BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Arbeiten unter Tage in Druckluft

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In einer Schleuse

Arbeiten unter Tage in Druckluft

  • Arbeiten in Druckluft bedeuten eine erhöhte Belastung des menschlichen Körpers. Hierdurch kann es zu Gesundheitsschäden kommen.

Allgemeines

Begriffe, Definitionen

  • Arbeiten in Druckluft werden in umschlossenen Räumen, der sogenannten Arbeitskammer Nummer 1, ausgeführt. Die Arbeitskammer ist durch Material- Nummer 4 und Personenschleusen Nummer 2 gegenüber dem Umgebungsluftdruck abgeschottet.
  • Druckluftbedingungen in der Arbeitskammer liegen vor bei einem Luftüberdruck von mehr als 0,1 bar gegenüber dem atmosphärischen Umgebungsluftdruck (1 bar = 10 m Wassersäule).

Anwendungsbereiche

  • Tunnelbau, Schachtbau, Gründungen, Absenkung von Caissons Nummer 3 im Einflussbereich von Grundwasser.
  • Druckluft dient zur Verdrängung von Wasser, um im Schutz des Luftdruckpolsters Tiefbauarbeiten durchzuführen.

Barotrauma

  • Bei gestörtem Druckausgleich im menschlichen Körper können beim Ein- und Ausschleusen
    • Ohrenschmerzen,
    • Trommelfellriss,
    • Blutungen im Ohr und in den Nasennebenhöhlen auftreten.
  • Beschwerden lassen sich vermeiden durch
    • langsamen Druckanstieg in der Schleuse,
    • Druckausgleich durch häufiges Schlucken bzw. vorsichtiges Ausatmen gegen die zugehaltene Nase.
  • Bei Erkältungen nicht einschleusen.

Stickstoffnarkose

  • Kann in der Isopressionsphase auftreten.
  • Ab 3,0 bar Überdruck wirkt der erhöhte Stickstoffanteil in der Luft narkotisch (Tiefenrausch).
  • Aufenthaltszeiten nach Druckluftverordnung beachten.

Sauerstofftoxizität

  • Reiner Sauerstoff wirkt ab 1,0 bar latent und ab 1,8 bar Überdruck direkt toxisch.
  • Mit Sauerstoffatmung erst beginnen, wenn der Schleusendruck auf 1,0 bar abgesenkt ist.

Stickstoffaufsättigung

  • Im Überdruck wird vermehrt Stickstoff im Körper eingelagert (erhöhter Stickstoffpartialdruck).
  • Bei zu schnellem Ausschleusen (Drucksenkung) gelangt Stickstoff gasförmig ins Blut und führt zu Erkrankungen unterschiedlichster Schwere, z. B.:
    • juckende Hautrötungen,
    • Gelenk-/Muskelschmerzen,
    • Lähmungen bis hin zu Infarkten in Herz, Lunge und Niere.
  • Deshalb konsequente Beachtung der Ausschleuszeiten.

Gefahrstoffe in der Atemluft

  • Die Wirkung von Gefahrstoffen unter Überdruck ist nicht exakt abschätzbar.
  • Generell gilt ein absolutes Minimierungsgebot.
  • Grenzwerte nicht anwendbar.

Ausbläser

  • Ausbläser sind ein plötzliches Entweichen von Druckluft aus der Arbeitskammer. Folgen davon können sein:
    • Wassereinbruch/Verbruch,
    • Druckfallerkrankungen.
  • Notfall- und Abdichtungsmaßnahmen vorsehen, die Luftverluste verhindern:
    • Versiegeln mittels Spritzbeton,
    • Abdichten mittels Folie und Holzwolle.

Senkkasten/Caisson

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  • Arbeiten in Druckluft sind spätestens 2 Wochen vor Beginn der zuständigen Behörde anzuzeigen.

Schutzmaßnahmen

Brand

  • Erhöhter Sauerstoffpartialdruck in der Arbeitskammer unter Überdruck führt zu:
    • niederer Zündtemperatur,
    • höherer Brandgeschwindigkeit,
    • größerer Hitzeentwicklung.
  • Brennbare Materialien nur in der unbedingt notwendigen Menge in der Arbeitskammer vorhalten.
  • Schwerentflammbare Kleidung verwenden.
  • Flucht- und Rettungsplan sowie einen Brandschutzplan aufstellen.
  • Regelmäßige Übungen durchführen.
  • Für Überdruck geeignete Feuerlöscher vorhalten.
  • Fluchtgeräte bereitstellen.

Arbeitszeit

  • Max. 8 h/Tag und 40 h/Woche.
  • 12 Stunden Freizeit zwischen den Schichten.
  • Nach 4 Stunden Arbeitszeit, 0,5 Stunden Pause einhalten.
  • Maximale Aufenthaltszeiten in Druckluft siehe Drucklufttabellen, z. B.:
    • bei 1,5 bar Überdruck: 6,00 h,
    • bei 2,0 bar Überdruck: 4,45 h,
    • bei 3,6 bar Überdruck: 2,00 h.

Personaleinsatz

  • In Druckluft dürfen Arbeitnehmer nicht beschäftigt werden:
    • bei mehr als 3,6 bar Überdruck,
    • unter 18 oder über 50 Jahre,
    • Ausnahmen auf Antrag möglich.
  • Druckluftbaustellen müssen
    • von einem fachkundigen Bauleiter mit Befähigungsschein nach DruckluftV geleitet werden,
    • von einem ermächtigten Druckluftarzt betreut werden.
  • Ab 2,0 bar Überdruck muss der Druckluftarzt ständig auf der Baustelle anwesend sein.
  • Folgende Fachkundige müssen ständig anwesend sein:
    • Befähigungsscheininhaber,
    • Sachkundiger für Druckleitungsnetz, Schleusen und Kammern,
    • Sachkundiger für elektrische Anlagen,
    • Schleusenwärter,
    • Ersthelfer,
    • Brandbekämpfer.

Aufgaben des Schleusenwärters

  • Der Schleusenwärter
    • kontrolliert die Eignung der Beschäftigten vor dem Einschleusen,
    • führt den Schleusungsvorgang durch,
    • schreibt das Schleusenbuch,
    • überwacht das Wohlbefinden der Beschäftigten,
    • überwacht den Sauerstoffgehalt in der Schleuse,
    • kontrolliert die vorhandenen Sicherheitseinrichtungen.

Besonderheiten beim Schleusen

  • Wird mehr als 50 % der maximalen Aufenthaltszeit in Überdruck verbracht, ist nur eine Schleusung pro Schicht möglich.
  • Bei Wiederholungsschleusung muss mindestens eine Stunde Pause dazwischen eingehalten werden.

Geräteeinsatz

  • Luftversorgung der Arbeitskammer über mindestens zwei voneinander unabhängige Energiequellen.
  • Die erforderliche Luftmenge (m3/min) muss erzeugt werden können:
    • bei zwei Verdichtern durch jeden einzelnen,
    • bei mehr als zwei Verdichtern durch 2/3 der Verdichter.
  • Bei mehr als 0,7 bar Überdruck muss eine Krankendruckluftkammer vorhanden sein.

Zusätzliche Hinweise für Schweiß- und Schneid arbeiten

  • Schweiß- und Schneidarbeiten unter Druckluft sind wegen der erhöhten Brandgefahr und der Vergiftungsgefahr durch Schweißrauche mit erheblichen Risiken verbunden.
  • Sofern nicht darauf verzichtet werden kann, sind u.a. folgende Maßnahmen vorzusehen:
    • Betriebsanweisung erstellen,
    • brennbare Stoffe entfernen,
    • Fluchtwege festlegen/freihalten,
    • absaugen der Rauchgase,
    • gegebenenfalls Zusatzbelüftung oder Atemschutz,
    • schwer entflammbare Schutzanzüge einsetzen,
    • möglichst Lichtbogenverfahren verwenden,
    • Brandwache während und nach den Arbeiten.

Prüfungen durch Sachverständige

  • Schleusen und Schachtrohre, Sauerstoffanlage, elektrische Anlagen und die Krankendruckluftkammer müssen vor der Inbetriebnahme und in bestimmten Zeitabständen durch einen Sachverständigen geprüft werden.

Ärztliche Untersuchung

  • Nach Druckluftverordnung §10:
    • Eignungsuntersuchung vor erster Beschäftigung,
    • jährlich wiederkehrende Eignungsuntersuchung,
    • Zusatzuntersuchungen nach Erkrankungen.
Weitere Informationen:
Druckluftverordnung
DGUV Vorschrift 38 Bauarbeiten
RAB 25 Arbeiten in Druckluft
DGUV Regel 100-500 Betreiben von Arbeitsmitteln
DGUV Regel 101-007 Sicherheitsregeln für Bauarbeiten unter Tage
DGUV Information 201-035 “Sicher Arbeiten im Tunnelbau“
DGUV Information 203-004 Einsatz von elektrischen Betriebsmitteln bei erhöhter elektrischer Gefährdung

07/2015

 

 

Webcode: M1367-50


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