BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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3 Belastungen vermindern – ergonomische Problemlösungen

3.1 Heben, Tragen und Halten von Lasten

Manuelle Lastenhandhabung umfasst das Bewegen von Lasten per Hand. Dazu gehören das Heben, Halten und Senken, das Tragen und Um- oder Absetzen von Lasten, aber auch das Schieben und Ziehen mittels Körperkraft.

Sind die Lasten besonders schwer oder müssen sie oft und weit bewegt werden, können sie zur Ermüdung der beanspruchten Muskulatur, zur allgemeinen körperlichen Ermüdung sowie zu Beschwerden und Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems führen. Betroffen ist meist der untere Rücken, der die höchsten Belastungen zu ertragen hat, aber auch die Schulter-Arm-Region,auf die die Lasten bei der Handhabung unmittelbar einwirken.

Ziele einer ergonomischen Gestaltung der Arbeit:

Als oberster Richtwert sollte gelten, dass eine von Menschen bewegte Last nicht schwerer als 25 kg für Männer und 15 kg für Frauen ist. Das ist nur eine grobe Orientierung, denn die höchste bei der Arbeit zumutbare Last hängt davon ab:

  • wie häufig sie je Stunde oder Arbeitsschicht bewegt werden muss
  • welche Körperhaltung (Stehen, Bücken, weites Vorbeugen) dabei eingenommen wird
  • ob weitere Erschwernisse wie ungünstige Greifbarkeit und Verdrehung des Oberkörpers hinzukommen

Arbeitsmediziner empfehlen auf der Basis von internationalen ergonomischen Normen zum Beispiel Gewichtsgrenzen von maximal 12 bis 13 kg, wenn Lasten regelmäßig länger als 2 Stunden pro Tag gehoben werden müssen.

Manchmal muss die Last trotz Maschineneinsatz getragen werden.

 

Praxistipps – so geht es leichter

Schwere Lasten sollten immer mit Hilfsmitteln, z. B. mit Kranen, Versetzhilfen, Treppensteigern oder zu zweit bewegt werden. Auch eine Schubkarre, die auf fast jeder Baustelle zu finden ist, erleichtert die Transportarbeiten. Das schützt die Gesundheit und erhöht langfristig die Effektivität der Arbeit.

Eine diesbezüglich auch von Ihrer BG BAU gut erforschte Arbeit ist das Mauern mit großformatigen Mauersteinen mit Gewichten bis zu 25 kg, die als Zweihandsteine bezeichnet werden. In der BGI 695 "Merkblatt für das Handhaben von Mauersteinen" wird auf technische Lösungen durch den Einsatz von Minikranen und Mauermaschinen hingewiesen. Es handelt sich um spezifische Lösungen für das Versetzen von Steinen im Mauerwerksbau. Damit können körperliche Belastungen durch das Heben und Tragen schwerer Steine und Planelemente deutlich reduziert werden.

Weitere technische Hilfsmittel zur Verminderung der Belastung beim Heben und Tragen von Lasten neben Kranen, Bauaufzügen und verschiedenen Transportkarren sind auf der Internetseite www.ergonomie-bau.de dargestellt.

Mauern mit Minikran

Mauern mit Mauermaschine

 

 

3.2 Arbeiten in Zwangshaltungen

 

Arbeiten im Knien, Hocken, Bücken

Zu den körperlichen Zwangshaltungen gehören Knien, Hocken und Bücken. Diese Körperhaltungen müssen wegen der auszuführenden Arbeiten mit geringen Bewegungsmöglichkeiten über eine längere Zeit eingenommen werden. Sie führen zu hoher Muskelbeanspruchung und Druck auf Strukturen in den Gelenken mit Störungen ihres Stoffwechsels (Knorpel- und Bandscheibenernährung).

Weitere Informationen finden Sie unter
www.ergonomie-bau.de

Durch Belastungen sind betroffen:

  • Die Rückenmuskeln, die lange Zeit den Körper außerhalb seines Schwerpunkts halten müssen, was sehr anstrengt und Schmerzen hervorruft. Diese können dauerhaft werden, so dass sie auch in der Freizeit weiter bestehen. Beschäftigte mit Rückenschmerzen haben dann sogar Schwierigkeiten, leichte Lasten zu heben.
  • Die Kniegelenke, die unter der dauerhaften Beugung und besonders während des Niedergehens des Körpers bzw. des Aufstehens hoch belastet sind. Es können Kniegelenksschäden und Meniskusschäden entstehen. Zusätzlich kann der Druck auf die Knievorderseite zu Schleimbeutelentzündungen führen.

Ziele einer ergonomischen Gestaltung der Arbeit:

  • Die Dauer belastender Körperhaltungen einzuschränken, weil die Ermüdung und schmerzhafte Verkrampfungen der Muskulatur nach längerer Arbeit sogar ohne wesentliche Lasten eintreten. Zum Beispiel sind mehr als 2 Stunden pro Tag im Bücken oder Beugen kaum zumutbar.
  • Die Arbeiten im Knien und Hocken auf höchstens 1 Stunde einzuschränken oder wenigstens die besonders belastenden Phasen im Hocken zu verkürzen sowie im Knien den Fersensitz einzunehmen, bei dem die Kräfte des Körpers weitgehend am Knie vorbei in die Unterschenkel geleitet werden.

 

Praxistipps – so geht es leichter

Arbeiten auf dem Boden und in Bodennähe sind naturgemäß nicht zu vermeiden. Das wissen Fliesenleger, Parkettleger, Raumausstatter, Dachdecker, Estrichleger, Pflasterer und viele andere. Manche haben bereits Rücken- und Gelenkbeschwerden. Auch wenn es ungewohnt ist: Durch den Einsatz von Hilfsmitteln kann teilweise im Stehen oder Sitzen gearbeitet werden. Geeignete Hilfsmittel und Arbeitsweisen sind:

  • Tische, um das Material höher zu lagern und zu bearbeiten (z. B. Fliesenlegertisch)
  • Teleskopstiele zur besseren Anpassung an die Arbeitshöhe (z. B. I-Tools)
  • Arbeitsverfahren ändern, z. B. statt manuellem Verlegen von Pflastersteinen maschinelle Versetzhilfen für Verbundpflaster nutzen
  • Sitzhilfen benutzen, z. B. beim Schweißen von Rohren, und Pflasterschemel beim Verlegen von Natursteinpflaster
  • Führungswagen für Handmaschinen einsetzen, z. B. Fugenschneider, Bodenschleifer

Fliesenlegertisch
Bei Fliesenlegerarbeiten können Nebenarbeiten wie das Zuschneiden der Fliesen auf einem höhenverstellbaren Arbeitstisch durchgeführt werden

 

Pflasterstühlchen
Auch einfache Hilfsmittel wie ein Pflasterstuhl können die Kniebelastungen reduzieren.

 

Teleskopstiele mit Anbauwerkzeugen
Bei Bodenbelagsarbeiten existieren vielfältige Hilfsmittel, allen voran Teleskopstiele, an die Bodenbearbeitungswerkzeuge angebaut werden können, (z. B. I-Tools). Damit sind das Aufbringen von Ausgleichsmassen und Klebern, das Zuschneiden und das Verschweißen von Nähten bei der Linoleumverlegung und vieles mehr möglich

 

Meißelstripper auf Fahrwerk
Üblicherweise werden Parkett- und andere Hartböden mit handgeführten Schabern oder Elektrohämmern entfernt. Durch die Benutzung eines im Wagen geführten Elektrohammers ist das Arbeiten in aufrechter Körperhaltung möglich. Das Gewicht des Hammers wird vom Führungswagen getragen. Vibrationen auf das Hand-Arm-System werden reduziert.

 

Knieschutzhose
Beim Arbeiten im Knien entstehen hohe Druckbelastungen auf die Kniegelenke, die zu Schleimbeutelentzündungen führen können. Knieschützer fangen den Druck ab und helfen gegen Einflüsse wie Nässe und Kälte. Besonders zu empfehlen sind Arbeitshosen mit eingearbeitetem Knieschutz.

 

Hydraulische Verlegezangen für Verbundpflastersteine
Das Verlegen von Verbundpflastersteinen kann mit hydraulischen Verlegezangen, die an entsprechende Trägergeräte angebaut werden, erfolgen.

 

 

Arbeiten über Schulter- bzw. Kopfhöhe

Wenn Werkzeuge oder Material in Schulterhöhe oder höher über längere Zeit gehalten werden müssen, ermüden die Armmuskeln, die Schultergelenke werden sehr angestrengt und die Halswirbelsäule durch die Überstreckung belastet. Diese Form der Zwangshaltung kann deshalb ohne Unterstützung nur kurze Zeit ausgeführt werden.
Zunächst gelangt die belastete Muskulatur schnell an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Die Muskelermüdung erzwingt Pausen, da die Muskeln versagen. Diese Kraftausdauerleistung kann man zwar begrenzt trainieren, dennoch bleibt Arbeit über Schulter- oder gar Kopfhöhe in ihrer Ausführbarkeit auf kürzere Zeitabschnitte beschränkt. Eine geringe Entlastung wird erreicht, wenn man bei der Arbeit die Arme z. B. am Arbeitsobjekt abstützen kann.

Eine weitere Folge kann sein, dass das in alle Richtungen sehr bewegliche, aber zugleich sensible Schultergelenk im Rahmen der Alterung von Sehnen der umgebenden Arm- und Schultermuskeln instabil wird und schmerzt.
Werden Arbeiten an der Decke oder weit über den Schultern an der Wand ausgeführt, muss zusätzlich der Hals nach hinten gestreckt werden, weil hier zusätzlich der Blick nach oben gerichtet werden muss. Die Nackenmuskulatur wird besonders angespannt, was bei andauernder Belastung zu Schmerzen führen kann, die in den Hinterkopf und in die Schultern ausstrahlen und die sogar als Kopfschmerzen empfunden werden können.

Ziele einer ergonomischen Gestaltung der Arbeit:

  • Die Arbeiten über Schulterhöhe sollten so weit wie möglich beschränkt werden. Länger als 1 Stunde pro Tag mit den Händen über Schulter- oder gar Kopfhöhe ohne längere Unterbrechungen zu arbeiten, ist nur schwer zu bewältigen.
  • Wenn eine Beschränkung der belastenden Haltungen nicht möglich ist, sollte ein Wechsel der Tätigkeiten angestrebt werden, um die Belastung auf kürzere Zeitabschnitte zu beschränken und auf mehrere Personen zu verteilen.

 

 

 

Praxistipps – so geht es leichter

Arbeiten über Kopf- und Schulterhöhe lassen sich nicht immer vermeiden. Vor allem bei Arbeiten an Decken und Wänden wie z. B. im Trockenbau, bei Malerarbeiten, Putzarbeiten und Glaserarbeiten treten sie gehäuft auf. Geeignete Arbeitsweisen und Hilfsmittel sind:

  • Die Schaffung erhöhter Arbeitspositionen, die zur Armhaltung vor statt über dem Körper veranlassen, ist der beste Weg zur Verminderung der Belastung. Der Einsatz von Hubsteigern und Fahrgerüsten bietet solche Möglichkeiten.
  • Viele Arbeiten in Schulter- und Kopfhöhe können dadurch erleichtert werden, dass die zu haltenden Lasten – in der Regel Werkzeuge (z. B. Bohrmaschine) oder Material (z. B. Deckenplatten im Trockenbau) – durch zusätzliche Stützen wie Plattenlifte gehalten werden.

Weitere Beispiele für ergonomisch sinnvolle Lösungen sind auf unserer Internetseite www.ergonomie-bau.de zu finden.

Langhalsschleifer
Zur Oberflächenvorbereitung an Wänden, Decken und Böden. Während des konventionellen Schleifens von Oberflächen im Boden-, Decken- und Wandbereich treten für den Beschäftigten erhebliche Belastungen durch Arbeiten über Kopf bzw. in gebückter Haltung auf. Durch den Langhalsschleifer werden diese Belastungen reduziert.

 

Plattenlifte
Zur Montage, z. B. von Gipskartonplatten und Pressspanplatten an Wänden, Decken und Dachschrägen.

Glaslifte
Zum Transport und Einbau flächiger Bauteile mit glatten Oberflächen (z. B. Glasscheiben, Fassadenplatten, Gipskartonplatten). Die Gegenstände werden mittels Saugtellern fixiert und können in den unterschiedlichsten Positionen und Neigungswinkeln gehalten und eingebaut werden. So entfällt das Heben und Tragen schwerer Lasten beim Transport, das Heben und Halten und die damit verbundene Überkopfarbeit beim Einbau der Elemente.

 

3.3 Belastungen der Hände und der Arme

Sich ständig wiederholende Bewegungsabläufe

Wegen der ständigen gleichförmigen Wiederholung von Bewegungsabläufen werden bestimmte Tätigkeiten als "repetitiv" bezeichnet. Werden gleiche oder sehr ähnliche Tätigkeiten wieder und wieder mit den gleichen Muskeln durchgeführt, führt das zu einer starken Muskelermüdung, aber auch zu einer Reizung der Sehnenansätze an den Knochen. Besonders belastend sind diese Arbeiten dann, wenn sie

  • mit hohem Kraftaufwand auszuführen sind,
  • sehr plötzliche Kraftentfaltung erfordern (klopfen, schlagen),
  • das Gelenk bis zum Anschlag bringen.

Besonders beansprucht sind die Arme und Hände, vor allem aber die Ellenbogen- und die Handgelenke. Die Folgen sind:

  • Muskel- und Sehnenüberlastungen mit akuten Entzündungen, die nach wenigen Tagen oder Wochen nach Beginn der Arbeit erstmalig auftreten und manchmal nach Gewöhnung spontan wieder abklingen, oder
  • chronische Überlastungsschäden zum Beispiel an den Ellenbogengelenken.

Ziele einer ergonomischen Gestaltung der Arbeit:

  • Lastgewichte, die mit einer Hand gehalten und mit einer Häufigkeit von mehr als 1 x pro Minute über einen längeren Zeitraum am Tag verarbeitet werden, sollten auf etwa 5 kg beschränkt werden (z. B. Dachsteine, Einhand-Mauersteine).

 

Eisenflechtarbeiten

Praxistipps – so geht es leichter

Typische Tätigkeiten sind Arbeiten mit Hämmern wie bei Zimmerern, im Trockenbau und bei Pflastererarbeiten. Gleichförmige Belastungen treten auch beim Binden von Bewehrungselementen mit der Zange auf. Aber auch das Verlegen von Dachsteinen und Vermauern kleinformatiger Mauersteine verlangen sich ständig wiederholende Bewegungsabläufe. Der Einsatz von Handmaschinen und rückschlagfreien Hämmern kann die Arbeit wesentlich erleichtern, wie die folgenden Beispiele zeigen:

Bewehrungsbindegerät
Zum Binden von Betonstahl, Befestigen von Rohrleitungen (Betonkerntemperierung) sowie Fixieren von Leerrohren. Der Vorteil gegenüber der Flechterzange besteht in der weitgehenden Vermeidung der Vorneigung des Oberkörpers, auch bei Flechtarbeiten am Boden unter Fußniveau. Die aufzuwendende Handkraft ist mit diesen Geräten geringer, sodass Finger-, Hand- und Ellenbogengelenke entlastet werden.

Rückschlagfreie Hämmer
Bei rückschlagfreien Hämmern wird das Zurückprallen nahezu vermieden. Damit vermindern sich die Kräfte auf das Hand-Arm-System und die aufgewendete Energie wird besser ausgenutzt. Weniger Schläge sind erforderlich, um die gleiche Leistung zu erbringen.

Einlattgerät
Das Einlatten von Dachflächen beinhaltet auch das Messen und Ausrichten von Dachlatten. Das Fixieren und Befestigen erfolgt mit Hammer bzw. Druckluftnagler. Diese Tätigkeiten erfordern das Arbeiten in Zwangshaltungen und den Umgang mit Hammer oder Handmaschinen über einen langen Zeitraum. Mit dem Einlattgerät werden die Latten ausgerichtet, auf Länge geschnitten und genagelt. Damit verringert sich die körperliche Belastung deutlich.

 

Halten und Führen von Werkzeugen

Belastungen der Hände und Arme entstehen auch durch Kraftanstrengungen bei der Benutzung von Handwerkzeugen. Die Ursachen können im hohen Gewicht des Werkzeugs, in seiner ungünstigen Schwerpunktlage gegenüber der Hand mit besonderen Belastungen der Handgelenke, aber auch in der Qualität des Handgriffs zur Kraftübertragung liegen. Diese Ursachen können vor allem Muskelermüdungen zur Folge haben, die wiederum Schmerzen auslösen und die Leistung beeinträchtigen können.

Ziele einer ergonomischen Gestaltung der Arbeit:

  • Handwerkzeuge sollten ohne besondere Anstrengung in der Hand gehalten und geführt werden können.
  • Handgriffe sollten eine gute Kraftübertragung gestatten.
  • Die Kraftausübung in der Längsachse des gestreckten Armes stellen fast immer das Optimum der Gestaltung dar, während seitliche Kräfte zusätzliche Anstrengung bedeuten.
  • Die Griffe sollten sich der Breite und Länge der persönlichen Handform gut anpassen, keine Druckstellen in der Hand erzeugen und rutschfest sein. Es gibt kein universell optimales Werkzeug für alle!

 

 

Praxistipps – so geht es leichter

Handwerkzeuge werden überall auf dem Bau benötigt. Egal ob Hämmer, Zangen oder Schraubendreher, sie sollten aus hoch-wertigem Material bestehen und ergonomische Grundanforderungen erfüllen.

Woran erkenne ich ergonomische Handwerkzeuge?

  • Benutzung von Werkzeugen mit hohem Kraftaufwand und nur einem Griff: Das Werkzeug liegt gut in der Hand und der Griffdurchmesser liegt zwischen 3 und 5 cm.
  • Benutzung von Werkzeugen mit hohem Kraftaufwand und doppelten Griffen:
    • Die Griffspanne beträgt im geschlossenen Zustand min. 5 cm und im geöffneten Zustand max. 9 cm.
    • Das Werkzeug springt nach Benutzung in die geöffnete Position zurück.
  • Der Werkzeuggriff hat keine scharfen Ränder oder Fingerrinnen.
  • Der Werkzeuggriff ist mit weichem Material umhüllt und besitzt sowohl eine elektrische als auch eine Wärmeisolierung. Er hat eine rutschfeste Oberfläche, auch bei verschiedenen Verunreinigungen.
  • Bei der Arbeit mit dem Werkzeug kann das Handgelenk gerade gehalten werden (Werkzeug in Verlängerung zur Achse in Unterarmrichtung).
  • Das Werkzeug kann von Rechts- und Linkshändern gleich gut verwendet werden.

Zangen mit unterschiedlichen Griffen

 

3.4 Belastungen durch Vibrationen

Vibrationen an handgeführten Maschinen – Hand-Arm-Vibrationen

Vibrierende Werkzeuge und Maschinen (z. B. Abbruch- und Bohrhämmer, Trennschleifer oder Verdichter) leiten einen Teil ihrer Energie stoßartig und in hoher Frequenz in die Hände und Arme ein. Von den Folgen sind zuerst die Handwurzel und die Handgelenke, dann die Ellenbogengelenke und eventuell auch die Schultergelenke betroffen.

Grundsätzlich können Hand-Arm-Vibrationen zwei Arten von Gesundheitsstörungen oder -schäden verursachen, denen auch zwei verschiedene Berufskrankheiten entsprechen:

  • Muskel-Skelett-Erkrankungen durch Erschütterung bei Arbeiten mit Druckluftwerkzeugen oder gleichartig wirkenden Werkzeugen oder Maschinen.
    Sie können durch Schwingungen geringer Frequenzen von 1 bis maximal 100 Hertz (= Schwingungen/Sekunde) entstehen und die Knochen und Sehnenansätze schädigen. Dazu bedarf es allerdings sehr hoher Energie, wie wir sie überwiegend vom schweren Abbruchhammer in der Bauwirtschaft kennen. Werkzeuge mit geringerer Schwingungseinwirkung, wie moderne Trennschleifer, strengen zwar die Muskulatur an und können deshalb auch Beschwerden verursachen. Sie schädigen aber bei normaler Nutzungshäufigkeit nicht die Knochenstrukturen und Gelenke.
  • Vibrationsbedingte Durchblutungsstörungen an den Händen.
    Vibrationsbedingte Durchblutungsstörungen entstehen durch die Reaktion von Armnerven auf Vibrationen, die eine höhere Frequenz etwa ab 50 bis 100 Hertz haben. Dadurch wird die Durchblutung der Hände und Finger während und teils auch nach der Arbeit gestört. Beim Aufenthalt im Freien, bzw. besonders im Winter, werden diese Beschwerden verstärkt.

Ziele einer ergonomischen Gestaltung der Arbeit:

Auf der Grundlage der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung existieren gesetzlich verbindliche Höchstwerte der zumutbaren bzw. zulässigen Vibrationseinwirkung. Diese auf 8 Stunden bezogenen Grenzwerte sind:

  • Der Auslösewert A(8) = 2,5 m/s2, bei dessen Überschreitung Arbeitsschutzmaßnahmen zu ergreifen sind und eine arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten ist.
  • Der Expositionsgrenzwert A(8) = 5,0 m/s2, dessen Überschreitung nicht zulässig ist. Werden dennoch Beschäftigte eingesetzt, ist deren Gesundheitszustand durch eine arbeitsmedizinische Vorsorge zu überwachen.

 

Hand-Arm-Vibrationen

 

Praxistipps – so geht es leichter

Vibrationen an Handmaschinen

  • Bei Neuanschaffungen sollten grundsätzlich schwingungsgeminderte Handmaschinen ausgewählt werden.
  • Es ist zu prüfen, ob durch alternative Arbeitsverfahren auf den Einsatz schwingungsintensiver Maschinen verzichtet werden kann. Zum Beispiel können Abbrucharbeiten je nach Einsatzbereich statt mit dem schweren Abbruchhammer sowohl mit Anbaugeräten an Minibagger als auch mit Abbruchrobotern ausgeführt werden.
  • Bei Schwingungsbelastungen, die den Expositionsgrenzwert überschreiten, müssen die Einsatzzeiten der Handmaschinen reduziert werden. Alternativ können sich mehrere Mitarbeiter bei der Arbeit abwechseln.

Weitere Informationen finden Sie unter
www.ergonomie-bau.de .

Abbruchhammer – vibrationsgemindert

 

Vibrationen auf Baumaschinen – Ganzkörpervibration

Beim Fahren von Baumaschinen (z. B. Bagger und Lader) treten Ganzkörperschwingungen auf, die zu Belastungen der Rückenmuskulatur und der Wirbelsäule führen können. Beim Sitzen auf Baugeräten und anderen vibrierenden Maschinen wird die Vibrationsenergie in den Körper über das Gesäß eingeleitet. Die Rückenmuskeln werden angestrengt, um diese Einwirkungen zu kompensieren. Das führt zu Rückenschmerzen. Bei besonders starker Einwirkung können sich auch Bandscheibenschäden der Lendenwirbelsäule entwickeln.

Ziele einer ergonomischen Gestaltung der Arbeit:

Auf der Grundlage der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung existieren gesetzlich verbindliche Höchstwerte der zumutbaren bzw. zulässigen Vibrationseinwirkung. Diese auf 8 Stunden bezogenen Grenzwerte sind:

  • Der Auslösewert A(8) = 0,5 m/s2, bei dessen Überschreitung Arbeitsschutzmaßnahmen zu ergreifen sind und eine arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten ist.
  • Der Expositionsgrenzwert A(8) = 0,8 m/s2 (waagerechte Körperachsen) bzw. 1,15 m/s2(senkrechte Körperachse), dessen Überschreitung nicht zulässig ist. Werden dennoch Beschäftigte eingesetzt, ist deren Gesundheitszustand durch eine arbeitsmedizinische Vorsorge zu überwachen.

Für die Belastungsermittlung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zum Thema Vibrationen existiert eine Handlungshilfe der BG BAU (Handlungshilfe zur Umsetzung der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung – Vibration). Die Präventionsdienste der BG BAU können Sie dazu beraten.

 

 

Praxistipps – so geht es leichter

Vibrationen auf Baumaschinen

  • Bei Neuanschaffungen sollten grundsätzlich schwingungsgeminderte Fahrzeuge und Geräte ausgewählt werden.
  • Auf Baumaschinen und Fahrzeugen sollten schwingungsmindernde Sitze, die sich an die körperlichen Voraussetzungen des jeweiligen Beschäftigten anpassen lassen, eingesetzt werden. Die Benutzer müssen in die richtige Einstellung der Sitze eingewiesen werden.
  • Die schwingungsgeminderten Sitze brauchen eine regelmäßige Wartung und Pflege, wenn sie wirksam bleiben sollen.
  • Durch den Einsatz von dreh- und verschiebbaren Fahrersitzen wird eine optimale Körperhaltung sowie ein überschaubares Blickfeld für den Bediener bei Vor- und Rückwärtsfahrten mit den Baumaschinen erreicht und damit die Rückenbelastung reduziert.
  • Das Einebnen von Fahrbahnen auf Baustellen und eine an die Fahrbahnverhältnisse angepasste Geschwindigkeit führen zu einer erheblichen Verminderung der Schwingungsbelastung.
  • Bei Schwingungsbelastungen, die den Expositionsgrenzwert überschreiten, müssen die Einsatzzeiten auf den Baugeräten oder Fahrzeugen reduziert bzw. Mitarbeiter abwechselnd eingesetzt werden.

 

 

3.5 Belastungen durch Klimafaktoren

Bauarbeiten finden oft im Freien bei jedem Wetter statt, also auch an heißen Sommertagen. Wenn dazu noch arbeitsbedingte Belastungen wie Wärmeabstrahlung beim Einbau von Bitumenbelag im Straßenbau kommen, wird die Wärmeregulation des menschlichen Körpers bis an ihre Grenzen belastet. Der energetische Wirkungsgrad des Menschen ist gering, denn bei körperlicher Arbeit werden mehr als zwei Drittel der Energie in Wärme umgewandelt, die über die Haut und die Atmung abgegeben werden muss, um die Körpertemperatur zu stabilisieren. Das Herz-Kreislauf-System des Körpers, das den Muskeln die nötige Energie zur körperlichen Arbeit bereitstellt, wird zu maximaler Leistung gezwungen und gibt die Grenzen der körperlichen Leistungsfähigkeit bei Arbeiten z. B. im Hochsommer vor.

Für gesunde Mitarbeiter gilt dann bereits:

  • Genug trinken – mehr als 2 Liter Flüssigkeit pro Tag
  • Vor Wärmeeinstrahlung schützen, also Schatten durch Sonnenschutz schaffen, wo es möglich ist
  • In der Mittagszeit, z. B. durch Arbeitszeitverlagerung, Arbeiten im Freien nach Möglichkeit vermeiden
  • Pausen im Schatten verbringen
  • Vor Sonne schützende und den Schweiß abtransportierende Arbeitskleidung tragen
  • Hautschutz mit UV-Schutz (Lichtschutzfaktor > 30) mehrmals am Tag auftragen

Beschäftigte mit chronischen Erkrankungen wie z. B. Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen am Herzen, chronischer Bronchitis und Asthma, Nieren- oder Lebererkrankungen, Stoffwechselstörungen oder Neigung zu Krampfanfällen sowie extrem Übergewichtige und Alkoholabhängige sind von den Folgen der Hitzebelastung besonders betroffen. Für sie sind Beschäftigungsbeschränkungen bei Hitzearbeiten zu prüfen.

Hitzearbeit

Arbeiten mit Sonnenschutz

Ziele einer ergonomischen Gestaltung der Arbeit:

Für die Arbeit im Freien gilt:

  • Ab 25 Grad Außentemperatur: Mindestmaßnahmen treffen, wie die Bereitstellung von Getränken, die Verlagerung schwerer Arbeiten in die Morgenstunden und Pausen im Schatten
  • Ab 30 Grad: zusätzlich kurze Arbeitsunterbrechungen von ca. 5 Minuten an einem kühleren Ort
  • Ab 35 Grad: für Beschäftigte längere Arbeitsunterbrechungen von ca. 15 Minuten möglichst an einem kühleren Ort

Eine besondere Belastung stellen zu jeder Jahreszeit die Arbeiten unter Vollschutz (z. B. Chemikalienschutzanzug und Atemschutz) zum Beispiel bei Sanierungsarbeiten von krebserzeugenden Gefahrstoffen wie Asbest dar. Jede Ausrüstung von Beschäftigten mit Schutzanzügen, die keine Fremdbelüftung aufweisen, führt zu einem Wärmestau innerhalb des Anzugs, der eine erhöhte Herz-Kreislauf-Belastung zur Folge hat.

Je nach Art des Vollschutzes und der Schwere der körperlichen Arbeit werden im Anhang 2 der BGR/GUV-R 190 "Benutzung von Atemschutzgeräten" Tragezeitbegrenzungen und eine Erholungsdauer als Arbeitsunterbrechung unter Berücksichtigung der Arbeitsschwere bzw. des Atemzeitvolumens je Minute ge regelt. Dabei kann es sein, dass unter bestimmten Umständen die größte körperliche Belas-tung aus der Klimabeanspruchung des Körpers in der Ausrüstung mit Vollschutz besteht (siehe auch BGI 8685 Chemikalienschutzkleidung).

 

3.6 Psychische Belastungen

Die Arbeitsverdichtung auf dem Bau hat zugenommen. Die Arbeiten sind präzise getaktet, sodass man genau weiß, wie viel Zeit man für eine bestimmte Tätigkeit zur Verfügung hat. Defizite in der persönlichen Leistung werden dadurch schneller erkennbar.
Soziale Kontakte innerhalb der Arbeit werden reduziert, denn zum Beispiel das Feiern des Geburtstags eines Kollegen passt immer weniger in die Arbeitszeit. Damit nimmt der soziale Rückhalt immer mehr ab und psychische Belastung – Stress – kann weniger kompensiert werden.

Stress ist eine uralte körperliche Reaktion im Menschen, die uns das Überleben als Art gesichert hat. Eine gute Stressreaktion machte bereit für Kampf und Flucht. Doch die realen Gefahren durch gefährliche Gegner sind den Bewertungen aller Situationen durch unsere Gedanken gewichen. Stress wird durch eine angstbetonte Bedrohung gekennzeichnet, die geforderte Arbeitsleistung nicht erbringen zu können. Und obwohl Stress eine sehr persönliche Reaktion ist, können folgende Bedingungen am Arbeitsplatz Stressreaktionen erzeugen, vor allem wenn sie gehäuft auftreten:

  • Arbeitsverdichtung und fehlende Pausenkultur
  • Fehlende soziale Unterstützung und Wertschätzung
  • Schwierige Kommunikation und mangelhafte Transparenz von Entscheidungen
  • Fehlende Einflussmöglichkeiten auf die Arbeitsbedingungen
  • Veränderung der Arbeitsabläufe ohne Einflussmöglichkeiten der Mitarbeiter

Eine neue Arbeitsgestaltung, die nicht mit den Mitarbeitern gemeinsam, sondern über ihre Köpfe hinweg entwickelt wurde, kann eher zu Ablehnung und zur Nichtanwendung als zu einer Arbeitserleichterung führen. Daneben ist es wichtig zu wissen, dass die Benutzung eines neuen Werkzeugs oder Hilfsmittels viele Hundert Male der bewussten Übung durch Gebrauch bedarf, bis sich durch Gewohnheit der Nutzen des neuen Instruments einstellt.

 

 

Webcode: M1115-5


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