BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Transport von Gefahrgütern in kleinen Mengen




Gefährdungen

  • Aus dem Gefahrstoff wird beim Transport das Gefahrgut. Beim Transport von Gefahr gütern besteht die Gefahr, dass diese bei unsachgemäßem Transport freigesetzt werden. Hierdurch kann es zu Bränden, Verpuffungen und Explosionen kommen.

Allgemeines

  • Gefahrgüter werden in den Gefahrgutvorschriften in die Klassen 1 – 9 eingeteilt. Die in der Bauwirtschaft am häufigsten beförderten Gefahrgüter sind in der Tabelle 1 aufgeführt.
  • Für die Beförderung gefährlicher Güter bestehen zwar umfangreiche und teilweise komplizierte Vorschriften – sofern jedoch nur kleine Mengen befördert werden, können erleichternde „Freistellungsregelungen“ in Anspruch genommen werden. Die für die Betriebe der Bauwirtschaft wichtigste Regelung ist die Kleinmengenregelung.

Schutzmaßnahmen

  • Die Kleinmengenregelung (1.000-Punkte-Regel) darf angewandt werden, wenn bei der Beförderung eines einzelnen Stoffes/Produkts die in der Tabelle 1 angegebene Höchstmenge nicht überschritten wird. Wenn unterschiedliche Gefahrgüter zusammen auf einem Fahrzeug befördert werden, so muss die transportierte Menge mit dem zugehörigen Faktor multipliziert werden. Die berechnete Summe darf dabei „1.000 Punkte“ nicht überschreiten.
  • Grundlage für die Ermittlung der „Punkte“ ist:
    • für feste Stoffe,verflüssigte oder unter Druck gelöste Gase: die Nettomasse in kg,
    • für verdichtete Gase: der nominale Fassungsraum (Nenninhalt) des Gefäßes in Liter,
    • für Gegenstände: die Bruttomasse in kg (für Gegenstände der Klasse 1, die Nettomasse des explosiven Stoffes in kg),
    • für flüssige Stoffe: der tatsächliche Inhalt (Füllung) in Liter.
  • Beispiel:
    Dachisolierer transportieren mit einem Klein-LKW sechs 11-kg-Flaschen Propan (Klasse 2, UN 1965), 120 l Voranstrich (Klasse 3, UN 1263) und Werkzeuge.
    6 Stück 11-kg-Flaschen = ca. 66 kg x 3 = 198
    120 kg Voranstrich = ca. 120 l x 3 = 360
    Summe = 558 < 1.000 Punkte,
    also Kleinmengenbeförderung zulässig!
  • Beispiel:
    Rohrleitungsbauer transportieren auf der Ladefläche eines Doppelkabinen-Transporters
    40 l Sauerstoff (Klasse 2, UN 1072) x 1 = 40
    8 kg Acetylen (Klasse 2, UN 1001) x 3 = 24
    33 kg Propan (Klasse 2, UN 1965) x 3 = 99
    180 l Diesel (Klasse 3, UN 1202) x 1 = 180
    Summe = 343 < 1.000 Punkte,
    also Kleinmengenbeförderung zulässig!
  • Für die Kleinmengenbeförderung gelten u.a. folgende Anforderungen:
    • Der Fahrer ist im Umgang mit Gefahrgut unterwiesen,
    • Ladungssicherung, sichere Verstauung (z. B. Verzurren),
    • Verbot von offenem Licht, Rauchverbot in der Nähe der Versandstücke sowie bei Ladearbeiten,
    • Meldepflicht bei Unfällen oder Zwischenfällen (Tel. 110/112),
    • Gefahrzettel und UN-Nummern auf jedem Versandstück. Die Verpackungen müssen bauartgeprüft sein.
      Behälter für Diesel benötigen z. B. die Aufschrift „UN 1202“ und Gefahrzettel Nr. 3, sowie Gefahrzettel für „umweltgefährdende Stoffe“
    • bei Beförderung von Gasen der Klasse 2 in geschlossenen Fahrzeugen (möglichst vermeiden) ist für ausreichende Lüftung zu sorgen.

Tabelle 1: Höchstmengen und Faktoren für Kleinmengentransporte

Zur Ermittlung der richtigen Faktoren werden die UN-Nummer und die Verpackungsgruppe des Gefahrgutes benötigt. Diese Angaben können z. B. dem Sicherheitsdatenblatt des Produktes entnommen werden.

Stoffe/Zubereitungen Höchstmengen (Faktoren) Gefahr­zettel
Klasse UN-Nr. V­e­r­p­a­c­k­u­n­g­s­g­r­u­p­p­e Bezeichnung 333
(3)
1.000
(1)
 
2
Gase

(z. B. Flüssiggas, Acetylen, Sauerstoff, Spraydosen)
1001   Acetylen, gelöst  
1072   Sauerstoff verdichtet  
1965   Kohlenwasserstoffgas, Gemisch, verflüssigt, N.A.G. Gemisch C (Propan),  
1950   Druckgaspackungen (Treibgas z. B. Kohlendioxid)  
1950   Druckgaspackungen, feuergefährlich  
3
Entzündbare

flüssige Stoffe (z. B. Benzin, Diesel, brennbare Lacke
1133 II Klebstoff  
1133 III Klebstoff  
1202 III Dieselkraftstoff  
1203 II Benzin  
1263 II Farbe  
1263 III Farbe  
1306 III Holzschutzmittel  
1866 II Harzlösung  
4.1
Entzündbare

feste Stoffe (z. B. Klebstoffe)
3175 II Feste Stoffe, die entzündliche flüssige Stoffe enthalten, N.A.G.  
5.2
Organische Peroxide

(z. B. Härter für Styrol)
3106   Organisches Peroxid Typ D, fest  
6.1
Giftige Stoffe

(z. B. fluoridhaltige Holzschutzmittel, Trichlorethan, ölverschmierte Putzlappen)
1593 III Dichlormethan  
2810 III Giftiger organischer flüssiger Stoff, N.A.G.  
3287 III Giftiger anorganischer flüssiger Stoff, N.A.G.  
         
         
8
Ätzende Stoffe

(z. B. saure oder alkalische Reiniger, Epoxidharzhärter)
1719 II Ätzender alkalischer flüssiger Stoff, N.A.G.  
1719 III Ätzender alkalischer flüssiger Stoff, N.A.G.  
1824 II Natriumhydroxidlösung  
1824 III Natriumhydroxidlösung  
2289 III Isophorondiamin  
9
Verschiedene Stoffe

(z. B. umweltgefähr­dende Stoffe)
3077 III Umweltgefährdender Stoff fest, N.A.G  
3082 III Umweltgefährdender Stoff, flüssig, N.A.G.  

  • Mitführen eines Feuerlöschers der Brandklassen ABC (z. B. 2 kg Pulver); Prüffrist mindestens alle 2 Jahre.
  • Versandstücke nicht öffnen.
  • Empfohlen wird das Mitführen eines Frachtbriefes oder einer Berechnung, aus dem die Menge der Gefahrgüter und die berechnete Punktzahl hervorgehen.
  • Weitere Freistellungsregelungen können unter bestimmten Voraussetzungen in Anspruch genommen werden; dies sind u.a.:
    • Kleinmengenregelung im Rahmen der Haupttätigkeit,
    • Kleinmengenbeförderungen in begrenzten Mengen.
  • Bei Überschreitung der „1.000 Punkte“ gelten alle anzuwendenden Gefahrgutbeförderungsvorschriften.

Weitere Informationen:

Straßenverkehrsordnung
Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO)
Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB)
Gefahrgut-Ausnahmeverordnung (GGAV)


09/2016


 

 

 

Webcode: M1164-50


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