BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Handbetriebene Arbeitssitze

Icon: Baustein

Ein Arbeiter in einem Arbeitssitz

Gefährdungen

  • Unterdimensionierte Aufhängungen für das Trag- und Sicherungssystem sowie ein nicht gesicherter Zugang bei einem hochgelegenen Einstieg in den Arbeitssitz kann zu Absturzunfällen führen.

Allgemeines

  • Arbeitssitze (Bauart A oder B) nur einsetzen, wenn der Einsatz von stationären Arbeitsplätzen (z. B. Gerüste), bodenverfahrbaren Arbeitsplätzen (z. B. Fahrgerüste) oder kraftbetriebenen höhenverfahrbaren Arbeitsplätzen (z. B. Hubarbeitsbühnen) nicht möglich ist.
  • Jeden ersten Einsatz am Objekt der Berufsgenossenschaft 14 Tage vorher schriftlich anzeigen.
  • Arbeiten im Arbeitssitz nur durch fachlich und körperlich geeignete Personen ausführen lassen.
    Die fachliche Eignung kann durch Teilnahme an Lehrgängen für Höhenarbeiter nachgewiesen werden.
  • Einsatz eines Aufsichtführenden für maximal 5 Höhenarbeiter.
  • Wenn keine ständige Überwachung sichergestellt ist, mindestens 2 Höhenarbeiter je Arbeitsstelle einsetzen.
  • Sicherstellen, dass mit erforderlicher Erster Hilfe oder Rettungsmaßnahmen innerhalb von 15 Minuten begonnen werden kann.
  • Vor Arbeitseinsatz schriftlich die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen festlegen.

Schutzmaßnahmen

  • Im Arbeitssitz nicht länger als 2 Stunden arbeiten.
  • Keine periodisch wiederkehrenden Arbeiten, z. B. Reinigungsarbeiten, ausführen.
  • Arbeitssitze nicht zum Transport von Lasten einsetzen.
  • Von Arbeitssitzen darf nicht gearbeitet werden, wenn
    • das Gewicht des mitzuführenden Werkzeuges und Materials 10 kg überschreitet,
    • die Windangriffsfläche von mitgeführten Gegenständen mehr als 1,00 m2 beträgt,
    • von vorhandenen oder benutzten Stoffen und Arbeitsverfahren zusätzliche Gefahren ausgehen, z. B. Arbeiten mit Säuren, Laugen, Heißbitumen.
  • Eine Gefährdung besteht auch bei einer unzulässigen seitlichen Seilauslenkung.
  • Für das Auf- und Abseilen müssen beide Hände frei sein.
  • Arbeiten bei aufkommendem Gewitter oder einer Windstärke von mehr als 6 nach der Beaufortskala einstellen.
  • Verfahrbare oder schwenkbare Auslegerkonstruktionen gegen unbeabsichtigtes Bewegen sichern.

Bauart B im Gebrauch

  • Vor Arbeitsbeginn täglich Sicht- und Funktionsprüfung durchführen.
  • Nur EG-baumustergeprüfte (CE-Zeichen) Tragseile, Auf- und Abseilgeräte, Arbeitssitze und Auffangsysteme einsetzen.
  • Bei gegengewichtsbelasteten Auslegerkonstruktionen die vorgesehene Ballastierung sowie angegebene Abstände einhalten.
  • Die Festigkeit von Auslegerkonstruktionen als Anschlagpunkte rechnerisch nachweisen.

Zusätzliche Hinweise zur Aufhängung

  • Grundsätzlich unabhängige Aufhängungen für das Trag- und Sicherungssystem vorsehen.
  • Das Tragsystem besteht aus:
    • Aufhängung,
    • Verbindungselementen/ -mitteln,
    • Tragseil Nummer 1,
    • Auf- und Abseilgerät Nummer 4 und
    • Arbeitssitz.
  • Für das Anschlagen bzw. Befestigen an baulichen Einrichtungen ist eine Last von 9 kN anzusetzen.
  • Das Sicherungssystem besteht aus:
    • Aufhängung,
    • Verbindungselement,
    • Sicherungsseil Nummer 2,
    • Auffangsystem (mitlaufendes Auffanggerät Nummer 3 und Auffanggurt).
  • PSA gegen Absturz nur an Anschlageinrichtungen befestigen, die DIN EN 795 entsprechen. Anschlagmöglichkeiten an Teilen baulicher Anlagen können zur Befestigung genutzt werden, wenn deren Tragkraft für eine Person nach den technischen Baubestimmungen mit einer Fangstoßkraft von 6 kN einschließlich den für die Rettung anzusetzenden Lasten nachgewiesen ist.

Sicherungssystem Bauart B

Tragsystem Bauart B

Während bei der Bauart A zur Sicherung der Person am Sitz eine Haltevorrichtung vorhanden sein muss, ist bei Bauart B zusätzlich zum Sitz ein Auffanggurt zu verwenden. Beide Bauarten bestehen aus einem Trag- und Sicherungssystem.

Prüfungen

  • Art, Umfang und Fristen erforderlicher Prüfungen festlegen (Gefährdungsbeurteilung) und einhalten, z. B.
    • vor jeder Inbetriebnahme auf ordnungsgemäßen Zustand durch den Höhenarbeiter,
    • nach Bedarf, mind. 1 x jährlich durch eine "zur Prüfung befähigte Person".
  • Ergebnisse durch die "zur Prüfung befähigte Person" dokumentieren.

Arbeitsmedizinische Vorsorge

  • Arbeitsmedizinische Vorsorge nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung veranlassen (Pflichtvorsorge) oder anbieten (Angebotsvorsorge). Hierzu Beratung durch den Betriebsarzt.
Weitere Informationen:
Betriebssicherheitsverordnung
DGUV Vorschrift 38 Bauarbeiten
TRBS 2121-3 Zugangs- und Positionierungsverfahren unter Zuhilfenahme von Seilen
DGUV Information 201-018 Handbetriebene Arbeitssitze
DIN EN 795
DIN 4426

07/2015

 

 

Webcode: M1388-50


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