BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Asbestzementprodukte

Icon: Baustein

Gefährdungen

  • Asbestfasern können bis in die Alveolen der Lunge eingeatmet werden und eine Asbestose, Lungenkrebs oder ein Pleuramesotheliom (Tumor des Bauch- und Rippenfells) auslösen.

Allgemeines

  • Von stark gebundenen Asbestzementprodukten gehen im eingebauten Zustand in der Regel keine Gefahren aus.
  • Werden dagegen Asbestzementprodukte angebohrt, zerschlagen oder unsachgemäß gereinigt, können erhebliche Fasermengen freigesetzt werden.
  • Die Bearbeitung mit oberflächenabtragenden Geräten, wie z. B. Abschleifen, Hoch- und Niederdruckreinigen oder Abbürsten, ist deshalb unzulässig.
  • Reinigung und Überholungsbeschichtung nur zulässig bei beschichteten Asbestzement-Wandbekleidungen, nicht auf Dächern.

Schutzmaßnahmen

Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen

  • Tätigkeiten mit Asbestzementprodukten sind der Aufsichtsbehörde und der Berufsgenossenschaft schriftlich anzuzeigen.
  • Gefährdungsbeurteilung mit Arbeitsplan aufstellen und zusammen mit der Anzeige der zuständigen Behörde (z. B. Gewerbeaufsichtsamt) vorlegen.
  • Angaben z. B. über:
    • Art und Dauer der Arbeiten
    • Arbeitsablauf und vorgesehene technische Schutzmaßnahmen
    • persönliche Schutzausrüstungen
    • Dekontamination der Beschäftigten
    • Abfallbehandlung und Entsorgung
  • Betriebsanweisung aufstellen mit Angaben z. B. über:
    • Arbeitsbereiche, Arbeitsplatz, Tätigkeit
    • Gefahren für Mensch und Umwelt
    • Schutzmaßnahmen, Verhaltensregeln und hygienische Maßnahmen
    • Verhalten im Gefahrfall
    • Erste Hilfe
    • sachgerechte Entsorgung.
  • Beschäftigte anhand der Betriebsanweisung unterweisen.
  • Jugendliche dürfen auch für Ausbildungszwecke nicht in Bereichen mit Asbestgefährdung beschäftigt werden.
  • Arbeiten mit anderen Gewerken koordinieren, um zu vermeiden, dass Unbeteiligte gefährdet werden.
  • Arbeitsbereiche abgrenzen und mit Warnschildern kennzeichnen Nummer 5.
  • Die Arbeiten sind unter Leitung eines sachkundigen Aufsichtsführenden auszuführen (Sachkundenachweis). Dieser muss während der Arbeiten ständig anwesend sein.
  • Beschichtete AZ-Wandbekleidungen mit drucklosem Wasserstrahl bzw. entspanntem Wasser und weich arbeitenden Geräten (z. B. Schwamm) reinigen Nummer 1.
  • Befestigungen sorgfältig lösen. Bauteile möglichst zerstörungsfrei ausbauen und nicht aus Überdeckungen oder über Kanten ziehen.
  • Befestigungsmittel, Bruch- und Kleinteile, Dichtungsschnüre usw. in Behältern sammeln. Behälter kennzeichnen.

  • Keine Schuttrutschen verwenden. Material nicht werfen, sondern von Hand oder mit Hebezeug transportieren.
  • Bei Arbeiten an Außenwandbekleidungen Planen oder Folien zum Auffangen und Sammeln herabfallender Bruchstücke auslegen.
  • Nach dem Entfernen der Asbestzementprodukte Untergrund gründlich absaugen oder feucht reinigen.
  • Für Reinigungs- und andere Arbeiten mit Absaugung asbesthaltiger Materialien nur zugelassene und geprüfte Industriestaubsauger oder Entstauber der Staubklasse H mit Zusatzanforderung „Asbest“ verwenden.
  • Ausgebaute Asbestzementprodukte nicht wieder verwenden.
  • Asbestabfälle nicht zerkleinern.

Persönliche und hygienische Schutzmaßnahmen

  • Schutzanzug (mindestens EG-Kat. III, Typ 5) Nummer 2 und Atemschutz mindestens mit Partikelfilter P2 oder partikelfiltrierende Halbmaske FFP2 Nummer 3 verwenden.
  • Schutzkleidung bei Arbeitsunterbrechungen absaugen.
  • Schutzkleidung und Atemschutz im Freien ablegen, um Verschmutzung der Unterkünfte zu vermeiden.
  • Chemikalienschutzanzüge (ugs. Einweganzüge) nach Schichtende in besonders gekennzeichneten Behältern sammeln.
  • Straßenkleidung getrennt von Arbeitskleidung aufbewahren.
  • Bei Arbeitsunterbrechungen Hände sorgfältig reinigen, nach Arbeitsende gründlich duschen.
  • In Arbeitsbereichen nicht essen, trinken oder rauchen.

Zusätzliche Hinweise zu Arbeiten auf Dächern

  • Bei Arbeiten auf Wellplattendächern lastverteilende Beläge oder Laufstege benutzen.
  • Bei Absturzgefahr entsprechend Gefährdungsbeurteilung Absturzsicherungen vorsehen.
  • Nach Arbeiten an Dächern Dachrinnen reinigen und anschließend spülen.

Zusätzliche Hinweise für Arbeiten in Innenräumen

  • Arbeitsräume geschlossen halten.
  • Nach Beendigung der Arbeiten sämtliche Oberflächen gründlich absaugen und feucht wischen.
  • Vor Freigabe des Raumes einen mindestens 30-fachen Luftwechsel durchführen.
  • Können die Asbestzementprodukte nicht zerstörungsfrei ausgebaut werden, sind Raumabschottung und Unterdruckhaltung erforderlich. Außerdem ist mindestens eine Einkammerschleuse als Verbindung zum Arbeitsbereich zu verwenden.
  • Benutzte Arbeitsmittel, z. B. Gerüste, durch Absaugen reinigen.

Zusätzliche Hinweise zur Abfallbehandlung

  • Ausgebaute Asbestzementprodukte in geeigneten Behältern wie reißfesten Kunststoffsäcken, Big-Bags, geschlossenen oder mit Planen abgedeckten Containern Nummer 4 sammeln, lagern und entsorgen.
  • Behälter kennzeichnen Nummer 6 und gegen den Zugriff Unbefugter sichern.
  • Asbestzementabfälle nur auf dafür zugelassenen Deponien staubfrei einlagern.
  • Bei der Deponie Erkundigungen über weiter gehende Forderungen einholen.

Prüfungen

  • Für Tätigkeiten mit AZ-Produkten ist mindestens eine Sachkunde nach TRGS 519 Anlage 4 erforderlich.

Arbeitsmedizinische Vorsorge

  • Arbeitsmedizinische Vorsorge nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung veranlassen (Pflichtvorsorge) oder anbieten (Angebotsvorsorge). Hierzu Beratung durch den Betriebsarzt.

Beschäftigungsbeschränkungen

  • Beim Umgang mit Asbestzementprodukten dürfen Jugendliche sowie werdende und stillende Mütter nicht beschäftigt werden.
Weitere Informationen:
Gefahrstoffverordnung
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge
TRGS 519 Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten
BGV A1 /DGUV Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention
DGUV-Regel 112-190 Benutzung von Atemschutzgeräten
DGUV-Information 201-012 Verfahren mit geringer Exposition gegenüber Asbest bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten

07/2015

 

 

Webcode: M1193-50


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