BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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Damit es gelassen läuft

In den Mitgliedsbetrieben der BG BAU bestimmen vor allem körperliche Belastungsfaktoren den Arbeitsalltag.

Aber auch die im Betrieb gelebte Kultur hat einen Einfluss auf das Engagement, die Qualität der Arbeit und auf die Gesundheit. "Weiche Faktoren" wie Stimmung, Verhalten und Kommunikation kommen stärker in den Fokus.

In diesem Kontext spielen – um nur einige Beispiele zu nennen – psychische Belastungen, Stress, Führung und Wertschätzung eine bedeutende Rolle.
Wichtig für ein gutes Betriebsklima: Seien Sie Vorbild und gestalten Sie gute Rahmenbedingungen.

Wir wollen Ihnen einige in der Praxis bewährte Tipps anbieten, die für ein gutes Betriebsklima sorgen, die Motivation der Beschäftigten steigern und Sie und Ihre Mitarbeiter beim Erhalt der Gesundheit unterstützen.

Lassen Sie sich von den Vorschlägen inspirieren und prüfen Sie, welche Ihnen nutzen. Sehen Sie die Broschüre als einen Werkzeugkoffer unter dem Motto "Damit es gelassen läuft". Erwarten Sie keine Wunder. Um neue Verhaltens- und Denkweisen zur Gewohnheit werden zu lassen, müssen Sie diese über tausendmal wiederholen. Aber keine Sorge, jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt!

"Eine Angewohnheit kann man nicht aus dem Fenster werfen. Man muss sie die Treppe hinunterboxen, Stufe für Stufe."
Mark Twain


 

Was ist eine psychische Belastung?

"Wer rastet – der rostet" sagt der Volksmund und meint, wer sich keiner Herausforderung stellt und sich nicht belastet, baut ab.

Belastungen sind neutral. Sie bezeichnen alle Einflüsse, die von außen auf einen Menschen einwirken, wie z. B. Aufgaben, Verantwortung, Organisation. Die Auswirkungen einer Belastung auf den Menschen nennen wir Beanspruchung. Ob die Wirkung einer Belastung gut oder schlecht ist, hängt von der Dauer und Art der Einwirkung, den individuellen Fähigkeiten und den Anlagen des Menschen ab.

(Fast) jede Belastung kann zu einer psychischen Beanspruchung führen. Im optimalen Fall werden Ressourcen wie Selbstvertrauen aufgebaut. Im negativen Fall kann eine Stressreaktion eine Fehlbeanspruchung (z. B. Krankheiten, Selbstzweifel, Antriebsverlust, Konzentrationsprobleme) verursachen.

Nehmen wir zum Beispiel Lärm als Belastung. Die körperliche Beanspruchung kann zu einem Hörschaden führen. Zugleich ist dies eine psychische Belastung, weil der Lärm die Konzentration beeinträchtigt.

Als Unternehmer und Führungskraft haben Sie einen Einfluss auf die Belastung Ihrer Mitarbeiter. Mit guter Kommunikation, Führung und einem gelassenen Umgang mit Stress können Sie etwas für die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter tun.

Gefährdungsbeurteilung auch für psychische Belastungen

Es steht im Arbeitsschutzgesetz: Die psychischen Belastungen müssen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung erfasst und bewertet werden. Bei Bedarf müssen Maßnahmen vorgeschlagen und umgesetzt werden. Dabei geht es um eine menschengerechte Gestaltung aller Arbeitsbedingungen, um langfristig die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten.

Empfehlungen zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen sind in einer Broschüre zusammengefasst, die zwischen Unfallversicherungsträgern, Ländern, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden abgestimmt wurde.


 

Was belastet uns bei der Arbeit – psychische Faktoren

In der nachstehenden Liste werden psychische Belastungsfaktoren genannt, die in der GDA-Leitlinie "Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz" (S. 19ff) als wesentliche Belastungsfaktoren aufgeführt werden. Diese Auswahl ist nicht abschließend: Je nach Tätigkeitsanforderungen und Bedingungen im konkret zu betrachtenden Bereich können auch andere, hier nicht beschriebene Faktoren relevant sein. Ebenso kann eine Vorabbetrachtung ergeben, dass in dem konkret zu betrachtenden Bereich nur ein Teil der hier beschriebenen Belastungsfaktoren bedeutsam ist und entsprechend berücksichtigt werden muss.

Weitergehende Informationen zu den Belastungsfaktoren sind im Webportal des Arbeitsprogramms Psyche zu finden: www.gda-psyche.de

Merkmalsbereiche und Inhalte der Gefährdungsbeurteilung

1. Merkmalsbereich:
Arbeitsinhalt/Arbeitsaufgabe
Mögliche kritische Ausprägung
1.1 Vollständigkeit der Aufgabe Tätigkeit enthält:
  • nur vorbereitende oder
  • nur ausführende oder
  • nur kontrollierende Handlungen
1.2 Handlungsspielraum Der/die Beschäftigte(n) hat/haben keinen Einfluss auf:
  • Arbeitsinhalt
  • Arbeitspensum
  • Arbeitsmethoden/-verfahren
  • Reihenfolge der Tätigkeiten
1.3 Variabilität
(Abwechslungsreichtum)
Einseitige Anforderungen:
  • wenige, ähnliche Arbeitsgegenstände und Arbeitsmittel
  • häufige Wiederholung gleichartiger Handlungen in kurzen Takten
1.4 Information/Informationsangebot
  • zu umfangreich (Reizüberflutung)
  • zu gering (lange Zeiten ohne neue Information)
  • ungünstig dargeboten
  • lückenhaft (wichtige Informationen fehlen)
1.5 Verantwortung
  • unklare Kompetenzen und Verantwortlichkeiten
1.6 Qualifikation
  • Tätigkeiten entsprechen nicht der Qualifikation der Beschäftigten
    (Über-/Unterforderung)
  • unzureichende Einweisung/Einarbeitung in die Tätigkeit
1.7 Emotionale Inanspruchnahme
  • durch das Erleben emotional stark berührender Ereignisse
    (z. B. Umgang mit schwerer Krankheit, Unfällen, Tod)
  • durch das ständige Eingehen auf die Bedürfnisse anderer Menschen (z. B. auf Kunden, Patienten, Schüler)
  • durch permanentes Zeigen geforderter Emotionen unabhängig von eigenen Empfindungen
  • Bedrohung durch Gewalt durch andere Personen
    (z. B. Kunden, Patienten)
2. Merkmalsbereich:
Arbeitsorganisation
Mögliche kritische Ausprägung
2.1 Arbeitszeit
  • wechselnde oder lange Arbeitszeit
  • ungünstig gestaltete Schichtarbeit, häufige Nachtarbeit
  • umfangreiche Überstunden
  • unzureichendes Pausenregime
  • Arbeit auf Abruf
2.2 Arbeitsablauf
  • Zeitdruck/hohe Arbeitsintensität
  • häufige Störungen/Unterbrechungen
  • hohe Taktbindung
2.3 Kommunikation/Kooperation
  • isolierter Einzelarbeitsplatz
  • keine oder geringe Möglichkeit der Unterstützung durch Vorgesetzte oder Kollegen
  • keine klar definierten Verantwortungsbereiche
3. Merkmalsbereich:
Soziale Beziehungen
Mögliche kritische Ausprägung
3.1 Kollegen
  • zu geringe/zu hohe Zahl sozialer Kontakte
  • häufige Streitigkeiten und Konflikte
  • Art der Konflikte: Soziale Drucksituationen
  • fehlende Soziale Unterstützung
3.2 Vorgesetzte
  • keine Qualifizierung der Führungskräfte
  • fehlendes Feedback, fehlende Anerkennung für erbrachte Leistungen
  • fehlende Führung, fehlende Unterstützung im Bedarfsfall
4. Merkmalsbereich:
Arbeitsumgebung
Beispiele für negative Wirkungen
4.1 Physikalische und chemische Faktoren
  • Lärm
  • unzureichende Beleuchtung
  • Gefahrstoffe
4.2 Physische Faktoren
  • ungünstige ergonomische Gestaltung
  • schwere körperliche Arbeit
4.3 Arbeitsplatz- und Informationsgestaltung
  • ungünstige Arbeitsräume, räumliche Enge
  • unzureichende Gestaltung von Signalen und Hinweisen
4.4 Arbeitsmittel
  • fehlendes oder ungeeignetes Werkzeug bzw. Arbeitsmittel
  • ungünstige Bedienung oder Einrichtung von Maschinen
  • unzureichende Softwaregestaltung
5. Merkmalsbereich:
Neue Arbeitsformen
Beispiele für negative Wirkungen
  Diese Merkmale sind nicht Gegenstand des Aufsichtshandelns, spielen aber für die Belastungssituation der Beschäftigten eine Rolle.
  • räumliche Mobilität
  • atypische Arbeitsverhältnisse, diskontinuierliche Berufsverläufe
  • zeitliche Flexibilisierung, reduzierte Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben

 

 

Webcode: M1407-3


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