BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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Weißfeinkalk für Bodenvermörtelungsarbeiten, Titel

Berufsgenossenschaften der Bauwirtschaft

Merkblatt
Verwendung von Weißfeinkalk
für Bodenvermörtelungsarbeiten


Gleichwertigkeitsklausel

Die in diesem Merkblatt enthaltenen technischen Lösungen schließen andere, mindestens ebenso sichere Lösungen nicht aus, die auch in technischen Regeln anderer Mitgliedstaaten der Europäischen Union oder anderer Vertragsstaaten des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum ihren Niederschlag gefunden haben können.

Prüfberichte von Prüflaboratorien, die in anderen Mitgliedstaaten, der Europäischen Union oder in anderen Vertragsstaaten des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum zugelassen sind, werden in gleicher Weise wie deutsche Prüfberichte berücksichtigt, wenn die den Prüfberichten dieser Stellen zugrundeliegenden Prüfungen, Prüfverfahren und konstruktiven Anforderungen denen der deutschen Stelle gleichwertig sind. Um derartige Stellen handelt es sich vor allem dann, wenn diese die in der Normenreihe EN 45 000 niedergelegten Anforderungen erfüllen.



Ausgabe 7.1996 — Auflage 1997 — Abruf-Nr. 581



Dieses Merkblatt wurde von der Tiefbau-Berufsgenossenschaft erarbeitet.

Gegenüber der vorhergehenden Ausgabe vom August 1992 wurde dieses Merkblatt vollständig überarbeitet.

Weißfeinkalk für Bodenvermörtelungsarbeiten, Inhalt

Inhalt




 

Weißfeinkalk für Bodenvermörtelungsarbeiten, Inhalt

Charakterisierung

Weißfeinkalk*) (auch Branntkalk oder Ätzkalk genannt) ist der Handelsname für Calciumoxid mit der chemischen Formel CaO.

Es ist ein weißes, geruchloses Pulver, das sich in Wasser unter starker Wärmeentwicklung und Volumenvergrößerung (Quellung) zu einer starken Lauge löst. Weißfeinkalk ist ein schwach wassergefährdender Stoff (WGK 1).


Gefahrensymbol

Verursacht Verätzungen (R 34).

Bei Berührung mit den Augen gründlich mit Wasser abspülen und Arzt konsultieren (S 26).

Bei der Arbeit geeignete Schutzkleidung tragen (S 36).




 

––––––––––––––––––––
*) Weißfeinkalk ist feingemahlener, ungelöschter Branntkalk i. S. von

- ENV 459-1:1994

Baukalk Teil 1:
Definitionen, Anforderungen und Konformitätskriterien

- DIN 1069-1 (März 1995)

Baukalk Teil 1:
Definitionen, Anforderungen, Überwachung


 

Grenzwert

MAK-Wert:
5 mg/m³, gemessen als Gesamtstaub.

Kurzzeitwert:
Kategorie 1, 10 mg/m³, 5 Minuten Momentanwert, 8-mal pro Schicht.

Gesundheitsgefährdung

Calciumoxid reizt und verätzt die Atemwege, Verdauungswege und Augen, es kann die Haut entzünden und zu tiefgreifenden Gewebszerstörungen führen. Es kann die Hornhaut der Augen bis zur vollständigen Erblindung schädigen.

Durch Einatmen oder Verschlucken des Staubes (z. B. beim Essen, Trinken oder Rauchen mit beschmutzten Händen) kann Calciumoxid in den Körper gelangen und zu Gesundheitsschäden führen.

Einatmen des Staubes verursacht Reizungen und Verätzungen der Atemwege. Erste Anzeichen sind Nies-, Husten- und Tränenreiz, Brennen der Nasen- und Rachenschleimhäute sowie Jucken und Brennen der Haut.

Beim Befüllen von Vorratssilos, beim Umfüllen in Transportsilos und beim Ausbringen können gefährliche Konzentrationen von Weißfeinkalkstaub in der Umgebungsluft auftreten.


Hygienemaßnahmen

- Im Arbeitsbereich keine Lebensmittel aufbewahren.

- Essen, Trinken und Rauchen sind im Arbeitsbereich verboten.

- Staubkontakt mit Augen, Haut und Kleidung vermeiden.

- Nach Arbeitsende und vor jeder Pause Hände gründlich reinigen.

- Nach Arbeitsende Hautpflegemittel verwenden.

- Verunreinigte oder angestaubte Kleidung wechseln, in Wasser legen und erst nach Reinigung wieder benutzen.

- Nach Arbeitsende Kleidung auf jeden Fall wechseln.

- Straßenkleidung getrennt von Arbeitskleidung aufbewahren.


Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen

- Bei Bodenstabilisierungsmaschinen, die nach dem 1. Januar 1995 erstmalig in Verkehr gebracht wurden, muß der Fahrerplatz mit einer Kabine ausgerüstet sein, die den Maschinenführer vor Staub schützt.

- Staubentwicklung vermeiden.

- Ausgebrachten Weißfeinkalk nicht unnötig auf dem Boden liegen lassen.

- Waschgelegenheit im Arbeitsbereich vorsehen, z. B. Wasserwagen.

- Augenspülflaschen in der Nähe der Arbeitsplätze bereithalten, z. B. auf Fahrzeugen und Geräten mitführen. Spülflüssigkeit (Wasser) immer gebrauchsfähig halten.

- Mündliche Unterweisung mindestens einmal jährlich durchführen, z. B. mit Hilfe einer Betriebsanweisung. Siehe dazu die Muster-Betriebsanweisung in der Anlage, in der die fehlenden Angaben - z. B. Betrieb", "Baustelle/Tätigkeit", "zuständiger Arzt oder Klinik" usw. - betriebs- und baustellenbezogen einzutragen sind.

Die unterwiesenen Personen bestätigen die Unterweisung mit ihrer Unterschrift.


Persönliche Schutzausrüstungen

Augenschutz: Schutzbrille - zumindest Korbbrille.

Handschutz: Schutzhandschuhe mit langen Stulpen aus wasserundurchlässigem Material, wie z. B. Butylkautschuk oder Viton, die an den Handgelenken eng anliegen.

Hautschutz: Fetthaltige Hautschutzsalbe für alle unbedeckten Körperteile verwenden.

Atemschutz: Bei möglicher Grenzwertüberschreitung: Partikelfiltrierende Halbmaske FFP 2 tragen.

Kleidung: Arbeitskleidung tragen, die ausschließlich für Bodenvermörtelungsarbeiten verwendet wird. Dabei Hosenbeine über die Stiefelschäfte ziehen.


Beschäftigungsbeschränkungen

Bei Grenzwertüberschreitungen dürfen Jugendliche unter 16 Jahren nicht mit Bodenvermörtelungsarbeiten unter Verwendung von Weißfeinkalk beschäftigt werden.

Jugendliche ab 16 Jahren dürfen nur dann beschäftigt werden, wenn dies zur Erreichung des Ausbildungszieles erforderlich ist und sie durch einen Fachkundigen beaufsichtigt werden.

Jugendliche sind über die Gefahren und die Schutzmaßnahmen besonders eingehend zu unterweisen.


Vorsorgeuntersuchungen

Muß Atemschutz getragen werden, ist die

- arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung nach dem berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 26 Atemschutzgeräte"

erforderlich.


Erste Hilfe

Auf der Baustelle muß mindestens ein Ersthelfer ständig anwesend sein. Der Ersthelfer muß über Erste-Hilfe-Maßnahmen beim Umgang mit ätzenden Stoffen besonders unterwiesen sein.


Hinweise für den Ersthelfer

Allgemeine Maßnahmen

- Verletzten unter Selbstschutz (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.) aus dem Gefahrenbereich bringen.

- Verunreinigte Kleidung entfernen.

- Für ärztliche Behandlung sorgen.

- Chemischen Stoff und durchgeführte Maßnahmen beim Arzt angeben.


Besondere Maßnahmen

Augen

- Auge unter Schutz des unverletzten Auges sofort bei gespreizten Lidern gründlich und ausgiebig lange mit Wasser spülen.

- Für augenärztliche Behandlung sorgen.

- Chemischen Stoff und durchgeführte Maßnahmen beim Augenarzt angeben.


Haut

- Haut mit viel Wasser gründlich spülen.


Atmungsorgane

-Verletzten unter Selbstschutz (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.) aus dem Gefahrenbereich bringen.

- Für Körperruhe sorgen, vor Wärmeverlust schützen.


Verdauungsorgane

- Erbrechen nicht anregen.

- Reichlich Wasser in kleinen Schlucken trinken lassen.

- Für Körperruhe sorgen, vor Wärmeverlust schützen.


Lagerung von Weißfeinkalk

- In wasserdichten Behältern lagern.

- Behälter dicht geschlossen halten.

- Feuchtigkeits- und Wassereinwirkungen vermeiden.

- Nicht zusammen mit brennbaren Stoffen lagern.


Entsorgung

Restmengen unter Beachtung der örtlichen Vorschriften einer geordneten Abfallbeseitigung zuführen.

Abfallart wie Abfallschlüssel-Nr. (513) nach LAGA-Abfallastenkatalog.

Abfälle in gekennzeichneten verschließbaren Behältern sammeln.



 

Weißfeinkalk für Bodenvermörtelungsarbeiten, Anlage

Muster-Betriebsanweisung

Betriebsanweisung Nr.
Gem. § 20 GEFSTOFFV
Betrieb:

Baustelle/tätigkeit:

 


Calciumoxid

Gefahren für Mensch und Umwelt

Einatmen, Verschlucken (Essen, Trinken, Rauchen mit beschmutzten Händen) können zu Gesundheitsschäden führen. Kann reizen. Augenschäden möglich. Reagiert mit Wasser unter Wärmeentwicklung, Spritzgefahr! Reagiert mit Säuren unter Wärmeentwicklung, Spritzgefahr! Beim Verdünnen dem Wasser zugeben, nie umgekehrt. Wassergefährdend - Eindringen in Boden, Gewässer und Kanalisationen vermeiden!

Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln

Staubentwicklung vermeiden! Berührung mit Augen, Haut und Kleidung vermeiden! Im Arbeitsbereich keine Lebensmittel aufbewahren, nicht essen, trinken, rauchen! Nach Arbeitsende und vor jeder Pause Haare und Haut gründlich reinigen! Produktreste von den Händen entfernen! Hautpflegemittel verwenden! Stark verunreinigte Kleidung wechseln! Nach Arbeitsende Kleidung wechseln! Straßenkleidung getrennt von Arbeitskleidung aufbewahren!
Augenschutz: Schutzbrille (Korbbrille)!
Atemschutz: Partikelfilter (mind. FFP 2)
Handschutz: Schutzhandschuhe aus z. B.: Butylkautschuk,s Viton, Polychloropren.
Beim Tragen von Handschuhen ist eine spezifische Hautschutzsalbe empfehlenswertl
Hautschutz: Fetthaltige Hautschutzsalbe für alle unbedeckten Körperteile verwendenl

Verhalten im Gefahrenfall

Reste unter Staubvermeidung aufnehmen! Calciumoxid brennt selbst nicht. Brände in der Nähe trocken löschen! Löschwasser bildet mit dem Produkt eine ätzende Lauge.
Zuständiger Arzt oder Klinik:
Fluchtweg:
Unfalftelefon:

Erste Hilfe

Bei jeder Erste-Hilfe-Maßnahme: Selbstschutz beachten und umgehend Arzt verständigen.
Nach Augenkontakt:
Unter Schutz eines evtl. unverletzten Auges sofort bei gespreizten Lidern gründlich und ausgiebig mit Wasser spülen. Schnell für ärztliche Behandlung sorgen!
Nach Hautkontakt: Mit viel Wasser gründlich spülen.
Nach Einatmen: Frischluft! Körperruhe! Vor Wärmeverlust schützen! Schnell für ärztliche Behandlung sorgen!
Nach Verschlucken: Erbrechen nicht anregen! Reichlich Wasser in kleinen Schlucken trinken lassen! Körperruhe! Vor Wärmeveriust schützen! Schnell für ärztliche Behandlung sorgenl
Erstheifer:

Sachgerechte Entsorgung

Zur Entsorgung sammeln in:

Hinweis für den Unternehmer:
Die fehlenden betriebs- und baustellenbezogenen Angaben - wie z. B: "Betrieb", "Baustelle/Tätigkeit, zuständiger Arzt oder Klinik" usw. - sind jeweils einzutragen.


Unterschrift des Unternehmers: ___________________________

Webcode: M491-1


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