BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Gleisbauarbeiten im Eisenbahntunnel

Icon: Baustein

Gefährdungen

  • Durch Zugfahrten im Nachbargleis, Rangierfahrten im Arbeitsgleis können Personen erfasst und überfahren werden. Durch unzureichende Belüftung kann es zu Gesundheitsschäden kommen.

Schutzmaßnahmen

Bei Zugfahrten

  • Bei Arbeiten im Tunnel muss das Arbeitsgleis immer gesperrt sein.
  • Die Sicherung gegenüber dem Bahnbetrieb im Nachbargleis wird von der für den Bahnbetrieb zuständigen Stelle festgelegt und erfolgt durch
    • Arbeiten im Fahrzeug (Maschine), das nicht verlassen wird,
    • feste Absperrung zwischen Arbeitsgleis und Nachbargleis, auch in Kombination mit einem automatischen Warnsystem,
    • automatisches Warnsystem (Signalgeber auf Randweg in Tunnelachse abstrahlend Nummer 2)
      oder
    • Sicherungsposten.
  • Geschwindigkeit im Nachbargleis bei Arbeiten in Tunneln ohne Nischen:
    • max. 120 km/h: Weiterarbeit nach Warnung zulässig Nummer 1,
    • max. 160 km/h: Arbeit bei Warnung unterbrechen und an die Tunnelwand stellen.
  • Nachbargleis und Randweg des Nachbargleises nicht betreten.
  • Nachbargleis vor dem Tunnelportal nur mit Sicherungsmaßnahme queren (bei DB Netz AG z. B. Uv-Sperrung).

Bei Bewegung von Schienenfahrzeugen im Arbeitsgleis

  • Schienenfahrzeuge dürfen nicht bewegt werden, wenn kein durchgehender Randweg vorhanden ist und im Nachbargleis eine Zugfahrt stattfindet.
  • Nahbereiche vor/hinter Schienenfahrzeugen durch direkte oder indirekte Sicht (z. B. Kamera-Monitor-System) überwachen.

Bei Bewegung von Erdbaumaschinen und Baustellenfahrzeugen

  • Erdbaumaschinen und Fahrzeuge mit Rückraumüberwachung Nummer 5 ausrüsten (z. B. Kamera-Monitor-System, Sichtfeldanforderungen gemäß ISO 5006).
  • Arbeitsbereiche von Maschinen und Beschäftigten räumlich und zeitlich trennen.

Zusätzliche Hinweise bei Arbeiten unter Fahrleitung

  • Hebezeuge (Zweiwegebagger, Anbaukrane) nur einsetzen unter abgeschalteter Fahrleitung.
  • Schutzabstand > 1,5 m immer einhalten (15 kV, Arbeitskräfte bahntechnisch unterwiesen).
  • Arbeiten auf hochliegenden Standorten (z. B. Turmtriebwagen) nur bei ausgeschalteter und geerdeter Fahrleitung durchführen.

Zusätzliche Hinweise für die Tunnelatmosphäre

  • Gefährdungen durch schlechte natürliche Durchlüftung (z. B. von Senken und Kuppen, im U-Bahn- Tunnel) oder Freisetzung von Gefahrstoffen (Verbrennungsmotoren, Dieselmotoremissionen, Staub aus Schotterbewegung) vermeiden.
  • Lüftungskonzept erstellen, dabei:
    • Naturzug nicht ansetzen,
    • technische Lüftungsrichtung muss auch entgegen Winddruck auf Portal erreichbar sein,
    • mehrere Lüfter hintereinander aufstellen (z. B. auf Randweg Nummer 4) oder mitführen (z. B. auf Eisenbahnwagen),
    • Arbeitsrichtung so planen, dass sich die Hauptemittenten (z. B. Az-Loks) abluftseitig befinden.
  • Technische Lüftung einsetzen Nummer 4:
    • wenn Hauptemittenten abluftseitig: Bewetterung für mind. 1,5 m/s mittlere Luftgeschwindigkeit planen,
    • wenn Hauptemittenten zuluftseitig: Luftzufuhr mindestens: je kW Dieselmotorleistung 4 m3/min und je Beschäftigtem 2 m3/min.
  • Dieselbetriebene Baumaschinen und Eisenbahnfahrzeuge nach Stand der Technik mit Rußpartikelfilter (BAFU-Filterliste) ausrüsten Nummer 3.
  • Belastung der Tunnelatmosphäre durch benzingetriebene Maschinen vermeiden:
    • Kleinmaschinen mit elektrischem Antrieb oder Dieselantrieb mit Partikelfilter einsetzen,
    • soweit möglich benzingetriebene Maschinen mit Katalysator ausrüsten,
    • wenn benzingetriebene Handmaschinen unvermeidbar sind: Maschinenbediener mit manngetragenem CO-Messgerät mit Alarmausgabe ausrüsten.
  • Atmosphäre an Arbeitsplätzen durch Mehrfach-Gasmessgeräte überwachen (Sauerstoff, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Stickoxide).
  • Mittlere Luftgeschwindigkeit im Tunnel messen und dokumentieren.
  • Stromaggregate soweit möglich außerhalb des Tunnels aufstellen. Dieselaggregate im Tunnel mit Rußpartikelfilter ausrüsten.
  • Staub reduzieren, z. B. durch Niederschlagung mit Wasser.
  • Bei Staubfreisetzung Atemschutz verwenden (Partikelfilter mindestens P2).

Zusätzliche Hinweise für den Brandschutz

  • Brennbare Stoffe (Kraftstoffe, Flüssiggas) nicht im Tunnel lagern.
  • Kraftstoff und Flüssiggas im Tunnel auf die Mengen begrenzen, die für die Arbeiten erforderlich sind.
  • Tanken von Kraftstoffen außerhalb des Tunnels.
  • Brandschutzmaßnahmen vorbereiten (Feuerlöscher an Arbeitsstellen, Meldeeinrichtungen).

Zusätzliche Hinweise für die Beleuchtung

  • Vorhandene Tunnelbeleuchtung in Betrieb setzen lassen.
  • Arbeitsstellen ausreichend beleuchten.
  • Warnkleidung tragen.

Notfallmaßnahmen

  • Verständigungsmöglichkeit für Notruf aus dem Tunnel sicherstellen.
  • Anfahrt für Rettungsdienst zum Tunnelportal und Transportmöglichkeit für Verletzte aus dem Tunnel sicherstellen.
  • Einweisung in die für Gleisbauarbeiten im Tunnel erforderlichen Schutzmaßnahmen.
Weitere Informationen:
Gefahrstoffverordnung
DGUV Vorschrift 38 Bauarbeiten
DGUV Vorschrift 77 Arbeiten im Bereich von Gleisen
TRGS 554 Abgase von Dieselmotoren
TRGS 900 Arbeitsplatzgrenzwerte
ASR A 3.4 Beleuchtung
DGUV Regel 101-024 Sicherungsmaßnahmen bei Arbeiten im Gleisbereich von Eisenbahnen
DGUV Regel 112-194 Benutzung von Gehörschutz
DGUV Information 201-021 Sicherheitshinweise für Arbeiten im Gleisbereich von Eisenbahnen
BAFU-Filterliste für Partikelfiltersysteme auf Baumaschinen (www.umweltschweiz.ch/publikationen )
Sicherungsanweisungen des Bahnbetreibers (Betra: Betriebs- und Bauanweisung, Sicherungsplan)
Richtlinien der DB: 132.0118, 132.0123, 931 (Nebenfahrzeuge)
ISO 5006 (2006-11) Erdbaumaschinen – Sichtfeld – Testverfahren und Anforderungskriterien

09/2016

 

 

Webcode: M1380-50


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