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Ergonomie am Bau - Das kann jeder tun, Titel

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Ergonomie am Bau

Das kann jeder tun!

Tipps für die Praxis

Abruf Nr.: 625.1
Ausgabe 2013

 

 

Ergonomie am Bau - Das kann jeder tun, Inhalt

Inhalt

1 Eigene Belastungsgrenzen erkennen
2 Die Arbeit leichter gestalten
3 Den Körper fit halten
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Weitere Informationen finden Sie unter:

www.ergonomie-bau.de

 

Ergonomie am Bau - Das kann jeder tun, 1 Eigene Belastungsgrenzen erkennen

1 Eigene Belastungsgrenzen erkennen

Arbeit, besonders auf dem Bau, kann Schwerstarbeit sein und führt häufig zu vorzeitiger Ermüdung. Diese sollte aber nach einer Erholungsphase Aktivitäten am Abend und die Fortführung der Tätigkeit am nächsten Tag erlauben.

Viele Probleme treten auf, wenn die gleiche Bewegung ständig wiederholt oder in einer Haltung verharrt wird. Halb ernst und halb scherzhaft könnte man behaupten, dass eine harte Holzbank ohne Lehne eine ergonomisch günstige Sitzgelegenheit ist. Was ist daran günstig, wenn doch genau diese Sitzgelegenheit schon in unserer Vorstellung unbequem ist?

Sie ist so unbequem, dass Sie sich ständig bewegen und die Haltung immer wieder wechseln. So tritt keine einseitige Belastung auf und die Beanspruchung hält sich in Grenzen.Die beste Sitzhaltung ist immer die "nächste"!

Was können wir aus diesem Beispiel ableiten? Wir können grundsätzlich ohne Einblick in Ihre Arbeit und Ihre körperliche Verfassung empfehlen:

„Wechsel sind gut und notwendig!“ Das heißt auch: "Spüren Sie sich!"

Bis Sie sich daran gewöhnt haben, wird etwas Zeit vergehen.

Welche Empfehlungen lassen sich daraus ableiten? Entscheiden Sie selbst und für sich. Was fühlt sich gut oder schlecht an? Was kann ich ändern, sodass sich diese Haltung, diese Bewegung etwas besser anfühlt?

Ein paar Empfehlungen:

Halten Sie sich auch – oder gerade – unter Zeitdruck an dieses Vorgehen. Sorgen Sie in Ihrer Freizeit für einen echten Ausgleich. Dieser Ausgleich kann (fast) alles sein, mit Ausnahme der Fortsetzung Ihrer normalen Arbeitstätigkeit in der Freizeit. Bei einer Untersuchung wurde festgestellt, dass nur die Mitarbeiter daran glaubten, bis zum Rentenalter gesund arbeiten zu können, die eine bewusste Freizeitgestaltung (aktiv oder passiv, das war unwichtig!) hatten. Diejenigen, die in ihrer Freizeit und in ihrer Arbeit das Gleiche arbeiteten, glaubten nicht daran, das Rentenalter gesund erreichen zu können.

 

Ergonomie am Bau - Das kann jeder tun, 2 Die Arbeit leichter gestalten

2 Die Arbeit leichter gestalten

Arbeit vorausschauend planen

  • Planen Sie vor Arbeitsbeginn, welche Materialien und Werkzeuge benötigt werden, wie sie zu transportieren und zu lagern sind.
  • Planen Sie für den Tag Ihr Arbeitspensum realistisch ein und gönnen Sie sich kurze Minipausen zur Regeneration Ihrer Kräfte. Machen Sie diese Minipausen und gehen Sie nicht über Ihr Unbehagen hinweg. Sehen Sie Arbeit als einen Prozess an, zu dem Pausen gehören. Das Schieben der Pausen an das Arbeitsende ist für Ihre Gesundheit eine Katastrophe.
  • Störungen des Arbeitsablaufs auf dem Bau sind normal. Dafür sollte ein Zeitpuffer zur Verfügung stehen, um krank machenden, unnötigen Stress zu vermeiden.

Arbeit vorausschauend planen

 

Arbeitsplatz einrichten

  • Häufig gebrauchte Arbeitsmittel und Material gut erreichbar platzieren und möglichst höher lagern, um unnötiges Bücken zu vermeiden.
  • Für genügend Bewegungsfläche am Arbeitsplatz sorgen. Nur so vermeiden Sie ungünstige Körperhaltungen.

Arbeitshöhe: ungünstig,
da Zwangshaltung

Arbeitshöhe: gute Lösung,
Hochlagerung ermöglicht aufrechtes Arbeiten

 

Transporthilfsmittel einsetzen

  • Bereitgestellte Hilfsmittel, z. B. Schubkarren, Treppensteigerkarren, aber auch auf der Baustelle befindliche Krane oder Bauaufzüge zur Beförderung von Lasten benutzen.
  • An neue Geräte muss man sich mitunter erst gewöhnen. Auch wenn Sie meinen, Handarbeit geht schneller. Mit der Gewöhnung wird der empfundene Zeitverlust schnell ausgeglichen.

Minidumper mit Elektroantrieb

Bordsteinversetzgerät

Platten-Montagehilfe

Treppensteiger

Steinblock-Lift

 

Ergonomische Werkzeuge verwenden

  • Mit ergonomischen Handwerkzeugen, die auf die zu verrichtende Arbeit abgestimmt sind, kann man oft viel schneller und kräfteschonender arbeiten.

Hämmer – rückschlagfrei

Abstoßmesser mit
Teleskopstiel

Tragegriff – rutschfest

 

Funktionelle Berufskleidung bzw. PSA benutzen

Arbeitskleidung sollte Sie nicht einengen, im Winter warm halten und im Sommer vor intensiver Sonne einschließlich UV-Strahlung schützen. Wählen Sie Materialien aus, die sich im Sommer auf der Haut kühl anfühlen und Sie im Winter wärmen.

  • Ein freier unbekleideter Rücken kann schnell zu Verspannungen der Muskulatur führen, deshalb immer den ganzen Rücken bedeckende Kleidung tragen.
  • Für Arbeiten im Knien sollten Arbeitshosen mit eingearbeitetem Knieschutz getragen werden.

Rückenstützgurt

Knieschutzpad
(anpassbar)

Knieschutzmatte

 

Heben und Tragen von Lasten

  • Heben und tragen Sie alle Lasten körpernah, also vor dem Körper oder auf der Schulter und arbeiten Sie dicht am Werkstück. Vermeiden Sie Verdrehungen des Rückens.
  • Beim Heben und Tragen von Lasten vorher das Gewicht abschätzen. Lasten ab ca. 15 kg gelten als schwer und sollten in der Regel nicht mehr mit einer Hand gehoben werden.
  • Heben Sie schwere Lasten aus der Hocke an, so als würden Sie sich auf einen Stuhl setzen.
  • Versuchen Sie den Rücken so gerade wie möglich zu halten.

Lasten richtig tragen:

zu zweit

auf der Schulter

nah am Körper

 

Lasten richtig einschätzen:
Unterscheiden zwischen "leicht" und "schwer"

Leichte Last: mit Abstützen,
Kraft wird abgeleitet

Schwere Last: beidhändig, nah herantreten, aus der Hocke heben, körpernah, Rücken gerade halten

 

Verdrehungen des Rückens vermeiden

  • Arbeiten Sie so, dass Sie die Arbeit direkt vor sich haben und mit geradem Rücken arbeiten können.
  • Vermeiden Sie Verdrehungen des Rückens beim Anheben und Weiterreichen von Lasten.
  • Wenn die Arbeit Verdrehungen erfordert, entlasten Sie sich ab und zu, indem Sie sich aufrichten, recken und strecken.

Zwangshaltungen und Verdrehungen des Rückens z. B. bei:

Malerarbeiten

Installationsarbeiten

Fliesenlegerarbeiten

Dachdeckerarbeiten

Abbildungen zeigen Beschäftigte mit dem CUELA-Messsystem zur Ermittlung körperlicher Belastungen.

 

Weitere Informationen:
www.ergonomie-bau.de

 

Ergonomie am Bau - Das kann jeder tun, 3 Den Körper fit halten

3 Den Körper fit halten

Bauarbeit ist Schwerarbeit, trotzdem wird der Körper in gewisser Weise auch trainiert. Aber nicht alle Muskeln werden gleichmäßig gefordert. Deshalb kann die Arbeit den Ausgleichssport nicht ersetzen.

Ausgleichsübungen am Arbeitsplatz

Entlastung der Rückenmuskulatur – Kutschersitz

Ausgangsposition:
im Sitzen

Ausführung:

  • Arme auf den Oberschenkeln bzw. Knien abstützen
  • Gesäß leicht nach hinten unten absenken

Anmerkung:
Knie 90° beugen,
Füße nicht unter den Stuhl stellen

 

Ergonomie am Bau - Das kann jeder tun, 3 Den Körper fit halten

Es ist nicht so leicht, bei den üblichen Bauarbeitszeiten regelmäßig Sport zu treiben. Die Arbeit macht müde und die Arbeits- und Wegezeiten passen oft nicht zum Sportangebot am Wohnort. Aber Ihre Fitness bleibt Ihnen nur erhalten, wenn Sie etwas für sich tun! Nutzen Sie kurze Pausen zu Dehnungs- und Entlastungsübungen.

Lockerung der Schulter- und Nackenmuskulatur

Ausgangsposition:
im Sitzen → Oberkörper aufrecht
oder
im Stehen → Füße parallel, Knie leicht gebeugt

Ausführung:

  • beide Schultern nach oben ziehen (in Richtung der Ohren) und fallen lassen
  • beide Schultern rückwärts kreisen

Anmerkung:
rückwärts kreisen ist besser als vorwärts kreisen

Wiederholung: 3 bis 5 x

 

Ergonomie am Bau - Das kann jeder tun, 3 Den Körper fit halten

Dehnung der Brustmuskulatur

Ausgangsposition:
im Stehen → Füße parallel, Knie leicht gebeugt

Ausführung:

  • Arme nach hinten unten ziehen (die Schulterblätter nähern sich dadurch an)
  • Dehnung halten → 10 – 20 Sek.

Anmerkung:

  • Schultern nicht hochziehen
  • Hohlkreuz durch Anspannen der Bauchmuskeln vermeiden
  • die Dehnung sollte vorne, d. h. in der Brustmuskulatur, zu spüren sein

Wiederholung: 2 bis 3 x

 

Ergonomie am Bau - Das kann jeder tun, 3 Den Körper fit halten

Dehnung der Wadenmuskulatur

Ausgangsposition:
in Schrittstellung stehend:

  • beide Fußspitzen nach vorne ausgerichtet
  • Hände auf Tisch, Oberschenkel oder Wand abstützen

Ausführung:

  • Gewicht nach vorne verlagern
  • Rücken gerade halten
  • Fersen am Boden lassen
  • Dehnung halten → 10 – 20 Sek.
  • Seitenwechsel

Anmerkung:

  • falls Dehnreiz nicht ausreicht
    → Schrittstellung vergrößern
  • die Dehnung sollte im hinteren Bein hinten in der Wade zu spüren sein

Wiederholung: 2 bis 3 x je Seite

 

Ergonomie am Bau - Das kann jeder tun, 3 Den Körper fit halten

Dehnung der rückseitigen Beinmuskulatur

Ausgangsposition:
in Schrittstellung stehend:

  • beide Fußspitzen nach vorne ausgerichtet
  • beide Hände hinter dem Rücken verschränken

Ausführung:

  • hinteres Bein beugen
  • Gewicht auf dieses Bein verlagern
  • vorderes Bein strecken und Fußspitze hoch- bzw. anziehen
  • Oberkörper bzw. Rücken gerade nach vorne bringen
  • Kopfhaltung in Linie mit Rücken
  • Dehnung halten → 10 – 20 Sek.
  • Seitenwechsel

Anmerkung:
falls Dehnreiz nicht ausreicht
→ hinteres Bein tiefer beugen

Wiederholung: 2 bis 3 x je Seite

 

Ergonomie am Bau - Das kann jeder tun, 3 Den Körper fit halten

Dehnung der vorderseitigen Beinmuskulatur – Hüftbeugemuskulatur

Ausgangsposition:
in Schrittstellung stehend

Ausführung:

  • vorderes Bein hochstellen
  • Gewicht auf vorderes Bein verlagern
  • hinteres Bein strecken
  • Rücken gerade halten, Kopfhaltung in Linie mit Rücken
  • Fersen am Boden lassen
  • Dehnung halten → 10 – 20 Sek.
  • Seitenwechsel

Anmerkung:
falls Dehnreiz nicht ausreicht
→ vorderes Bein tiefer beugen,
Schrittstellung weiter stellen

Wiederholung: 2 bis 3 x je Seite

 

Ergonomie am Bau - Das kann jeder tun, 3 Den Körper fit halten

Dehnung der Handbeugemuskulatur (Handbeuger)

Ausgangsposition:
im Stehen → Füße parallel, Knie leicht gebeugt
oder
im Sitzen → Oberkörper aufgerichtet

Ausführung:

  • beide Arme nach vorne strecken
  • eine Hand nach oben klappen
  • Finger von der nach oben geklappten Hand mit der anderen Hand hoch- und zum Körper heranziehen
  • Dehnung halten → 10 – 20 Sek.
  • anschließend Seitenwechsel

Anmerkung:
Dehnreiz sollte noch "angenehm" sein

Wiederholung: 2 bis 3 x je Seite

 

Ergonomie am Bau - Das kann jeder tun, 3 Den Körper fit halten

Dehnung der Handstreckmuskulatur (Handstrecker)

Ausgangsposition:
im Stehen → Füße parallel, Knie leicht gebeugt
oder
im Sitzen → Oberkörper aufgerichtet

Ausführung:

  • Hand nach unten klappen
  • Finger nach unten zum Körper heranziehen
  • Dehnung halten → 10 – 20 Sek.
  • anschließend Seitenwechsel

Anmerkung:
Dehnreiz sollte noch "angenehm" sein

Wiederholung: 2 bis 3 x je Seite

 

Ergonomie am Bau - Das kann jeder tun, Ansprechpartner

Ihr Ansprechpartner

Berufsgenossenschaft
der Bauwirtschaft, Berlin
Prävention

Präventions-Hotline der BG BAU:

0800 80 20 100 (gebührenfrei)

Internet: www.bgbau.de
E-Mail: praevention@bgbau.de

 

Spezielle Ansprechpartner für Ihren Betrieb finden Sie im Internet unter
www.bgbau.de – Ansprechpartner/Adressen - Prävention

 

 

Und denken Sie daran:

Das richtige Maß an Belastung hält den Rücken gesund.

Ihre BG BAU

 

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