BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Leitergerüste an Fassaden

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Gefährdungen

  • Fehlende Sicherungsmaßnahmen bei der Montage, unvollständiger Aufbau oder nicht sachgerechte Benutzung können zu Absturzunfällen führen.
  • Schweres Heben und Tragen der Gerüstbauteile kann zu Muskel-Skelett-Erkrankungen führen.

Allgemeines

  • Leitergerüste sind Gerüste „älterer Bauart“ und waren in der DIN 4420 Teil 2, Dezember 1990, „Leitergerüste – Sicherheitstechnische Anforderungen“ geregelt. Sie dürfen nur nach den in DIN 4420 Teil 2 festgelegten Bestimmungen (Regelausführung) errichtet werden. Abweichungen von den Festlegungen (Gerüsthöhe, Gerüstfeldweiten, Mindestbelagbreiten und -dicken, zulässige Belastung) sind nicht zulässig. Die gleichmäßig verteilte Last ist auf maximal 2,0 kN/m2 begrenzt (Lastklasse 3).

Schutzmaßnahmen

  • Je nach Art der auszuführenden Arbeit Leiterabstand, Leiterart und -breite festlegen. Belagbreite: max. 0,90 m, min. 0,50 m.
  • Gerüstbau nur unter ständiger Aufsicht einer fachkundigen Person und von fachlich geeigneten Beschäftigten ausführen lassen.
  • Nur in der DIN 4420 Teil 2 beschriebene Gerüstleitern und Gerüstbauteile verwenden. Beschädigte Teile aussortieren.
  • Bei Gerüstbauarbeiten in der Nähe elektrischer Freileitungen besondere Schutzmaßnahmen vorsehen.
  • Für die betriebssichere Herstellung und den Abbau ist der Gerüstbau-Unternehmer, für die Erhaltung und sichere Verwendung der Benutzer verantwortlich.

eine Leitergerüst

Gerüstkonstruktion

  • Gerüstleitern auf Leiterunterlagen so aufstellen, dass beide Holme die Belastung gleichmäßig übertragen.
  • Verstrebungen kreuzweise in den Endfeldern und in jedem zweiten Gerüstfeld bis zur obersten Gerüstlage durchgehend anbringen. Die Verstrebungen beginnen in den Endfeldern an den Fußpunkten, in den übrigen Feldern höchstens 5,25 m über der Standfläche Nummer 1.
  • Bei Leiterverlängerungen mindestens 2,00 m Überdeckung einhalten und eine feste Verbindung mit Leiterklammern oder Stahlquerlaschen herstellen.
  • Jeden Leiterzug mit dem Bauwerk zug- und druckfest verankern Nummer 2. Der senkrechte Abstand der Verankerungspunkte darf nicht mehr als 4 m betragen.
  • Verankerungen müssen folgende Kräfte aufnehmen:
    • parallel zum Bauwerk 1,0 kN/Anker,
    • rechtwinklig zum geschlossenen Bauwerk 1,5 kN/Anker,
    • rechtwinklig zum offenen Bauwerk (> 1/3 der Ansichtsfläche sind Öffnungen) 3,0 kN/Anker.
  • Für Aufstiege Innenleitern Nummer 3, für die Durchstiege spezielle Belagtafeln mit Klappe verwenden.
  • Die Gerüstfeldweite ergibt sich aus den gewählten bzw. zur Verfügung stehenden Gerüstbohlen (Tabelle 1).

Gerüstbelag

  • Jede benutzte Gerüstlage voll auslegen.
  • Bei Materiallagerung mindestens 20 cm freien Durchgang einhalten.
  • Gerüstbelag darf nicht wippen oder ausweichen. Genügend große Überdeckung im Bereich der Leitern einhalten (≥ 20 cm).
  • Überlastung durch Materialanhäufung vermeiden.

2 Gerüstfeldweiten für Fassadengerüste in Abhängigkeit von Mindestdicke und -breite der Gerüstbohlen des Belages
Breite x Dicke der Gerüstbohlen in cm mind. Zulässige Gerüstfeldweite m max.
24 x 5 2,75
28 x 4,5
24 x 4,5
20 x 5
2,50
28 x 4
20 x 4,5
2,25
24 x 4 2,00
20 x 4 1,75*

* Bei 6,00 m langen, über zwei Felder durchlaufenden Gerüstbohlen mit Breite x Dicke = 20 cm x 4 cm darf die Gerüstfeldweite auf 2,00 m erhöht werden.

2 Gerüstfeldweiten für Fanggerüste in Abhängigkeit von Mindestdicke und -breite der Gerüstbohlen
Absturzhöhe max. Gerüstfeldweiten in m bei Bohlenquerschnitt in cm x cm
      Doppelbelegung
m 24 x 4,5 28 x 4,5 24 x 4,5 28 x 4,5
1,0 1,4 1,5 2,5 2,7
1,5 1,2 1,4 2,2 2,5
2,0 1,2 1,3 2,0 2,2
  • Nicht auf Gerüstbeläge abspringen.
  • Gerüstbelag um Bauwerksecken herumführen Nummer 4.

Seitenschutz

  • Benutzte Gerüstbeläge mit dreiteiligem Seitenschutz, bestehend aus Geländerholm, Zwischenholm und Bordbrett, versehen Nummer 5.
  • Geländer und Zwischenholm sind gegen unbeabsichtigtes Lösen, das Bordbrett ist gegen Kippen zu sichern.
  • Werden anstelle des Zwischenholmes ausreichend tragfähige Netze oder Geflechte verwendet, müssen diese eine Maschenweite von höchstens 10 cm aufweisen.

Zusätzliche Hinweise für Fanggerüste

  • Bei Verwendung als Fanggerüst sind die Leiterabstände zu verringern bzw. die Beläge zu verstärken und auf Stahlspillen bzw. Stahlkonsolen aufzulegen (Tabelle 2).
  • Jede Gerüstleiter muss im Bereich der obersten Gerüstlage verankert sein.

Prüfungen

  • Prüfung des Gerüstes durch eine "zur Prüfung befähigte Person" des Gerüsterstellers nach Fertigstellung und vor Übergabe an den Benutzer, um den ordnungsgemäßen Zustand festzustellen.
  • Prüfung des Gerüstes durch eine "zur Prüfung befähigte Person" des jeweiligen Benutzers vor Arbeitsaufnahme, um die sichere Funktion festzustellen.
Weitere Informationen:
Betriebssicherheitsverordnung
DGUV Vorschrift 38 Bauarbeiten
DIN 4420-2 Ausgabe 12/90

07/2015

 

 

Webcode: M1277-50


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