BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Rohrleitungsbauarbeiten

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Gefährdungen

  • Bei Rohrleitungsbauarbeiten können Personen durch eingeschwenkte Bauteile gefährdet werden.
  • Beim Schweißen und Schleifen von Rohren bestehen Gesundheitsgefahren z. B. durch Schweißrauche und Schleifstäube.

Allgemeines

  • Vor Beginn der Arbeiten ist zu ermitteln, ob im vorgesehenen Arbeitsbereich Anlagen (erdverlegte Leitungen, Freileitungen) oder andere Gefährdungen (Kontaminationen, Kampfmittel) vorhanden sind, durch die Personen gefährdet werden können. An der Ermittlung sind Auftraggeber, Eigentümer oder Betreiber zu beteiligen.
  • Rohrleitungsbauarbeiten dienen zur Herstellung, Instandhaltung, Änderung und Beseitigung von überwiegend erdverlegten Rohrleitungen für Flüssigkeiten, Gase und andere Stoffe.

Schutzmaßnahmen

  • Hebezeuge und Lastaufnahmeeinrichtungen sind so auszuwählen, dass die Last sicher aufgenommen, transportiert und wieder abgesetzt werden kann.
  • Nur Rohrgreifer verwenden, die sich bei Entlastung nicht selbsttätig öffnen (z. B. mittels Sperrklinke oder Schrittschaltwerk).
  • Rohre dürfen nicht in offenen Schlaufen hängend transportiert werden (Hängegang).
  • Müssen Rohre beim Ablassen geführt werden, hat dies möglichst am Rohrende zu erfolgen.
  • Ist die Anwesenheit von Personen im Gefahrbereich hängender Lasten arbeitsbedingt nicht zu vermeiden, dürfen kraftschlüssige Lastaufnahmemittel nicht verwendet werden.
  • Beim Stapeln von Rohren muss jede Lage des Rohrstapels gegen Auseinanderrollen gesichert sein.
  • Das Auslegen von Ringbundware hat mit geeigneten Abrolleinrichtungen, z. B. Abrollwagen, Abrolltraversen zu erfolgen.
  • Bei Rohren mit Muffenverbindung ist sicherzustellen, dass das Zusammenziehen bzw. Zusammenschieben der Rohre nach den Vorgaben des Rohrherstellers erfolgt.
  • Der Aufenthalt von Personen im Gefahrbereich des Zugseiles ist unzulässig.
  • Werden die Schubkräfte durch Baumaschinen aufgebracht, besteht erhöhte Quetschgefahr.
  • Sicherung der Wände von Baugruben und Gräben gemäß DIN 4124.
  • Aussteifungsmittel des Grabenverbaus nur entfernen, wenn Erddruckkräfte durch Umsteifen sicher aufgenommen werden.
  • Rohrleitungen, Schächte und Rohrleitungsgräben Bilderläuterungen gelten in Bezug auf elektrische Anlagen und Betriebsmittel als Bereiche mit erhöhter elektrischer Gefährdung.
  • Emissionsarme Verfahren nach TRGS 519 bei Arbeiten an Asbestzementrohren, z. B. Ausbauen, Trennen, Anbinden von Hausanschlüssen anwenden (DGUV Information 201-012).
  • Physische Belastungen/Arbeitsschwere vermeiden durch
    • Auswahl geeigneter Arbeitsverfahren,
    • Einsatz technischer Hilfsmittel (z. B. Hebehilfen, Roboter),
    • ausreichend bemessenen Bilderläuterungen Arbeitsraum (DIN 4124, DIN EN 1610).

Persönliche Schutzausrüstung

  • Bei Schweiß- und Schneidarbeiten und bei Arbeiten unter kontrollierter Ausströmung brennbarer Gase schwer entflammbare Schutzkleidung tragen Bilderläuterungen .
  • Gegebenenfalls Einsatz von Atemschutzgeräten.
  • Bei Arbeiten im öffentlichen Verkehrsraum Warnkleidung tragen.



Tabelle 1

Lichtmaß 600 mm 800 mm
Kreisprofil Durchmesser = 600 mm 800 mm
Kastenprofil Breite/Höhe  = 600/600 mm 600/800 mm
Eiprofil Breite/Höhe  = 600/900 mm 800/1200 mm
Maulprofil lichte Höhe  = 600 mm 800 mm


Zusätzliche Hinweise für Arbeiten in Rohrleitungen

  • Mindestens einen Sicherungsposten einsetzen, der mit den in der Rohrleitung Beschäftigten ständige Verbindung hält, z. B.
    • Sichtverbindung,
    • Sprechverbindung oder Signalleinen.
  • Von jedem Beschäftigten ist eine elektrisch betriebene Hand- oder Stollenleuchte mitzuführen.
  • Durch Belüftung gewährleisten, dass
    • der natürliche Sauerstoffgehalt (20,9 Vol-%) nicht unterschritten wird,
    • Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) für Gefahrstoffe nicht überschritten werden,
    • keine explosionsfähige Atmosphäre entstehen kann.
  • Messtechnische Überwachung der Atmosphäre in der Rohrleitung.
  • Kein Einsatz von
    • Verbrennungskraftmaschinen,
    • Flüssiggas.
  • Bei der Bestimmung des lichten Durchmessers di (Lichtmaß) sind im Rohr befindliche Einbauteile, Versorgungsleitungen oder Ähnliches zuberücksichtigen.
  • In Rohrleitungen mit einem Lichtmaß von weniger als 600 mm dürfen Personen nicht eingesetzt werden.
  • Der Einsatz von Personen ist in Rohrleitungen (kein Abwasser) mit einem Lichtmaß von 600 mm bis 800 mm nur zulässig, wenn
    • die Beschäftigten mindestens 18 Jahre alt,
    • körperlich geeignet,
    • unterwiesen und
    • in der Lage sind, mögliche Gefahren zu erkennen,
    • bei Einfahrtstrecken von mehr als 20 m darf nur in seilgeführten Rollenwagen eingefahren werden, wenn keine weiteren Gefährdungen, z. B. durch Abwasser, vorhanden sind.
  • Die in der Tabelle 1 angegebenen Profilmaße sind Innenmaße.
  • Während der Arbeiten muss ein Aufsichtführender ständig im Bereich der Arbeitsstelle anwesend sein.

Zusätzliche Hinweise für elektrische Betriebsmittel

  • Elektrische Betriebsmittel sind gemäß Bestimmungen für feuchte und nasse Räume auszuwählen.
  • In Rohrleitungen dürfen elektrische Betriebsmittel nur mit Schutzkleinspannung oder Schutztrennung betrieben werden.
  • Bei erhöhter elektrischer Gefährdung sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich.

Weitere Informationen:

BGV A1/DGUV Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention
DGUV Vorschrift 38 Bauarbeiten
DGUV Information 201-012 Verfahren mit geringer Exposition gegenüber Asbest bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten
DGUV Information 201-052 Rohrleitungsbauarbeiten
DGUV Information 203-004 Einsatz von elektrischen Betriebsmitteln bei erhöhter elektrischer Gefährdung
DIN 4124
DIN EN 1610


07/2015


 

 

 

Webcode: M1180-50


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