BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Arbeiten in engen Räumen

Icon: Baustein

Scheissarbeiten in einem engen Raum

Gefährdungen

  • Wegen unzureichender Belüftung kann es durch Gefahrstoffe zu Gesundheitsschäden oder explosionsfähiger Atmosphäre kommen.
  • Wegen beengter Verhältnisse und einer leitfähigen Umgebung können Personen einen elektrischen Stromschlag erhalten.

Allgemeines

  • Enge Räume können Kessel, Brennkammern, Rauchgaskanäle, Wärmetauscher, Schmelzöfen, Behälter, Silos, Rohleitungen, Schächte usw. sein.
  • Vor Arbeiten in engen Räumen die dort möglichen Gefährdungen ermitteln und beurteilen.
  • Benennung eines verantwortlichen Aufsichtführenden.
  • Benennung eines zuverlässigen Sicherungspostens, der mit den Beschäftigten in Kontakt steht (Sichtverbindung, Sprechverbindung, Signalleine) und der jederzeit, ohne seinen Posten zu verlassen, Hilfe herbeiholen kann.
  • Erlaubnisschein mit festgelegten Schutzmaßnahmen vom Betreiber einholen.
  • Arbeiten erst beginnen, wenn die schriftlich festgelegten Schutzmaßnahmen getroffen und die Beschäftigten unterwiesen sind.

Schutzmaßnahmen

  • Durch Messungen prüfen, ob bei Vorhandensein von Gefahrstoffen die Arbeitsplatzgrenzwerte eingehalten werden.
  • Falls Grenzwerte nicht eingehalten werden können, Räume entleeren und reinigen bzw. gasfrei machen und ggf. abtrennen.
  • Bei Infektionsgefährdungen durch biologische Stoffe Räume sterilisieren oder desinfizieren. Ist dies nicht möglich, geeignete persönliche Schutzausrüstung benutzen.
  • Räume ausreichend lüften. Mit Frischluft, nicht mit Sauerstoff belüften.
  • Isoliergeräte als Atemschutz verwenden, wenn der natürliche Sauerstoffgehalt (20,9 Vol. %) durch Be- und Entlüftungsmaßnahmen nicht sichergestellt werden kann.
  • Heiz- und Kühleinrichtungen, Kälteanlagen vor Beginn der Arbeiten außer Betrieb setzen und gegen Wiedereinschalten sichern.
  • Besteht die Gefahr des Versinkens oder Verschüttetwerdens, Arbeiten von einer festen Arbeitsbühne ausführen oder eine Siloeinfahreinrichtung benutzen.
  • Das Auftreten einer gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre vermeiden. Ist dies nicht möglich, Zündquellen vermeiden und Arbeiten nur von besonders unterwiesenen Personen und nur mit Betriebsmitteln, Werkzeugen und PSA durch führen, die für den Einsatz in der vorliegenden Zone geeignet sind.
  • Schweißarbeiten nicht in explosionsfähiger Atmosphäre durchführen.
  • Anbackungen und Verbrennungsrückstände vor Arbeitsbeginn entfernen.

Zugangsverfahren

  • Die Auswahl der Zugangsverfahren hängt ab
    • von der Gestaltung der Zugangsöffnungen (Größe, Lage, Erreichbarkeit),
    • von den Rettungsmöglichkeiten (Behinderung durch Einbauten),
    • von der Bauart der Behälter, Silos oder engen Räume (Höhe, Tiefe, Geometrie).
  • Größe und Anordnung von Zugangsöffnungen müssen das Ein- und Aussteigen und die schnelle Rettung von Beschäftigen ermöglichen.Geeignete Einfahreinrichtungen wie Arbeitssitze, -körbe, -bühnen oder Siloeinfahreinrichtungen benutzen. Auffanggurte als Personenaufnahmemittel sind nur dann zulässig, wenn sichergestellt ist, dass die Dauer des Hubvorgangs nach oben 5 Minuten nicht übersteigt.

Notfall- und Rettungsverfahren

  • Geeignete Ausrüstung zur Rettung und ggf. zur Brandbekämpfung bereithalten.
  • Beschäftigte, insbesondere die Sicherungsposten unterweisen und Rettungsverfahren praktisch üben.
  • Alarm- und Rettungsplan aufstellen.

Elektro- und Schutzgasschweißen

  • Wegen erhöhter elektrischer Gefährdung** nur für derartige Arbeiten geeignete und besonders gekennzeichnete Schweißstromquellen benutzen.
  • Isolierende Zwischenlagen (Gummimatten, Holzroste u.a.) verwenden.
  • Schwer entflammbare und trockene Kleidung sowie unbeschädigte Sicherheitsschuhe tragen.
  • Schweißstromquellen nicht in engen Räumen aufstellen.

Gasschweiß-, Brennschneid- und Hartlötarbeiten

  • Brenngas- und Sauerstoffflaschen nicht in engen Räumen aufstellen.
  • Bei längeren Arbeitsunterbrechungen Brenner und Schläuche aus den Räumen entfernen.
  • Schwer entflammbare Schutzkleidung tragen.

Räume des Feuerfestbaues

  • In Behältern und engen Räumen des Feuerfestbaues ist es unzulässig,
    • gefährliche Zubereitungen her zustellen, soweit dies nicht arbeitstechnisch erforderlich ist,
    • Reinigungsarbeiten mit brennbaren Flüssigkeiten (z. B. Lösemitteln) auszuführen,
    • Innenwände oder Einbauten so stark zu erwärmen, dass dadurch gesundheitsgefährliche Zersetzungsprodukte entstehen können, Druckgasbehälter, ausgenommen Feuerlöscher und Atemschutzgeräte, mit hineinzunehmen, zu rauchen und offenes Licht zu verwenden.

Arbeiten mit elektrischen Betriebsmitteln in Bereichen mit erhöhter elektrischer Gefährdung

  • In Räumen/Bereichen mit leitfähiger Umgebung und zusätzlich begrenzter Bewegungsfreiheit ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel nur mit der Schutzmaßnahme
    • Kleinspannung SELV (nur Betriebsmittel der Schutzklasse III anschließen) oder
    • Schutztrennung betreiben (pro Trenntransformator nur einen Verbraucher anschließen, bei Betriebsmitteln der Schutzklasse I Potentialausgleich mit der leitfähigen Umgebung herstellen).
  • Ortsveränderliche Stromerzeuger, Trenntrafos und Baustromverteiler grundsätzlich außerhalb des Raumes/Bereichs mit leitfähiger Umgebung aufstellen.
  • Ist dies aus technischen Gründen nicht möglich, z. B. bei sehr langen Rohrleitungen, Kastenträgern usw., darf im Einzelfall die Stromquelle innerhalb des leitfähigen Bereiches mit begrenzter Bewegungsfreiheit aufgestellt werden, wenn die Zuleitung
    • geschützt verlegt und vom Typ H07RN-F oder mindestens gleichwertiger Bauart ist und
    • über eine stationäre RCD mit IΔN 30mA betrieben wird.

Schutzklasseneinteilung der Elektrowerkzeuge

Schutzklasse I – Schutzleitersystem
Schutzklasse II – schutzisoliert
Schutzklasse III– Schutzkleinspannung

Arbeitsmedizinische Vorsorge

  • Arbeitsmedizinische Vorsorge nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung veranlassen (Pflichtvorsorge) oder anbieten (Angebotsvorsorge). Hierzu Beratung durch den Betriebsarzt.

Beispiel: Tank mit schrägem Mannloch

Tank mit schrägem Mannloch

** Erhöhte elektrische Gefährdung besteht z. B.:
  1. an Arbeitsplätzen, an denen die Bewegungsfreiheit begrenzt ist, so dass der Beschäftigte zwangsläufig (z. B. kniend, sitzend, liegend oder angelehnt) mit seinem Körper elektrisch leitfähige Teile berührt
  2. an Arbeitsplätzen, an denen bereits eine Abmessung des freien Bewegungsraumes zwischen gegenüberliegenden elektrisch leitfähigen Teilen weniger als 2 m beträgt, so dass der Beschäftigte diese Teile zufällig berühren kann
  3. an nassen, feuchten oder heißen Arbeitsplätzen, an denen der elektrische Widerstand der menschlichen Haut oder der Arbeitskleidung und der Schutzausrüstung durch Feuchtigkeit oder Schweiß erheblich herabgesetzt werden kann
Weitere Informationen:
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge
BGV A1 /DGUV Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention
TRBS 2152/TRGS 720 Gefährliche explosionsfähige Atmosphäre
DGUV Regel 103-007 Steiggänge für Behälter und umschlossene Räume
DGUV Regel 112-190 Benutzung von Atemschutzgeräten
DGUV Regel 112-199 Retten aus Höhen und Tiefen mit persönlichen Absturzschutzausrüstungen
DGUV Regel 113-004 „Behälter, Silos und enge Räume“
DGUV Information 203-004 Einsatz von elektr. Betriebsmitteln bei erhöhter elektr. Gefährdung

07/2015

 

 

Webcode: M1275-50


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