BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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4

Betrieb


4.1

Allgemeines


4.1.1 Betonpumpen und Verteilermaste dürfen nur bestimmungsgemäß unter Beachtung der Betriebsanleitung des Herstellers betrieben werden. Die Betriebsanleitung muss am jeweiligen Einsatzort zur Einsicht bereitgehalten werden.
    Zum Betreiben gehören das Auf- und Abbauen, das Bedienen und das Instandhalten.

4.1.2 Der Unternehmer darf mit dem selbständigen Bedienen und Instandhalten von Betonpumpen und Verteilermasten nur Versicherte als Maschinenführer beauftragen, die
  1. das 18. Lebensjahr vollendet haben,
  2. im Umgang und Instandhalten der Pumpen und des Verteilermastes unterwiesen sind und ihre Befähigung hierzu dem Unternehmer gegenüber nachgewiesen haben
    und
  3. von denen zu erwarten ist, dass sie die ihnen übertragenen Aufgaben zuverlässig erfüllen.
   

Zur Unterweisung gehören außer einer theoretischen Wissensvermittlung die Gelegenheit zum Erwerb einer ausreichenden Fahrpraxis sowie die Fähigkeit, Mängel zu erkennen, die die Arbeitssicherheit gefährden.

Maschinenführer gelten auch als unterwiesen, wenn sie an einem Lehrgang mit den Lehrgangsinhalten nach Anhang 1 mit Erfolg teilgenommen haben.


4.1.3 Der Unternehmer muss Maschinenführer für Autobetonpumpen schriftlich beauftragen.


4.2

Aufstellung, Auf- und Abbau


4.2.1 Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass Verteilermaste standsicher aufgestellt werden. Dabei sind Sicherheitsabstände von Baugruben, Gräben und ähnlichen Vertiefungen nach Bild 1 einzuhalten.

  Bild 1:     Sicherheitsabstände zu Baugrubenrändern

4.2.2

Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass für eine standsichere Aufstellung in ebenem Gelände die Bodenpressung in Abhängigkeit von der Bodenart die Werte der Tabelle 1 nicht überschreitet.

Erforderliche Abstützfläche (cm2) =

Stützdruck (N bzw. kg)
___________________________________

zul. Bodenpressung (N/cm2 bzw. kg/cm2)

 

 
Bodenart
zulässige Bodenpressung
(N/cm2 bzw. kg/cm2)
  A) Angeschütteter, nicht künstlich verdichteter Boden

0 - 10 (0 - 1)
  B) Gewachsener, offensichtlich unberührter Boden:
    1 Schlamm, Moor


0
      2 Nichtbindige, ausreichend fest
      gelagerte Böden:
      Fein- bis Mittelsand
      Grobsand bis Kies


15 (1,5)
20 (2,0)
      3 Bindige Böden:
      breiig
      weich
      steif
      halbfest
      fest

0
4 (0,4)
10 (1,0)
20 (2,0)
30 (3,0)
      4 Fels, unverwittert mit geringer Klüftung und in günstiger Lage

150 - 300 (15 - 30)
  Tabelle 1:     Zulässige Bodenpressung verschiedener Bodenarten

4.2.3 Der Maschinenführer hat dafür zu sorgen, dass kraftbetriebene Abstützeinrichtungen nicht aus- oder eingefahren werden, wenn sich Personen im Bereich der Abstützung befinden.

4.2.4 Der Maschinenführer hat bei der Aufstellung die Abstützeinrichtungen vollständig auszufahren und abzustützen sowie ausreichend bemessene lastverteilende Unterlagen zu verwenden.

4.2.5 Der Maschinenführer darf das einseitige Ausfahren von Abstützungen nur vornehmen, wenn der Hersteller dies unter der Berücksichtigung der Standsicherheit zugelassen hat und der Verteilermast nur innerhalb des dafür vorgesehenen Schwenkbereiches bewegt werden kann.

4.2.6 Der Maschinenführer darf das einseitige Ausfahren von Abstützungen nur vornehmen, wenn der Hersteller dies zugelassen hat und der Verteilermast nur innerhalb des dafür vorgesehenen Schwenkbereiches bewegt werden kann.

4.2.7 Der Maschinenführer hat Förderleitungen, insbesondere Steigleitungen, die nicht in Verteilermasten geführt werden, sicher zu befestigen und die dabei auftretenden Kräfte in das Bauwerk oder andere Konstruktionsteile abzuleiten. Dabei sind die Leitungen so zu führen, dass Knicke, scharfe Biegungen und Beschädigungen während des Betriebes vermieden werden.

4.2.8 Der Maschinenführer darf Verteilermaste über die in der Betriebsanleitung angegebenen Längen hinaus nicht verlängern.

4.2.9 Der Maschinenführer darf an Förderleitungen von Verteilermasten weiterführende Leitungen nur anschließen, wenn diese den Mast nicht zusätzlich belasten.

4.2.10 Der Maschinenführer hat darauf zu achten, dass
  • der Endschlauch gegen Herabfallen gesichert ist,
  • der freihängende Endschlauch nicht mit Verlängerungskupplungen, Auslaufteilen oder anderen gefahrbringenden Auslaufeinrichtungen betrieben wird
    und
  • der Endschlauch über die vom Hersteller angegebene Länge hinaus nicht verlängert wird.

4.2.11 Schließt der Maschinenführer anstelle eines Endschlauches eine andere Förderleitung an, darf er diese nicht von Hand führen.

4.2.12 Der Maschinenführer darf für das Einbringen des Betons in hohe Bauteile nur die vom Hersteller zugelassenen Endschläuche verwenden.

4.2.13 Der Maschinenführer hat zur Reduzierung der Betonaustrittsgeschwindigkeit nur die vom Hersteller vorgesehenen Fallbremsen zu verwenden.

4.2.14 Der Maschinenführer hat vor Fahrantritt des Fahrzeuges alle beweglichen Teile vor unkontrollierter Bewegung zu sichern.


4.3

Maßnahmen beim Betrieb


4.3.1 Der Maschinenführer darf fahrbare Verteilermaste, die betriebsmäßig abgestützt werden müssen, nicht mit ausgefahrenem Mast verfahren. Der Transport ist nach den Angaben in der Betriebsanleitung durchzuführen.

4.3.2 Der Standsicherheit dienende Abstützeinrichtungen müssen während des Betriebes vom Maschinenführer überprüft und erforderlichenfalls nachgerichtet werden.

4.3.3 Kann der Maschinenführer nicht bei allen Verteilermastbewegungen das Förderleitungsende beobachten, hat er einen Einweiser hinzuzuziehen.

4.3.4 Der Maschinenführer hat darauf zu achten, dass beim Verstellen des Verteilermastes der nach Tabelle 2 angegebene Mindestabstand zu elektrischen Freileitungen eingehalten wird.
 
Nennspannung
Mindestabstand
  bis 1000 V
1,0 m
  über 1 kV bis 110 kV
3,0 m
  über 110 kV bis 220 kV
4,0 m
  über 220 kV bis 380 kV
5,0 m
  oder bei unbekannter Nennspannung
5,0 m
  Tabelle 2: Mindestabstände zu Freileitungen

4.3.5 Kann der in Tabelle 2 angegebene Mindestabstand zu elektrischen Freileitungen nicht eingehalten werden, ist vom Maschinenführer sicherzustellen, dass diese
  • für die Dauer der Arbeiten freigeschaltet sind
    oder
  • im Arbeitsbereich der Betonpumpen und Verteilermaste umwehrt oder isoliert sind.

4.3.6 Der Maschinenführer darf den Verteilermast nicht als Hebezeug verwenden oder Hindernisse wegdrücken.
    Hindernisse sind z.B. Bäume.

4.3.7 Der Maschinenführer hat dafür zu sorgen, dass sich Unbefugte nicht im Gefahrbereich des Verteilermastes aufhalten.

4.3.8 Beim Anpumpen und bei Unterbrechungen des Pumpbetriebes ist der Aufenthalt im Gefahrbereich des Endschlauches verboten.
    Als Gefahrbereich um den Endschlauch gilt der Durchmesser der doppelten Endschlauchlänge.

4.3.9 Können Gefahrbereiche vom Maschinenführer nicht eingesehen werden, hat er einen Einweiser hinzuzuziehen.
    Solche Gefahrbereiche sind z.B. innerhalb des Schwenkbereichs des Verteilermastes oder am Endschlauch.

4.3.10 Der Maschinenführer hat Verteilermaste bei Erreichen der kritischen Windgeschwindigkeit und bei Arbeitsschluss einzufahren und entsprechend zu sichern.
    Angaben hierzu enthält die Betriebsanleitung.

4.3.11 Der Maschinenführer hat bei Reinigung mit Wasser die Angaben der Betriebsanleitung zu beachten und diese nur von ausreichend großen und trittsicheren Arbeitsplätzen durchzuführen.

4.3.12 Der Maschinenführer hat bei pneumatischer Reinigung der Förderleitung, sofern dies vom Hersteller vorgesehen ist, insbesondere folgendes zu beachten:
  • Einzelne Rohre und kurze bis 10 m lange Rohrstränge dürfen mit Luft nicht ausgeblasen werden.
  • Am Leitungsende sind Rohrbögen oder Schläuche zu entfernen.
  • Am Ende der Rohrleitung ist ein Fangkorb für den Stopfen zu montieren.
  • Personen dürfen sich nicht am Leitungsende und nicht vor der Leitungsöffnung aufhalten, wenn ausgeblasen wird.
  • Aus dem Leitungsende muss der Beton frei austreten können.
  • Das Leitungsende muss so ausgerichtet sein, dass möglicherweise herausschießender Beton Personen keinen Schaden zufügen kann.
  • Zum Ausdrücken des Betons muss ein Pfropfen nach Herstellerangaben verwendet werden, damit die Druckluft nicht schlagartig entweichen kann. Anschließend ist die Leitung durch Betätigung des Ablasshahns am Rohrreinigungskopf drucklos zu machen.
  • Beim Drücken mit Luft ist ständig das Manometer zu beobachten. Besonders auf starken Druckabfall ist zu achten. Fällt der Druck, muss eine schnelle Entlastung über den Ablasshahn erfolgen, um ein beschleunigtes Austreten des Betons zu verhindern.

4.3.13 Nach Beendigung des Betriebes ist die Maschine stillzusetzen und gegen unbefugte Benutzung zu sichern.

4.3.14 Der Maschinenführer hat dafür zu sorgen, dass beim Eintreten einer Störung, die die Betriebssicherheit beeinträchtigt, der Betrieb bis zur Beseitigung des Fehlers unterbrochen wird.

4.3.15 Vor dem Öffnen von Förderleitungsverbindungen muss das Fördersystem drucklos gemacht werden.
    Dies kann z.B. zur Beseitigung von Verstopfern notwendig sein.


4.4

Instandhaltung


4.4.1 Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass Instandhaltungsarbeiten, Auf- und Abbauarbeiten sowie Prüfungen, die nicht vom Boden aus durchgeführt werden können, von Arbeitsständen oder gleichwertigen Einrichtungen aus durchgeführt werden.
    Gleichwertige Einrichtungen sind z.B. Hubarbeitsbühnen, Leitern.

4.4.2 Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass Instandhaltungsarbeiten an Sicherheitseinrichtungen nur von Sachkundigen vorgenommen werden. Sicherheitseinrichtungen dürfen nicht verändert, unwirksam gemacht oder entfernt werden.
   

Zu den Instandhaltungsarbeiten zählen z.B. Reparaturen, Einstellen, Auswechseln.

Sicherheitseinrichtungen sind z.B. Gitterabdeckungen, Endschalter.

Sachkundiger ist, wer aufgrund seiner fachlichen Ausbildung und Erfahrung ausreichende Kenntnisse über das jeweilige Arbeitsmittel hat und mit den einschlägigen staatlichen Arbeitsschutzvorschriften, Berufsgenossenschaftliche Vorschriften und allgemein anerkannten Regeln der Technik (z.B. DIN- bzw. EN-Normen, VDE-Bestimmungen, technische Regeln anderer Mitgliedstaaten der Europäischen Union oder anderer Vertragsstaaten des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum) soweit vertraut ist, dass er den arbeitssicheren Zustand von Betonpumpen und Verteilermasten beurteilen kann.


4.4.3 Auf Grund des Abriebes sind die Wanddicken von Rohren und Bögen nach den Angaben der Betriebsanleitung festzustellen. Wird die Mindestwanddicke unterschritten, dürfen Rohre und Bögen nicht weiter verwendet werden.

4.4.4 Nach Beendigung von Instandhaltungsarbeiten müssen entfernte Schutzeinrichtungen vor der Wiederinbetriebnahme angebracht werden.

4.4.5 Es dürfen nur Ersatzteile verwendet werden, die den vom Hersteller festgelegten Anforderungen entsprechen.

 

 

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