BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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Chronologie der Vorschriftenentwicklung, der Verwendungsverbote und Grenzwerte

1971 beschlossen die Berufsgenossenschaften, die bis dahin nur für die Steingewinnung und Steinbearbeitung geltende UVV "Schutz gegen gesundheitsgefährlichen Staub bei Steingewinnung, -bearbeitung und -verarbeitung" (VBG 119) auf alle gesundheitsgefährlichen mineralischen Stäube auszudehnen.

1.4.1973 Inkrafttreten der UVV "Schutz gegen gesundheitsgefährlichen mineralischen Staub" (VBG 119), im Wesentlichen Ausdehnung der Regelungen für Quarzfeinstaub auf Asbest, erster Grenzwert als TRK-Wert für Asbest (TRK-Wert für Chrysotilfeinstaub 0,15 mg/m3, asbesthaltiger Feinstaub 4 mg/m3).

1979 "Erster Nachtrag" zur VBG 119 mit dem Verbot, asbesthaltige Massen aufzusprühen oder aufzuspritzen (Verbot von Spritzasbest ab 1. Okt. 1979).

1.4.1982 "Zweiter Nachtrag" zur VBG 119, Verwendungsverbot des Winkelschleifers zur Asbestbearbeitung, weitere Einschränkung der Asbestverwendung. Nach einer Übergangsfrist dürfen ab 1.4.1984 asbesthaltige Leichtbauplatten (Rohdichte kleiner 1 g/cm3), asbesthaltige Isoliermaterialien oder Dämmstoffe sowie asbesthaltige Anstrichstoffe, Klebstoffe, Kitte, Mörtel- und Spachtelmassen, Boden- und Straßenbeläge nicht mehr verwendet werden.Von den Verboten, die für einige Berufsgenossenschaften bereits ab 1.4.1982 galten, konnte unter bestimmten Voraussetzungen und mit Zustimmung der Berufsgenossenschaft abgewichen werden.

1. Okt. 1986 Ablösung der berufsgenossenschaftlichen Regelungen durch die neue Gefahrstoffverordnung , mit der die bis dahin geltende Arbeitsstoffverordnung ersetzt worden ist. Umsetzung von 4 EG-Richtlinien in nationales Recht, weitere Konkretisierung der Umgangsbestimmungen, Kennzeichnungspflicht für asbesthaltige Zubereitungen und Erzeugnisse, Fortschreibung der Asbestverbote und Verwendungsbeschränkungen (u. a. Hitzeschutzkleidung mit Ausnahme von Schutzkleidung über 1.000 °C, Anstrichstoffe, krokydolithaltige Erzeugnisse und Zubereitungen mit Ausnahme von Asbestzementrohren, säure- und temperaturbeständige Dichtungen sowie Stopfbuchspackungen).

1. Jan. 1988 Erste Änderungsverordnung zur Gefahrstoffverordnung, Verschärfung der Umgangsbestimmungen: U. a. ist auch ohne Überschreitung der Auslöseschwelle die Herstellung und Verwendung von asbesthaltigen Gefahrstoffen der Behörde anzuzeigen, die Arbeitsplätze sind messtechnisch zu überwachen.

1. April 1988 Neufassung der VBG 119, UVV "Schutz gegen gesundheitsgefährlichen Staub" wurde abgelöst durch UVV "Gesundheitsgefährlicher mineralischer Staub", Erweiterung der Verbote und Beschränkungen im Einklang mit der Gefahrstoffverordnung.

1. Mai 1990 Zweite Änderungsverordnung zur Gefahrstoffverordnung, Umstufung von Asbest aus der Gruppe II (stark gefährdend) in die höchste Gefährdungsgruppe I (sehr stark gefährdend) mit der Folge, dass Arbeitnehmer beim Herstellen und Verwenden von Asbest dem krebserzeugenden Asbeststaub nicht mehr ausgesetzt sein dürfen. Die Verwendung asbesthaltiger Gefahrstoffe ist verboten, wenn deren Verwendung nicht erforderlich ist oder geeignete Ersatzstoffe verfügbar sind.
Ausgenommen sind Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten. Herstellungsverbot für großformatige Platten und Wellplatten aus Asbestzement für den Hochbau ab 1.1.1991, Verwendungsverbot ab 1.1.1992. Die Umstellung von kleinformatigen asbesthaltigen Dach- und Wandplatten sowie von Lüftungsrohren und Pflanzgefäßen auf asbestfreie Produkte erfolgte bereits 1985 im Zuge des Innovationsprogramms der Asbestzementindustrie mit der Bundesregierung.

15. Juni 1991 Dritte Änderungsverordnung zur Gefahrstoffverordnung. Mit der Änderungsverordnung erfolgte insbesondere eine Konkretisierung der Anforderungen an sachkundige Personen.

1. Nov. 1993 Vierte Änderungsverordnung. Mit der Umsetzung von 20 EG-Richtlinien in nationales Recht wurde auch die Asbestverbotsverordnung in die Gefahrstoffverordnung integriert und in Verbindung mit der Chemikalienverbotsverordnung wurden die Verwendungsverbote fortgeschrieben. So gilt seit 1.1.1994 u. a. ein Herstellungsverbot für asbesthaltige Kanal- und Druckrohre, für Brunnenschächte und für Hitzeschutzkleidung (Verwendungsverbot ab 1.1.1995).
Eine weitere und wesentliche Änderung erfolgte mit der Differenzierung bei krebserzeugenden Stoffen in zwei Gruppen, wobei die in § 15a GefStoffV genannten besonders gefährlichen Stoffe, zu denen auch Asbest gehört, mit einem Expositionsverbot belegt worden sind.

Seit 1995 besteht in Deutschland ein generelles Herstellungs- und Verwendungsverbot für Asbest und asbesthaltige Materialien. Vom Verbot ausgenommen sind lediglich Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten. Seit 1.1.2005 gilt das Verbot europaweit.

1.1.2005 Ablösung der alten Gefahrstoffverordnung durch eine Neufassung.

Die Neufassung war notwendig, da zahlreiche EU-Richtlinien und ILO-Übereinkommen in nationales Recht umgesetzt werden mussten. Zentraler Baustein der neuen VO ist die Gefährdungsbeurteilung. In Abhängigkeit vom Ergebnis der Beurteilung sind die Schutzmaßnahmen anhand von Schutzstufen festzulegen.
Sieht man von einigen wenigen Konkretisierungen und dem neuen Konzept zu arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen ab, erfolgten mit der VO hinsichtlich der Regelungen zu Asbest keine substanziellen Änderungen. So entsprechen die Herstellungs- und Verwendungsverbote des Anhangs IV dem bisherigen Anhang IV der VO in aktualisierter Form, während Anhang III Nr. 2.3 in knapper Form die bisherigen Schutzmaßnahmen enthält.

 

Entwicklung der Technischen Regeln für Gefahrstoffe

Zur Konkretisierung der Regelungen der Gefahrstoffverordnung wurde erstmals im August 1988 eine Technische Regel (TRGS 517 , "Asbest") mit besonderen Schutzmaßnahmen für den Umgang mit Asbest und asbesthaltigen Gefahrstoffen erarbeitet. Die TRGS regelte sowohl das Herstellen und Verwenden als auch den Abbruch von Asbest und löste die "Sicherheitsregeln für das Entfernen von Asbest" ab, die bereits 1982 von den Berufsgenossenschaften herausgegeben worden sind.

Mit der Zweiten Verordnung zur Änderung der Gefahrstoffverordnung musste die Technische Regel überarbeitet und dem Stand der Technik angepasst werden. Da, wenn auch nur in begrenztem Umfang und für einen befristeten Zeitraum, Asbestprodukte weiter verwendet werden durften und hinsichtlich der Schutzmaßnahmen wesentliche Unterschiede zwischen dem Herstellen und Verwenden einerseits und den Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten andererseits bestanden, entschloss man sich, die beiden Gebiete getrennt zu regeln. Die Schutzmaßnahmen für Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten wurden herausgelöst und unter Berücksichtigung der überarbeiteten Gefahrstoffverordnung in der TRGS 519 , "Asbest – Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten" (Ausgabe September 1990) zusammengefasst, während für das "Herstellen und Verwenden" die TRGS 517 bestehen blieb.

Mit der Dritten Änderungsverordnung zur GefStoffV vom Juni 1991 war es erneut notwendig, die beiden Technischen Regeln zu überarbeiten. So folgte eine Neuausgabe der TRGS 519 im September 1991, während für das "Herstellen und Verwenden" die Umgangsbestimmungen der TRGS 517 in der Fassung vom Februar 1992 aktualisiert worden sind. Mit der Neufassung der TRGS 519 wurde für ASI-Arbeiten auch der TRK-Wert aufgehoben, da man im Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) der Auffassung war, dass bei ASI-Arbeiten regelmäßig mit Spitzenbelastungen zu rechnen ist und deshalb kein Grenzwert angegeben werden kann. Für den Umgang mit Asbest im Sinne der TRGS 517 galt weiterhin für Chrysotil der Grenzwert von 250.000 F/m3.

Mit der Übernahme der Asbest-Verbotsverordnung in die GefStoffV (November 1993) war es nur logisch und konsequent, im April 1995 die TRGS 517 und den für den Geltungsbereich dieser TRGS noch bestehenden Grenzwert für Chrysotil aufzuheben. Seit dieser Zeit besteht für den Umgang mit Asbest kein Grenzwert mehr.

Die TRGS 519 "Asbest – Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten" wurde erneut überarbeitet und mit der Ausgabe 3/95 den aktuellen Bestimmungen angepasst. Mit geringfügigen Präzisierungen bei den Begriffsbestimmungen, zum fachkundigen Personal sowie zu den persönlichen Schutzausrüstungen und den Personenschleusen folgte eine weitere novellierte Fassung im September 2001.

Mit dem Inkrafttreten der neuen Gefahrstoffverordnung zum 1.1.2005 war es erneut notwendig, die Technische Regel zu überarbeiten, was zu einer Neuausgabe im Januar 2007 führte und die einschließlich der redaktionellen Berichtigungen im März 2007 im Rahmen dieser Broschüre behandelt worden sind.

 

Arbeitsschutzvorschriften in der DDR

Auch in der früheren DDR gab es bereits frühzeitig Arbeitsschutzvorschriften beim Umgang mit Asbest. Sie waren in arbeitshygienischen Standards festgelegt. Bereits ab 1958 galten Grenzwerte, die auf Ergebnissen konimetrischer Messverfahren basierten. Ab 1976 erfolgte die Bewertung aufgrund gravimetrischer Feinstaubkonzentrationsmessungen, wobei in Abhängigkeit vom Asbestgehalt des Materials verschiedene Feinstaubgrenzwerte zur Arbeitsplatzbewertung herangezogen worden sind. Daneben wurden auch die konimetrischen Messungen beibehalten.

Auch die medizinische Betreuung der Arbeitnehmer durch Vorsorgeuntersuchungen war geregelt. Sie erfolgte bis 1976 nach qualitativen Merkmalen, wenn "infolge der Produktionstechnik die Möglichkeit einer Gesundheitsgefährdung bestand". Nach 1976 dienten arbeitshygienische Kennzahlen als Kriterien für "Arbeitsmedizinische Tauglichkeits- und Überwachungsuntersuchungen" (ATÜ). Lagen Staubmesswerte vor, wurden auch diese zur Beurteilung notwendiger Vorsorgeuntersuchungen herangezogen.

Für Bereiche mit hoher Asbestbelastung gab es auch frühzeitig Asbestverbote, so für Spritzasbest im Jahre 1969. Weitere folgten in den 80er Jahren. Öffnungsklauseln ermöglichten jedoch Ausnahmeregelungen, die nicht ungenutzt blieben und eine kontinuierliche und konsequente Substitution erschwerten. Hinzu kam eine restriktive Informationspolitik, die die Verbreitung von Informationen über die Gesundheitsgefahren von Asbest nur sehr bedingt ermöglichte.

Seit dem 3. Oktober 1990 gelten die Asbestbestimmungen für das gesamte Bundesgebiet.

 

Weitere berufsgenossenschaftliche Initiativen

Parallel zu den ersten Regelungen zum Umgang mit Asbest haben sich die Berufsgenossenschaften Anfang der siebziger Jahre mit der Frage der Ersatzstoffe befasst und in Merkblättern und Sicherheitsregeln konkrete Anforderungen an Maschinen und Geräte zur Bearbeitung von Asbestzement festgelegt (Sicherheitsregeln für staubemittierende handgeführte Maschinen und Geräte zur Bearbeitung von Asbestzementerzeugnissen, ZH 1/616). Um dem Gesundheitsrisiko vorzubeugen, wurden arbeitsmedizinische Grundsätze für Vorsorgeuntersuchungen formuliert und 1972 die Zentrale Erfassungsstelle asbestgefährdeter Arbeitnehmer (ZAs) eingerichtet, heute Zentrale Gesundheitsvorsorge (GVS). Aufgabe der GVS ist es u. a., alle asbeststaubgefährdeten Personen zentral zu erfassen, um eine einheitliche umfangreiche arbeitsmedizinische Betreuung zu gewährleisten. Eine weitere wesentliche Aufgabe besteht in der Zusammenführung und Auswertung von Messdaten mit medizinischen Befunddaten für epidemiologische Forschungen. Bei der GVS sind mittlerweile mehr als 200.000 Personen erfasst (s. Abschnitt 5.11 ).

Schon mit den ersten Verwendungsbeschränkungen von Asbest wurde erkannt, dass die Asbeststaubgefährdung zunehmend nicht mehr in der Verwendung, sondern beim Abbrechen und Beseitigen von Asbest und asbesthaltigen Materialien liegen wird. Zum Schutze der damit beschäftigten Personen wurden deshalb 1982 die "Sicherheitsregeln für das Entfernen von Asbest" erarbeitet. Mit der ersten Technischen Regel zu Asbest im September 1988 wurden die Sicherheitsregeln aufgehoben und die Inhalte in die TRGS überführt.

 

Grenzwertentwicklung

Die Grenzwerte waren als TRK-Werte festgelegt. Sie galten zunächst als Jahresmittelwerte und ab 1985 als Schichtmittelwerte.

Die ersten Massenkonzentrationswerte wurden 1973 für Chrysotil festgelegt. Für Chrysotilfeinstaub betrug die technische Richtkonzentration 0,15 mg/m3, für chrysotilhaltigen Feinstaub (Asbestgehalt kleiner 3,75 Gew.-%) 4 mg/m3.

1976, Absenkung des TRK-Wertes für Chysotilfeinstaub auf 0,1 mg/m3, zusätzlich Festlegung eines Faserwertes für Chrysotil von 2 F/cm3, weiter wurde festgelegt, dass die Werte auch auf Amosit anzuwenden sind.

1979, weitere Absenkung und Halbierung der TRK-Werte. Für Asbestfeinstaub wurde eine Massenkonzentration von 0,05 mg/m3, für asbesthaltigen Feinstaub von 2 mg/m3 festgelegt. Die Faserkonzentration wurde auf 1 F/cm3 abgesenkt. Die Grenzwerte waren erstmals auch auf Krokydolith anzuwenden und galten nur für Neuanlagen. Für bestehende Anlagen wurde eine Übergangsfrist von 3 Jahren eingeräumt.

1985 erfolgte für Krokydolith eine Halbierung der bisherigen Werte. Für Krokydolithfeinstaub galt ein Wert von 0,025 mg/m3, für asbesthaltigen Krokydolithfeinstaub eine Massenkonzentration von 2 mg/m3, die Faserkonzentration betrug 0,5 F/cm3.

Da Amosit und Krokydolith in der Praxis bedeutungslos wurden, konnten für die beiden Asbestarten 1990 die Grenzwerte aufgehoben werden. Gleichzeitig erfolgte eine weitere Absenkung des Faserwertes für Chrysotil auf 0,25 F/cm3 und die Aussetzung der Massenkonzentrationswerte.

Im April 1995 wurde auch der für Chrysotil noch bestehende Grenzwert aufgehoben. Seither gibt es keine Grenzwerte mehr für Asbest. Zur Orientierung bei der Festlegung spezifischer Schutzmaßnahmen gilt für alle Asbestarten ein Wert von 15.000 F/m3.

 

Webcode: M169-50


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