BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Ingenieurbauarbeiten in Gleisnähe

Icon: Baustein

Brückenbau bei Gleisen

Gefährdungen

  • Durch Zugfahrten und Stromübertritt aus der Fahrleitung (Oberleitung/Speiseleitung) können Personen verletzt werden.
  • Das Bewegen von Lasten in Gleisnähe kann den Bahnbetrieb gefährden.

Allgemeines

  • Risiken können bestehen,
    • wenn Personen, Bauteile, Maschinen, Geräte, Lasten in den Gleisbereich hineingeraten,
    • wenn Arbeitskräfte die Bahntrasse queren,
    • wenn sich Teile von Maschinen oder Lasten unbeabsichtigt der Fahrleitung oder Speiseleitung nähern,
    • wenn Material oder Bauteile in die Gleisanlage abstürzen,
    • wenn Triebfahrzeugführer durch in Gleisnähe bewegte Maschinen oder Lasten irritiert werden.
  • Erforderliche Gleissperrungen mit der für den Bahnbetrieb zuständigen Stelle rechtzeitig abstimmen (z. B. für das Versetzen von Rüstung, Schalung, Fertigteilen über der Gleisanlage).
  • Erforderliche Ausschaltungen der Fahrleitungen rechtzeitig mit dem Beauftragten des Anlagenverantwortlichen des Bahnbetreibers abstimmen.

Schutzmaßnahmen

Arbeitsvorbereitung

  • Bei ortsfesten Arbeitsstellen größeren Umfangs (z. B. Dauer > 1 Tag bei 100 m Länge) muss eine feste Absperrung zwischen Arbeitsbereich und Gleisbereich vorhanden sein, soweit Tätigkeit und Platzverhältnisse dies zulassen Nummer 1.
  • Bei Arbeiten beidseits der Bahntrasse die Baustelleneinrichtung so planen, dass Anlass zum Queren der Gleisanlage vermieden wird. Kleingeräte, Werkstattcontainer, Sanitäranlagen beidseits vorhalten.
  • Wenn die Bahntrasse gequert werden muss: sicheren Übergang benutzen (Tunnel, Brücke) oder Behelfsübergang mit Sicherung oder Firmenfahrzeug bereitstellen für Querung an Bahnübergang/Brücke.
  • Wenn Arbeiten hinter der festen Absperrung erforderlich sind: Anmeldung bei der für den Bahnbetrieb zuständigen Stelle. Diese legt die Sicherungsmaßnahme fest.
  • Arbeiten im Gleisbereich nur mit Sicherung z. B. durch Gleissperrung, automatisches Warnsystem oder Sicherungsposten.
  • Angaben zur Höhe der Fahrleitung im Arbeitsbereich einholen (DB: Angabe in der Betra).
  • Fahrleitung absenken lassen, wenn dies bei Brückenneubauten für die Einhaltung des Schutzabstandes erforderlich ist, dabei Lehrgerüst-Bauhöhe beachten.

Großgeräte

  • Mobilkran, Turmdrehkran, Betonpumpe: Gefahr durch unbeabsichtigte Annäherung an Fahrleitung oder Speiseleitung prüfen und Schutzmaßnahmen durchführen.
  • Schutzabstand einhalten von Fahrleitung, Quertragwerken, Abspanndrähten, Speiseleitungen Nummer 2.
  • Bei der DB (Fahrleitung 15.000 V): Schutzabstand > 3 m einhalten (> 1,5 m für bahntechnisch unterwiesenes Personal).

  • Turmdrehkrane mit Arbeitsbereichsbegrenzung ausrüsten. Schwenkbegrenzung reicht i. A. nicht aus Nummer 3.
  • Bei Kranen Ausschwingen angeschlagener Lasten, auch durch Windeinfluss, beachten.
  • Wenn Gefahr besteht, dass der Schutzabstand unterschritten wird: Fahrleitung/Speiseleitung ausschalten lassen.
  • Krane mit Windmesser ausrüsten.
  • Für Mobilkran, Turmdrehkran, Betonpumpe eine Bahnerdung herstellen Nummer 4 (DB: 15.000 V, Querschnitt des Erdungsseils nach Angabe des Bahnbetreibers, mindestens 50 mm2 Kupferkabel).
  • Kraftbetriebene Maschinenteile oder angehängte Lasten dürfen nicht in den Gleisbereich hineinragen.
  • Nicht mit Last über Gleise schwenken.
  • Wenn Lasten (z. B. Rüstträger, Fertigteile) über der Bahntrasse versetzt werden müssen, muss diese gesperrt sein und Fahrleitung/Speiseleitung müssen ausgeschaltet sein.
  • Großflächenschalung in Gleisnähe nur bei Sperrung des benachbarten Gleises bewegen, wenn die Gefahr besteht, dass die Last in den Gleisbereich hineingerät (Windkräfte).
  • Auch bei Leihgeräten (Mobilkran, Betonpumpe) den Maschinenführer einweisen, z. B. zu Schutzabständen, Bahnerdung.

Schalung und Rüstung, Arbeitsgerüste

  • Mit von Hand bewegtem Material (z. B. Bewehrungsstäbe, Schalungsanker, Schalbretter, Gerüstrohre, Fahrgerüste) und Werkzeug darf es auch durch unbeabsichtigte Bewegungen nicht möglich sein, den Schutzabstand zur Fahrleitung von der Schalung bzw. Rüstung aus zu unterschreiten.
  • Dicht geschlossene Schutzwand an Arbeitsgerüsten, Traggerüsten, Schalungen über und neben der Fahrleitung herstellen (Höhe > 1,8 m) Nummer 5.
  • Schalung und Rüstung über Fahrleitung seitlich und unten dicht schließen Nummer 6.
  • Für Schalung und Rüstung im Rissbereich der Fahrleitung Nummer 7 eine durchgehende elektrische Verbindung gemäß Erdungsplan herstellen und mit der Bahnerde verbinden.
  • Anschluss für Bahnerde von der für den Bahnbetrieb zuständigen Stelle festlegen lassen.

Verhalten

  • Mitarbeiter unterweisen.
  • Feste Absperrung nicht übersteigen.
  • Betreten des Gleisbereichs nur wenn Sicherungsmaßnahmen eingerichtet sind: z. B. Sperrung (DB: Uv-Sperrung) oder Warnung durch automatisches Warnsystem oder Sicherungsposten und nach Anweisung durch den Aufsichtführenden.
  • Lasten nicht über die Bahntrasse schwenken.
  • Werkzeuge und Material dürfen nicht ins Gleis fallen.
  • Von Schalungen und Rüstungen über Gleisanlagen darf nichts hinunterhängen (z. B. Kabel von Handmaschinen).
  • Schutzabstand zur Fahrleitung immer einhalten Nummer 2.
  • Warnkleidung tragen.
Weitere Informationen:
DGUV Vorschrift 77 Arbeiten im Bereich von Gleisen
DGUV Regel 101-024 Sicherungsmaßnahmen bei Arbeiten im Gleisbereich von Eisenbahnen
DGUV Regel 112-194 Benutzung von Gehörschutz
DGUV Information 201-021 Sicherheitshinweise für Arbeiten im Gleisbereich von Eisenbahnen Sicherungsanweisungen des Bahnbetreibers (Betra: Betriebs- und Bauanweisung, Sicherungsplan)
Richtlinien der DB: 132.0118, 132.0123
EN 50122-1
EN 50110-1

09/2016

 

 

Webcode: M1254-50


Volltextsuche mit Filterfunktionen

Was ist neu?

Die Bausteine auf dem Smartphone oder Tablet-PC

Ausgabe 2016

Infos hier