BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Bohrgeräte im Spezialtiefbau

Icon: Baustein

Bohren in Sand

Gefährdungen

  • Nicht tragfähiger Baugrund führt zu Umstürzen der Bohrgeräte.
  • Anlagen, Kontaminationen und Kampfmittel können Personenschäden auslösen.
  • Bei Wartungsarbeiten an Geräten kann es zu Personenschäden kommen.
  • Durch drehende Bohrrohre/ Schnecken/Hohlwendel besteht Einzugsgefahr.
  • Durch Umstürzen abgestellter Bohrrohre können Beschäftigte getroffen werden.

Allgemeines

  • Bohrgeräte sind die im Spezialtiefbau am häufigsten verwendeten Maschinen. Sie werden z. B. eingesetzt:
    • bei der Baugrunderkundung,
    • zur Pfahlherstellung,
    • bei Baugrundinjektionen,
    • bei Rückverankerungen,
    • bei Geothermiebohrungen,
    • bei Brunnenbauarbeiten.
  • Für Bohrarbeiten ist ein Aufsichtführender zu bestimmen, der während der Arbeiten auf der Baustelle anwesend sein muss.
  • Maschinenführer müssen:
    • mindestens 18 Jahre alt,
    • im Führen und Warten des Bohrgerätes und in fachbezogenen sicherheitstechnischen Belangen unterwiesen sein,
    • ihre Befähigung nachgewiesen haben,
    • vom Unternehmer schriftlich beauftragt werden.
    Empfehlung der Qualifizierung zum „Geprüften Fahrer von Großdrehbohrgeräten und Rammen“.
  • Bohrgeräte nur auf tragfähigem Untergrund betreiben – zulässige Bodenpressung beachten.
  • Warnkleidung tragen.

Schutzmaßnahmen

  • Gefährdungen baustellenbezogen ermitteln und Arbeitsschutzmaßnahmen festlegen.
  • Alle Mitarbeiter müssen vor Arbeitsaufnahme über die Ergebnisse der baustellenbezogenen Gefährdungsbeurteilung und die daraus abgeleiteten Maßnahmen unterwiesen werden.
  • Arbeitsplätze und Verkehrswege sicher begehbar einrichten und erhalten.
  • Bohrrohre und -werkzeuge so lagern, dass sie gegen Umfallen und Abrollen gesichert sind.
  • Bei Bohrungen in nicht standfesten Böden Vorkehrungen gegen das Hereinbrechen von Material treffen (z. B. Verrohrung).
  • Der unbefugte Aufenthalt im Gefahrbereich ist verboten. Halten sich Unbefugte im Gefahrbereich auf, hat der Maschinenführer die Arbeit zu unterbrechen.
  • Ist für bestimmte Arbeitsschritte der Aufenthalt im Gefahrbereich unerlässlich, sind vom Unternehmer besondere Schutzmaßnahmen festzulegen und von den Mitarbeitern einzuhalten, z. B.:
    • zusätzliche Einrichtungen zur Verbesserung der Sicht nutzen (z. B. Kamera-Monitorsysteme),
    • Arbeitsweise aufeinander abstimmen,
    • vor dem Betreten Kontakt mit dem Maschinenführer aufnehmen.

schräges Bohren in einen Felsen

  • Bei eingeschränkter Sicht des Maschinenführers auf den Fahr- und Arbeitsbereich ist ein Einweiser einzusetzen.
  • Beim Betreiben von Bohrgeräten (insbesondere beim Schlagbohren) ist mit erhöhter Lärmbelastung zu rechnen, daher
    • geeigneten Gehörschutz tragen,
    • regelmäßige arbeitsmedizinische Betreuung sicherstellen.
  • Beim Bohren (insbesondere Trockenbohren im Festgestein) sind wirksame Maßnahmen zur Staubbekämpfung zu planen und durchzuführen, z. B.:
    • Absaugen am Bohrlochmund,
    • Staub niederschlagen (benetzen) oder
    • Umstellen auf Flüssigkeitsspülung.

Vor Beginn der Arbeiten

  • Baufeld erkunden,
    • ob im Arbeitsbereich Kabel, Leitungen, Kanäle o.Ä. vorhanden sind, von denen Gefahren ausgehen können,
    • ob der Baugrund frei von Kontaminationen und Kampfmitteln ist,
    • ob der Baugrund gleichmäßig ausreichend tragfähig für das Befahren mit schweren Baumaschinen ist.
  • Baufeld vorbereiten,
    • entsprechend den Ergebnissen der Erkundung,
    • ggf. vorhandene Leitungen umlegen, freischalten, sichern,
    • Verkehrswege und Lagerflächen festlegen und kennzeichnen,
    • Arbeitsplanum herrichten.

Maschinen

  • Bohrgeräte nur bestimmungsgemäß betreiben, d.h. entsprechend den Angaben in der Betriebsanleitung (BA) des Herstellers des Bohrgeräts bzw. der Anbauausrüstungen.
  • Festlegungen in der BA zur zulässigen Traglast beachten.
  • Hebezeugbetrieb nur im Rahmen der BA und nur dann, wenn die Last kraftschlüssig gesenkt wird (also nicht im „Freifall-Modus“).
  • Schrägzug grundsätzlich nicht zulässig, außer für die in der BA beschriebenen Fällen.
  • Standsicherheitskriterien der BA beachten.
  • Bei Aufbau, Abbau und Umrüstung von Bohrgeräten BA und Wartungsanleitung beachten.
  • Bei Umbaumaßnahmen an Bohrgeräten Kontakt mit den Herstellern aufnehmen.

Zusätzliche Hinweise für Ankerbohrarbeiten

  • Schutzeinrichtungen immer in betriebsbereitem Zustand halten (z. B. Schutzgitter, Schaltleinen, feste Absperrungen o.Ä.).
  • Zum Lösen von Schraubgestängen sind Gestängebrecheinrichtungen zu verwenden.
  • Müssen Rohre oder Gestängeteile mit mehr als 25 kg Einzelgewicht gehoben werden, sind mechanisierte Handhabungssysteme zu nutzen (Magazin, Manipulator o.Ä.).

Zusätzliche Hinweise für Pfahlbohrarbeiten

  • Für das Koppeln von Bohrrohren beim Pfahlbohren sind sichere Arbeitsplätze zu schaffen oder Zusatzeinrichtungen zu verwenden (ferngesteuerte Rohradapter, Verriegelung mittels Stangen vom Boden aus).
  • Bohrrohre so lagern, dass ein Umfallen oder Rollen ausgeschlossen ist.
  • Bohrungen für Pfähle, an denen nicht gearbeitet wird, müssen gegen Hineinfallen gesichert werden (abdecken oder umwehren).

Prüfungen

  • Art, Umfang und Fristen erforderlicher Prüfungen festlegen (Gefährdungsbeurteilung) und einhalten, z. B.:
    • arbeitstäglich durch den Maschinenführer,
    • vor Inbetriebnahme, mind. 1 x jährlich durch eine „zur Prüfung befähigte Person“ (z. B. Sachkundiger).
  • Ergebnisse der regelmäßigen Prüfungen dokumentieren.
Weitere Informationen:
DGUV Vorschrift 38 Bauarbeiten
DGUV Regel 101-008 Arbeiten im Spezialtiefbau
DIN EN 16228
www.zumbau.org

07/2015

 

 

Webcode: M1265-50


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