BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Strahlarbeiten

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Strahlerkopf

Strahlreinigung

Gefährdungen

  • Bei Strahlarbeiten besteht die Gefahr, dass Strahlmittel (z. B. körnige Strahlmittel) unter hohen Drücken austreten und Personen verletzt werden.
  • Beim Einatmen von Stäuben, sowie bei der Aufnahme von gesundheitsschädlichen Gefahrstoffen kann es zu systemischen Erkrankungen und Erkrankungen der Atemwege kommen.

Schutzmaßnahmen

Drucklufterzeugung und Druckluftaufbereitung

  • Verdichter (Kompressor) außerhalb von Schadstoffquellen aufstellen.
  • Ansaugfilter regelmäßig reinigen.
  • Abdeckklappen stets geschlossen halten.
  • Druckluftkühler und Druckluftbehälter mit Wasserabscheider versehen.
  • Kondenswasser am Druckluftbehälter regelmäßig ablassen.

Strahlkessel

  • Entlüftungseinrichtung auf Verschleiß hin täglich kontrollieren und rechtzeitig auswechseln.
  • Abblasestrom vom Ventil über ein mind. 3,00 m langes Schlauchstück ableiten. Schlauchende befestigen (Schalldämpfung).
  • Behälter zur Kontrolle des Füllstandes nur mit weichen Gegenständen abklopfen, z. B. Holz- oder Gummihammer.
  • Behälter nach Schichtende komplett entleeren, um Verkrustungen und Anbackungen zu vermeiden.

Strahlmittel

  • Nur nichtsilikogene Strahlmittel verwenden, z. B. Kupferschlacke, Schmelzkammerschlacke, Glasgranulat, Drahtkorn.
  • Die Verwendung silikogener Strahlmittel, z. B. Quarzsand, ist verboten; der Quarzgehalt muss weniger als 2 % betragen.

Strahlschläuche

  • Druckluftstrahleinrichtungen, die von Hand gehalten werden, müssen mit Totmannschaltung ausgerüstet sein Nummer 1, die beim Loslassen einen weiteren Austritt von Strahlmitteln und Druckluft verhindert und den Strahlschlauch druckentlastet.
  • Schlauchverengungen vermeiden und auf einwandfreie Verbindungen achten.
  • Beschädigte Schläuche austauschen.

Organisatorische Maßnahmen

  • Vor Beginn der Arbeiten ist eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen.
  • Strahlarbeiten nach Möglichkeit nur in Strahlräumen, z. B. Einhausungen, festen Strahlräumen, ausführen.
  • Beim Trockenstrahlen Strahlräume absaugen.
  • Verständigungsmöglichkeiten zwischen Strahlbläsern und Aufgabestelle sicherstellen, z. B. Sichtkontakt, Sprechfunk, Signaleinrichtung.
  • Zur Beseitigung von Staubablagerungen nur geeignete und geprüfte Industriestaubsauger verwenden.
  • Schutzmaßnahmen für mögliches Entstehen von feuer- und explosionsgefährdeten Bereichen festlegen.
  • Betriebsanweisung aufstellen und Einhaltung kontrollieren.
  • Beschäftigte über Gefährdungen und Schutzmaßnahmen mittels Betriebsanweisung unterweisen.
  • Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen überwachen, insbesondere Atem- und Gehörschutz.
  • Filtereinsatz der Atemluftfilter regelmäßig erneuern.
  • Funktion der Totmannschaltung kontrollieren.
  • Persönliche Schutzausrüstungen in gesonderten Umkleideräumen getrennt von anderer Kleidung aufbewahren.
  • Aufenthalts-, Umkleide- und Sanitärräume regelmäßig feucht reinigen.
  • Vor dem Essen, Trinken und Rauchen Hände und Gesicht gründlich reinigen.
  • Wartung und Reparatur von Geräten nur von befähigten Personen (z. B. Sachkundigen) ausführen lassen.

Persönliche Schutzausrüstungen

  • Bei Strahlarbeiten mit reiner Staubbelastung aus dem Strahlmittel Strahlerhelm mit Prallschutzüberzug und Frischluftversorgung benutzen Nummer 2.
    Darüber hinaus sind schulter- und körperbedeckende Prallschutzkleidung, Schutzhandschuhe und Sicherheitsschuhe zu tragen.
  • Personen, die sich im Gefährdungsbereich während der Strahlarbeiten aber außerhalb der Reichweite der Strahlarbeiten aufhalten, z. B. beim Beräumen, müssen ebenfalls Atemschutz, z. B. Halbmaske mit Partikelfilter 2 und ggf. auch Schutzkleidung, z. B. Chemikalienschutzanzug benutzen.
  • Gehörschutz benutzen.

Persönliche Schutzausrüstungen bei Exposition gegenüber Gefahrstoffen

  • Bei Arbeiten mit Exposition gegenüber gesundheitsgefährdenden, giftigen Gefahrstoffen glatte, einteilige, komplett belüftete Strahlerschutzanzüge nach DIN EN ISO 14877 tragen, sowie Strahlhelme mit umgebungsluftunabhängiger Atemluftversorgung Nummer 3.
  • Die Anzüge (Kombinationsschutzanzüge) müssen eine EG-Baumusterprüfung besitzen. Erkennbar sind solche Anzüge an der in den Anzug eingenähten CE-Kennzeichnung sowie der in der Herstellerinformation angegebenen notifizierten Stelle.
  • Personen, die sich im Gefährdungsbereich während der Strahlarbeiten mit Gefahrstoffbelastung aufhalten, z. B. beim Entfernen von Strahlmittelrückständen, müssen ebenfalls Kombinationsschutzanzüge und Atemschutz tragen.

Zusätzliche Hinweise bei Freiwerden gefahrstoffbelasteter Stäube

  • Beim Entfernen von z. B. blei-, arsen-, zinkchromat-, teer- und pechhaltigen Beschichtungen sind weitergehende Maßnahmen zu treffen. Zu den Maßnahmen gehören:
    • Einsatz von Absauganlagen, bei stationären Strahlräumen 40-60facher Luftwechsel/Std. und 40-50 Pa Unterdruck, bei Einzeltungen usw. mind. 5facher Luftwechsel und 20 Pa Unterdruck,
    • Verwendung spezieller einteiliger und belüfteter Kombinationsschutzanzüge nach DIN EN ISO 14877 Nummer 3,
    • Getrennte Räume zur Aufbewahrung von Straßen- und Arbeitskleidung mit dazwischen liegenden Sanitärräumen.
  • Kombinationsanzüge erst nach gründlicher Reinigung ablegen, z. B. durch Abspritzen, Absaugen.

Schutz der Umwelt

  • Strahlschutt (abgestrahlte Strahlmittel und Beschichtungen) in Behältern sammeln und auf zugelassenen Deponien so einlagern, dass die Umwelt nicht belastet wird.
  • Arbeitsbereich weitgehend einhausen und Einhausung nach Abschluss der Arbeiten reinigen.

Arbeitsmedizinische Vorsorge

  • Arbeitsmedizinische Vorsorge nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung veranlassen (Pflichtvorsorge) oder anbieten (Angebotsvorsorge). Hierzu Beratung durch den Betriebsarzt.

Prüfungen

  • Strahlgeräte prüfen, die für einen ortsveränderlichen Einsatz vorgesehen sind,
    • vor der ersten Inbetriebnahme durch eine zugelassene Überwachungsstelle,
    • vor der Wiederinbetriebnahme an einem neuen Standort durch eine "zur Prüfung befähigte Person", nur
      • wenn eine Bescheinigung über eine andernorts durchgeführte Inbetriebnahmeprüfung nicht vorliegt, oder
      • wenn sich beim Ortswechsel die Betriebsweise, die Ausrüstung oder die Anschlussverhältnisse ändern, oder
      • falls am neuen Standort besondere Anforderungen an die Aufstellung zu stellen sind.
  • Wiederkehrende Prüfungen:
    • Druck-Volumen-Produkt größer als 1000 bar x Liter: Prüfung durch zugelassene Überwachungsstelle innerhalb von festgelegten Höchstzeiträumen
    • Druck-Volumen-Produkt bis zu 1000 bar x Liter: Prüfung durch "zur Prüfung befähigte Person" innerhalb von Prüffristen, die nach Herstellerinformationen und Erfahrungen mit Betriebsweise und Beschickungsgut festzulegen sind
Weitere Informationen:
Betriebssicherheitsverordnung
Gefahrstoffverordnung
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge
BGV A1/DGUV Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention
TRGS 524 Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen
TRBS 1203 Befähigte Person
DGUV Regel 100-500 Betreiben von Arbeitsmitteln
DGUV Regel 112-189 Benutzung von Schutzkleidung
DGUV Regel 112-190 Benutzung von Atemschutzgeräten
DGUV Regel 112-194 Benutzung von Gehörschutz
DGUV Information 212-024 Gehörschutz

07/2017

 

 

Webcode: M1183-50


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