BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Alte Mineralwolle-Dämmstoffe
Glaswolle, Steinwolle mit krebsverdächtigen Eigenschaften

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Arbeiten mit Mineralwolle-Dämmstoffen

Gefährdungen

  • Bei Demontage-, Abbruch-, Instandhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten besteht grundsätzlich ein Krebsverdacht, wenn die Mineralwolle-Produkte vor dem Jahr 2000 eingebaut wurden.

Allgemeines

„Alte“ Produkte

  • Seit dem 1.6.2000 dürfen „alte“ Mineralwolle-Dämmstoffe nicht mehr verwendet werden. Durch das Verwendungsverbot darf es in Deutschland den Umgang damit nur noch im Zuge von Demontage-, Abbruch-, Instandhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten geben. Bei solchen Arbeiten besteht grundsätzlich ein Krebsverdacht, wenn die Mineralwolle-Produkte vor dem Jahr 2000 eingebaut wurden.
  • Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermitteln, ob es sich bei der in Frage stehenden Mineralwolle um „alte“, also krebsverdächtige Produkte handelt.
  • Tätigkeiten mit alten Dämmstoffen in das Gefahrstoffverzeichnis aufnehmen (einmalig unternehmensbezogen).
  • Die TRGS 521 liefert eine Auflistung von Tätigkeiten mit den entsprechenden Expositionskategorien. Die erforderlichen Schutzmaßnahmen bei diesen Tätigkeiten sind gestaffelt und orientieren sich an der Höhe der Faserstaubbelastungen am Arbeitsplatz sowie der Dauer und Häufigkeit der Arbeiten.

Schutzmaßnahmen

  • Die Maßnahmen der jeweiligen Expositionskategorie sind nachfolgend aufgeführt:

Expositionskategorie E1

  • Für Tätigkeiten mit keiner oder nur sehr geringer Staubexposition, z. B. Arbeiten an Innenwänden (Trennwänden, Vorsatzschalen) ohne Demontage des Dämmstoffes, Öffnen einzelner Abschnitte von weniger als 3 m2, Arbeiten an schwimmend verlegtem Estrich mit Demontage von weniger als 3 m2 Dämmstoff.

Maßnahmen

  • Material nicht reißen.
  • Motorgetriebene Sägen nur mit Absaugung beim Ausbau verwenden.
  • Ausgebautes Material nicht werfen.
  • Für gute Durchlüftung am Arbeitsplatz sorgen.
  • Aufwirbeln von Staub vermeiden.
  • Arbeitsplatz sauber halten und regelmäßig mit Staubsauger reinigen.
  • Stäube mit Industriestaubsauger (mindestens Kategorie M) aufnehmen bzw. feucht reinigen, nicht mit Druckluft abblasen oder trocken kehren.
  • Abfälle am Entstehungsort möglichst staubdicht verpacken und kennzeichnen. Für den Transport geschlossene Behältnisse (z. B. Tonnen, reißfeste Säcke, Big-Bags) verwenden.
  • Locker sitzende, geschlossene Arbeitskleidung und z. B. nitrilbeschichtete Baumwollhandschuhe tragen.
  • Nach Beendigung der Arbeit Staub auf der Haut mit Wasser abspülen.
  • Bei empfindlicher Haut nach der Hautreinigung Hautpflegemittel verwenden.
  • Betriebsanweisung erstellen.
  • Beschäftigte unterweisen.

Expositionskategorie E2

  • Für Tätigkeiten mit geringer bis mittlerer Staubexposition, z. B. Arbeiten an Wärmeverbundsystemen mit Freilegen des Dämmstoffes, Demontage thermisch belasteter Anlagenteile im Freien von nicht mehr als 20 m2.

Maßnahmen

  • Alle Maßnahmen der Expositionskategorie E1 ergreifen und zusätzlich:
  • Faserstäube direkt an der Austritts- oder Entstehungsstelle erfassen, soweit dies möglich ist.
  • Für Reinigungsarbeiten Industriestaubsauger (mindestens Staubklasse M) verwenden.
  • Entstauber bzw. Industriestaubsauger regelmäßig warten und instandhalten.
  • Begrenzung der Anzahl der Beschäftigten durch organisatorische Schutzmaßnahmen.
  • den Beschäftigten auf Wunsch persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung stellen:
    • Atemschutz:

      • Halb-/Viertelmaske mit P2-Filter oder
      • partikelfiltrierende Halbmaske FFP2 oder
      • Filtergerät mit Gebläse TM 1P,
    • Schutzbrille insbesondere bei Überkopfarbeiten,
    • Schutzanzug Typ 5.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten.
  • Arbeitsbereiche abgrenzen und kennzeichnen.
  • Schwer zu reinigende Gegenstände oder Einrichtungen mit Folien abdecken.
  • Rauch-/Schnupfverbot am Arbeitsplatz, Verbot der Nahrungsaufnahme.
  • Waschmöglichkeit vorsehen.

Expositionskategorie E3

  • für alle Tätigkeiten mit hoher bis sehr hoher Staubexposition, z. B. umfangreichere Sanierungsmaßnahmen mit Demontage des Dämmstoffes, Demontage von thermisch belasteten Anlagen oder Anlagenteilen in engen, schlecht belüfteten Räumen.

Maßnahmen

  • Alle Maßnahmen der Expositonskategorie E1 und E2 ergreifen und zusätzlich:
  • Beschäftigungsbeschränkung für Jugendliche und Schwangere.
  • Persönliche Schutzausrüstung muss getragen werden:
    • Atemschutz:

      • Halb-/Viertelmaske mit P2-Filter oder
      • partikelfiltrierende Halbmaske FFP2 oder
      • Filtergerät mit Gebläse TM 1P,
    • Schutzbrille insbesondere bei Überkopfarbeiten,
    • Schutzanzug Typ 5.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen veranlassen.
  • Schutzkleidung reinigen oder entsorgen.
  • Getrennte Umkleideräume für Straßen- und Arbeitskleidung,
  • Waschraum mit Duschen (Schwarz-Weiß-Anlage) bereitstellen.

Arbeitsmedizinische Vorsorge

  • Arbeitsmedizinische Vorsorge nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung veranlassen (Pflichtvorsorge) oder anbieten (Angebotsvorsorge). Hierzu Beratung durch den Betriebsarzt.
Weitere Informationen:
Gefahrstoffverordnung
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge
BGV A1/DGUV Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention
TRGS 500 Schutzmaßnahmen: Mindeststandards
TRGS 521 Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten mit alter Mineralwolle
TRGS 558 Tätigkeiten mit Hochtemperaturwolle
DGUV-Regel 112-190 Benutzung von Atemschutzgeräten
Handlungsanleitung „Umgang mit Mineralwolle-Dämmstoffen“ Abr. Nr. 341

07/2015

 

 

Webcode: M1294-50


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