestens 17 Vol.-% Sauerstoff enthält.
  In Behältern, Schächten, Kanälen und anderen engen oder geschlossenen Räumen müssen deshalb von der Umgebungsatmosphäre unabhängige Atemschutzgeräte verwendet werden.

Bild 1: Partikelfiltergerät mit Halbmaske, Filteraufnahme und Steckfilter


3.4.2.6

Das Zusetzen des Partikelfilters macht sich durch deutliche Erhöhung des Atemwiderstandes bemerkbar. Kombinationsfilter sind außerdem bei Wahrnehmung von Geruch, Geschmack oder Reizerscheinungen zu wechseln.

3.4.2.7

Die partikelfiltrierende Halbmaske ist ein vollständiges Atemschutzgerät, das ganz oder überwiegend aus dem Filtermaterial besteht, durch das die Einatemluft strömt oder bei dem der Hauptfilter einen untrennbaren Teil des Gerätes darstellt. Die Atemluft strömt entweder durch das Filtermaterial oder zusätzlich durch ein Ausatemventil ab.
  Das Ausatemventil verringert den Ausatemwiderstand deutlich und sollte deshalb bevorzugt werden. Die Schutzfaktoren der Klassen FFP 1, FFP 2 und FFP 3 entsprechen denen einer Halbmaske mit P1, P2 oder P3-Filtern und können wie diese verwendet werden.

3.4.2.8

Entscheidend für die Schutzwirkung des Atemschutzgerätes ist ein guter Dichtsitz des Atemanschlusses.
  Personen mit Bärten und Koteletten im Bereich der Dichtlinien von Voll- und Halbmasken sind für das Tragen von Atemschutzgeräten ungeeignet.
  Für Brillenträger gibt es beim Einsatz von Vollmasken spezielle Maskenbrillen.

Bild 2: Partikelfiltrierende Halbmaske mit Ausatemventil



3.4.3


Untersuchung, Ausbildung, Unterweisung
3.4.3.1 Die Benutzung von Atemschutzgeräten bedeutet im Allgemeinen eine zusätzliche Belastung für den Träger. Überschreitet die Tragedauer der Filtergeräte 30 Minuten in einer Schicht, ist für den Gerätträger die Eignung nach festgelegten Grundsätzen durch eine Erstuntersuchung und regelmäßige Nachuntersuchungen festzustellen.
  Auch für Träger von Filtergeräten sind bis auf wenige Ausnahmen arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen erforderlich.
  Die Eignung für das Tragen von Atemschutzgeräten ist entsprechend der "Berufsgenossenschaftlichen Grundsätze für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen" G26 "Atemschutzgeräte" festzustellen.

3.4.3.2

Vor der ersten Benutzung von Atemschutzgeräten ist eine theoretische und praktische Grundausbildung erforderlich. Danach sind in regelmäßigen Zeitabständen Wiederholungsunterweisungen notwendig (siehe BG-Regel "Einsatz von Atemschutzgeräten" (BGR 190).

3.4.3.3

§ 14 der Gefahrstoffverordnung und die Technischen Regeln für Gefahrstoffe TRGS 555 "Unterweisung und Betriebsanweisung nach § 20 (jetzt § 14) GefStoffV" regeln die Ermittlungs- und Überwachungspflicht sowie die Unterweisung und Betriebsanweisung.
  Es wird im Allgemeinen für ausreichend gehalten, im Arbeitsbuch diejenigen Kehrstellen zu kennzeichnen, die auf Grund ihrer Bauart, z.B. Asbestzementrohr, oder auf Grund ihrer Befeuerungsart (feste und flüssige Brennstoffe) bei der Kehrtätigkeit atemwegsgängige Stäube/Aerosole frei werden lassen und Atemschutz für den Schornsteinfeger erforderlich machen. Die Atemschutzmaske ist bei der Kehrtätigkeit mitzuführen, da atemwegsgängige Stäube/Aerosole auch unvermittelt auftreten können.


3.4.4


Der Unternehmer hat durch geeignete Maßnahmen ein einwandfreies Funktionieren der Atemschutzgeräte und die Einhaltung guter hygienischer Bedingungen zu gewährleisten.
  Für Instandhalten, Prüfen, Lagern sind die Angaben der Hersteller zu beachten. Atemschutzgeräte können normalerweise mit Seifenlauge und gründlichem Nachspülen gereinigt werden. Das Desinfizieren mit Desinfektionsmitteln nach Herstellerangabe muss vor Übergabe des Gerätes an einen anderen Träger erfolgen.
  Partikelfiltrierende Halbmasken sind für eine Desinfektion und Nutzung durch weitere Geräteträger nicht vorgesehen.
 
Die Lagerung muss trocken, staubgeschützt und verwechslungsfrei in geeigneten Behältern vorgenommen werden. Atemschutzgeräte oder Teile davon mit befristeter Lagerzeit, wie manche Filter oder Gummiteile, sind nach deren Ablauf der Verwendung zu entziehen.

3.4.5

Weitere Hinweise für den Atemschutz enthält die BG-Regel "Einsatz von Atemschutzgeräten" (BGR 190).

Webcode: M1445-78