BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Gehörschutz

Icon: Baustein

 

Mann mit Presslufthammer

Gefährdungen

  • Gefährdungen durch Lärm bestehen sowohl bei hohen über die Arbeitsschicht verteilten Schallpegeln (LEX, 8h) als auch durch extrem laute Einzelschallereignisse (LPC, peak).
  • Ohne ausreichenden Gehörschutz kann es zu bleibendem Gehörverlust kommen.
  • Durch die Verwendung von Gehörschutzstöpseln besteht die Gefahr von Gehörgangentzündungen.
  • Außerdem können Richtungshören und die Wahrnehmung von Signaltönen eingeschränkt sein.

Allgemeines

  • Es sind ausschließlich CE gekennzeichnete Gehörschutzprodukte zu verwenden.
  • Der Gehörschutz muss für den Träger geeignet sein, Gehörschutzstöpsel sind entsprechend der Gehörganggröße in „S“ small (klein) oder „L“ large (groß) auszuwählen.
  • Starke Kopf- und Gesichtsbehaarung schränken die Schalldämmung von Gehörschutzkapseln ein.
  • Die Betriebsanleitung des Herstellers ist zu berücksichtigen.
  • Die Einsatzbereiche und die schalldämmenden Werte sind aus der Herstellerinformation zu entnehmen. Der verwendete Gehörschutz muss entsprechend Gefährdungsbeurteilung für den Verwendungszweck ausgelegt sein, wozu der herrschende Schallpegel und die Aufenthaltsdauer in Zeit (Expositionsdauer) zu ermitteln ist.
  • Gehörschutzprodukte sind personengebunden zur Verfügung zu stellen.
  • Für die Verwendung von Gehörschutz muss eine Betriebsanweisung erstellt sein, an Hand derer die Beschäftigten über den Umgang und die Verwendung der Gehörschutzprodukte zu unterweisen sind.

Dämmwerte der Gehörschützer

Auswahl / Benutzung

Auslösewerte

  • Ab einem Tageslärmexpositionsschallpegel von LEX, 8h = 80 dB(A) oder einem Impulsschallpegel von LPC, peak = 135 dB(C) sind vom Unternehmer persönliche Gehörschutzmittel zur Verfügung zu stellen.
  • Ab einem Tageslärmexpositionsschallpegel von LEX, 8h = 85 dB(A) oder einem Impulsschallpegel von LPC, peak = 137dB(C) muss Gehörschutz getragen werden.
  • Entsprechend der Gefährdungsbeurteilung wird der jeweils geeignete Gehörschutz ausgewählt:
    1. Ermittlung der Schallquelle in dB(A), z. B. Kennzeichnung der Maschine
    2. Ermittlung der schalldämmenden Eigenschaften des Gehörschutzes (Herstellerinformation)
    3. Berechnung für einen geeigneten Gehörschutz.
    Bei sehr hohen Lärmexpositionen gegebenenfalls zugelassene Kombinationen verschiedener Gehörschutzmittel verwenden.

Kennzeichnung einer Kettensäge:

Kennzeichnung einer Kettensäge

  • Der „Restschallpegel“ muss mit den H-, M-, L-Dämmwert des Herstellers abgeglichen werden.
  • Bei Arbeiten an der Kreissäge H-Wert berücksichtigen:
    Der verwendete Gehörschutz muss mindestens eine so hohe Schalldämmung bewirken, dass der Schallpegel am Ohr 85 dB(A) nicht übersteigt. Der anzustrebende Schallpegel am Ohr soll zwischen 70 dB(A) – 80 dB(A) liegen.
  • Etwa 85% aller Geräusche am Arbeitsplatz sind mittel- bis hochfrequent (Geräuschklasse HM, z. B. Druckluftdüsen oder Kreissägen), etwa 15% aller Geräusche sind tieffrequent (Geräuschklasse L, z. B. Bagger oder Bodenverdichtungsgeräte).

Kennzeichnung

  • Kennzeichnung des Arbeitsbereiches
    Gebotszeichen: Gehörschutz benutzen!

Zusätzliche Hinweise

Zur Hygiene

  • Gehörschutzkapseln sind regelmäßig zu reinigen.
  • Gehörschutzstöpsel sind in einem angemessenen Zeitraum zu tauschen (Schaumstoffstöpsel mindestens täglich).
  • Otoplastiken sind entsprechend den Herstellervorgaben täglich zu reinigen.

Zur Auswahl von Gehörschutz

Geringe Schalldämmung von Gehörschützern in der Praxis

Beispiele für Anforderungen, die ein Gehörschutz erfüllen muss

Bauarten / Materialien

Kapselgehörschützer

Kapselgehörschützer

  • Mit pegelabhängiger Schalldämmung.
  • Mit eingebauter Sprechfunk- oder Empfangseinrichtung.
  • Als Sonderausstattung, z. B. zum Anbau an Industrieschutzhelme.

Gehörschutzstöpsel

Gehörschutzstöpsel

  • Fertig geformte Gehörschutzstöpsel (mehrfache Verwendung).
  • Vor Gebrauch zu formende Gehörschutzstöpsel (einmaliger Gebrauch).

Otoplastiken

Otoplastiken

  • Individuell entsprechend der Form des Gehörganges des Benutzers hergestellt.
  • Otoplastiken können entsprechend der Lärmsituation mit unterschiedlichen Frequenzfiltern ausgestattet werden.

Prüfungen

  • Otoplastiken müssen vor Ablauf von zwei Jahren funktionsgeprüft werden.
  • Gehörschutz muss, bei unterschiedlich lauten Tätigkeiten, auf die Eignung wiederkehrend geprüft werden.

Arbeitsmedizinische Vorsorge

  • Arbeitsmedizinische Vorsorge nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung veranlassen (Pflichtvorsorge) oder anbieten (Angebotsvorsorge). Hierzu Beratung durch den Betriebsarzt.
Weitere Informationen:
Arbeitsschutzgesetz ArbSchG
Betriebssicherheitsverordnung BetrSichV
Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung Lärmvibrations ArbSchV
TRLV Lärm
BGV A1/DGUV Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention
DGUV Regel 112-194 Benutzung von Gehörschutz
DGUV Information 212-024 Gehörschutz-Informationen

07/2015

 

 

Webcode: M1273-50


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