BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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5 Technische Regel "Asbest - Abbruch, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten" (TRGS 519)

Die TRGS konkretisiert die Forderungen der Gefahrstoffverordnung.

Sie ist nach einem Stufenkonzept aufgebaut und unterscheidet zwischen

  • Arbeiten mit geringer Exposition,
  • Arbeiten geringen Umfanges und
  • umfangreiche Arbeiten mit und ohne Begrenzung der Faserkonzentration.

Besonders geregelt wurden außerdem die Instandhaltungsarbeiten.

5.1 Anwendungsbereich

Die TRGS gilt für den Umgang mit schwach und fest gebundenen Asbestprodukten im Zuge von Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten einschließlich der erforderlichen Nebenarbeiten. Sie gilt nicht für Tätigkeiten mit asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen, wie z. B. asbesthaltigen Gesteinsmaterialien. Maßgeblich dafür ist die TRGS 517 "Tätigkeiten mit potenziell asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen und daraus hergestellten Zubereitungen und Erzeugnissen". Hingegen erstreckt sich der Geltungsbereich der TRGS 519 auch auf die Abfallentsorgung.

Bei allen Arbeiten dürfen Arbeitnehmer nur soweit einer Asbestexposition ausgesetzt sein, als dies nach dem Stand der Technik unvermeidbar ist.

Wegen unzureichender medizinischer Daten kann für Asbest z. Zt. kein gesundheitsbasierter Grenzwert im Sinne eines Arbeitsplatzgrenzwertes (AGW) angegeben werden.

Auch bei Einhaltung der messtechnischen Nachweisgrenze nach dem rasterelektronischen Verfahren (BGI 505-46) von 15.000 F/m3 kann deshalb noch ein Krebsrisiko bestehen. Soweit möglich, sind deshalb auch unterhalb dieser Konzentration weitergehende Maßnahmen zur Minimierung der Asbestfaserkonzentration anzustreben.

5.2 Begriffsbestimmungen
(TRGS 519 Nr.2)

Unter Abbrucharbeiten ist das Abbrechen von baulichen Anlagen oder Teilen davon zu verstehen. Der Begriff darf nicht im Sinne des "Demolierens" gesehen werden, sondern ist als vorsichtiges "Demontieren" zu verstehen, um eine Faserfreisetzung weitgehend zu verhindern.

Sanierungsarbeiten umfassen gemäß der "Richtlinie für die Bewertung und Sanierung schwach gebundener Asbestprodukte in Gebäuden" (Asbest-Richtlinie) das Entfernen, Beschichten und die Räumliche Trennung von schwach gebundenen Asbestprodukten.

Instandhaltungsarbeiten umfassen Wartungs-, Inspektions- und Instandsetzungsarbeiten.
Auch Nebenarbeiten wie das Begehen oder Ausräumen asbestbelasteter Räume sowie die Vorbereitung und Durchführung vorläufiger baulicher Maßnahmen zur Beseitigung von Gefahren infolge von schwach gebundenen Produkten fallen darunter (z. B. das Schließen von Fugen oder das Ausbessern von Beschädigungen).

Schwach gebundene Asbestprodukte wie z. B. Spritzasbest, Pappen und Schnüre sind mit einer Rohdichte von weniger als 1.000 kg/m3 definiert.

Zu fest gebundenen Asbestprodukten gehören vornehmlich Asbestzementprodukte oder vergleichbar fest gebundene Produkte mit einer Rohdichte von mehr als 1.400 kg/m3 und einem Asbestgehalt von in der Regel weniger als 15 %. Typische Produkte sind Asbestzementdach- und -wandplatten, Lüftungs- und Abwasserrohre und dergleichen. Auch Flexplatten oder IT-Dichtungen gelten als fest gebunden.
Produkte, die von ihrer Rohdichte her dazwischen liegen, sind aufgrund ihres Zustandes sachverständig zu bewerten und einer Produktgruppe zuzuordnen.

Arbeiten "geringer Exposition" liegen vor, wenn die Asbestfaserkonzentration weniger als 15.000 F/m3 beträgt. Darunter fallen insbesondere geprüfte Verfahren nach BGI 664 (s. Kapitel 6 ).

Arbeiten "geringen Umfangs" an schwach gebundenen Asbestprodukten liegen vor, wenn die Faserkonzentration weniger als 100.000 F/m3 beträgt und bei Einsatz von maximal 2 Personen der Gesamtumfang der Arbeiten 4 Stunden nicht überschreitet. Beim Entfernen von Asbestzementplatten im Außenbereich liegen "Arbeiten geringen Umfangs" vor, wenn die Fläche weniger als 100 m2 beträgt.

5.3 Anzeige an die Behörde
(TRGS 519 Nr. 3.2)

ASI-Arbeiten mit Asbest müssen mindestens 7 Tage vor Arbeitsbeginn der zuständigen Behörde und der zuständigen Berufsgenossenschaft mitgeteilt werden. Bei der Mitteilung wird zwischen der unternehmensbezogenen und der objektbezogenen unterschieden.

Eine einmalige unternehmensbezogene Mitteilung ist z. B. für stationäre Betriebe vorgesehen, die regelmäßig die gleichen Tätigkeiten ausführen, ohne dass sich das Arbeitsverfahren ändert. Typisch hierfür ist z. B. ein Zerlegebetrieb für Speicherheizgeräte. Eine Wiederholung der Mitteilung ist nur bei wesentlichen Änderungen des Arbeitsverfahrens oder der Schutzmaßnahmen erforderlich. Auch ein Wechsel der sachkundigen Aufsichtsperson ist als eine wesentliche Änderung zu sehen.

Eine einmalige unternehmensbezogene Mitteilung kann auch bei wechselnden Arbeitsstätten erfolgen, sofern

  • Tätigkeiten geringer Exposition (z. B. bei Anwendung von Verfahren nach BGI 664),
  • Instandhaltungsarbeiten nach Nr. 16 der TRGS,
  • Tätigkeiten geringen Umfangs vorliegen.

Während in den beiden ersten Fällen eine einmalige Mitteilung nach Anlage 1.1 der TRGS ausreicht, sind bei Tätigkeiten geringen Umfangs zusätzlich Ort und Zeit der durchzuführenden Arbeiten ergänzend mitzuteilen. Die ergänzende Mitteilung (Anlage 1.2 der TRGS ) kann ohne Einhaltung der 7-Tagesfrist kurzfristig per Fax oder e-Mail erfolgen.

Um gegenüber Aufsichtspersonen die formgerechte Mitteilung nachweisen zu können, sind unternehmensbezogene Mitteilungen an der Arbeitsstätte in Kopie vorzuhalten.

In allen anderen Fällen sind objektbezogene Mitteilungen erforderlich, d.h., dass jede Arbeit/Baustelle rechtzeitig und mindestens 7 Tage vor Arbeitsbeginn der Behörde/zust. BG mitzuteilen ist. Kann die Frist von 7 Tagen nicht eingehalten werden, kann die zuständige Arbeitsschutzbehörde einer Fristverkürzung zustimmen. Die Mitteilung muss nach Nr. 3.2 Abs. (3) der TRGS bestimmte Angaben enthalten, wie z. B. Ort der Arbeiten, Umfang und dergleichen. Da unvollständige Angaben als Ordnungswidrigkeit geahndet werden können, empfiehlt es sich, für die Mitteilung die dafür vorgesehenen Formulare zu verwenden (s. Anhang, Formblätter 1 , 2 und 3 ) und diese sorgfältig auszufüllen.

Adressat der objektbezogenen Mitteilung ist die für die Lage des Objekts zuständige Arbeitsschutzbehörde. Dies gilt auch für die "ergänzende Mitteilung von Ort und Zeit" bei Tätigkeiten geringen Umfangs. Unternehmensbezogene Mitteilungen sind dagegen immer an die für den Betriebssitz zuständige Arbeitsschutzbehörde zu richten. In allen Fällen ist eine Kopie der Mitteilung der zuständigen Berufsgenossenschaft zu übermitteln.

Der Mitteilungspflicht mit allen Nachweisen unterliegen auch Subunternehmer, die im Unterauftrag tätig werden. Dies gilt auch für Subunternehmer ohne Beschäftigte (Einzelunternehmer).

Mit der Mitteilung sind Gefährdungsbeurteilung, Arbeitsplan und Betriebsanweisung vorzulegen (s. Anhang [bis Punkt 7]). Die Unterlagen dienen u. a. auch als Nachweis für die personelle und sicherheitstechnische Ausstattung des Unternehmens.
Soweit für die Tätigkeiten eine Zulassung erforderlich ist, ist diese ebenfalls in Kopie beizufügen.

5.4 Zulassung
(TRGS 519 Nr. 3.1, GefStoffV Anhang III, Nr. 2.4.2 Abs. 3)

Arbeiten an schwach gebundenen Produkten erfordern u. a. spezielle Arbeitsmittel, eine umfangreiche lufttechnische Geräteausstattung und geeignetes Fachpersonal. Um im Vorfeld prüfen zu können, ob der Betrieb überhaupt über die notwendigen Geräteausstattungen und qualifiziertes Personal zur Durchführung der Arbeiten verfügt, wird für Abbruch- und Sanierungsarbeiten an schwach gebundenen asbesthaltigen Bauteilen eine Zulassung verlangt.
Die Zulassung ist bei der für den Ort des Betriebssitzes zuständigen Behörde zu beantragen. Sie gilt in der Regel bundesweit, soweit keine besonderen Beschränkungen oder Auflagen vorgesehen sind.
Eine Zulassung für Tätigkeiten an schwach gebundenen Asbestprodukten ist nicht erforderlich im Rahmen von Instandhaltungsarbeiten und bei Anwendung von Verfahren geringer Exposition (z. B. nach BGI 664).

5.5 Verwendungsverbote
(TRGS 519 Nr. 4, GefStoffV Anhang II, Nr. 1)

Hinsichtlich der Verwendungsverbote bezieht sich die TRGS auf die Verbote der Gefahrstoffverordnung (s. Nr. 4.3.5 ) und präzisiert diese mit dem Hinweis, dass unter das Verbot auch das Anbringen von Photovoltaik- und Thermosolaranlagen auf Asbestzementdächern fällt. Vom Verbot kann die zuständige Arbeitsschutzbehörde einer Fachfirma auf schriftlichen Antrag im Einzelfall eine Ausnahme erteilen, wenn nachweisbar eine "unverhältnismäßige Härte" vorliegt und der Schutz der Beschäftigten sichergestellt ist.
Eine Ausnahme von diesen Verboten ist nach Gefahrstoffverordnung vom 26.11.2010 nicht möglich.

Zu beachten ist, dass auch die Weitergabe ausgebauter Asbestprodukte an Dritte oder die eigene Wiederverwendung, z. B. von Asbestzementdachplatten, unter das Verwendungsverbot fällt.
Ausgenommen vom Verwendungsverbot sind lediglich ASI-Arbeiten sowie die gemeinwohlverträgliche Abfallbeseitigung und emissionsarme Reinigungsverfahren, die behördlich oder berufsgenossenschaftlich anerkannt sind.

5.6 Leitung und Beaufsichtigung, personelle Anforderungen
(TRGS 519 Nr. 5.4, GefStoffV Anhang I, Nr. 2.4.2 Abs. 3)

Die sichere Ausführung von ASI-Arbeiten mit Asbest setzt voraus, dass qualifiziertes Personal eingesetzt wird. Der Fachbetrieb muss über einen sachkundigen Verantwortlichen und über eine sachkundige Aufsichtsperson verfügen. Zulassungspflichtige Betriebe müssen darüber hinaus einen sachkundigen Vertreter für den Verantwortlichen nachweisen.

Nachweis der Unterweisung

Nachweis der Unterweisung

Der sachkundige Aufsichtführende trägt die Verantwortung vor Ort. Er muss während der Arbeiten – ausgenommen bei Arbeiten mit geringer Exposition – ständig auf der Baustelle anwesend sein. Er ist vom Unternehmer schriftlich zu beauftragen. Zu seinen Aufgaben gehört es u. a. darauf zu achten, dass

  • die Arbeitsstelle abgesperrt und gekennzeichnet ist, um Unbefugte fernzuhalten,
  • die festgelegten Schutzmaßnahmen umgesetzt werden,
  • die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt worden sind,
  • von den Beschäftigten die persönlichen Schutzausrüstungen getragen werden,
  • die Arbeitsstelle erst nach Abschluss aller Arbeiten wieder freigegeben wird.

Im Gegensatz zum Aufsichtführenden hat der sachkundige Verantwortliche die Voraussetzungen für die sichere Abwicklung der Baumaßnahme zu schaffen. An Stelle oder in Verbindung mit dem Unternehmer muss er u. a. dafür sorgen, dass

  • die Arbeiten rechtzeitig der Behörde mitgeteilt werden,
  • die Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wird,
  • Arbeitsplan und Betriebsanweisung erstellt und die Beschäftigten unterwiesen werden,
  • die Vorsorgeuntersuchungen organisiert werden,
  • die Abfallentsorgung geregelt wird.

Der sachkundige Verantwortliche oder sein Vertreter kann auch als Aufsichtsperson tätig werden und damit beide Funktionen in einer Person wahrnehmen. Dies wird insbesondere für Kleinbetriebe zutreffen.

"Sachkunde" setzt die erfolgreiche Teilnahme an einem behördlich anerkannten Sachkundelehrgang voraus. In Abhängigkeit von der Art der Tätigkeit sind dafür nach den Anlagen 3, 4 und 5 der TRGS Lehrgänge von unterschiedlicher Dauer und differenzierten Lehrinhalten vorgesehen. Die Sachkunde nach Anlage 3 schließt den Erwerb der Sachkunde nach den Anlagen 4 und 5 ein. Die Sachkunde nach Anlage 4 umfasst auch die nach Anlage 5.
Durch die Teilnahme an einem Lehrgang nach Anlage 5 kann die Sachkunde nur für die Arbeiten erworben werden, für die der Lehrgang ausdrücklich benannt wurde.

Neben einer sachkundigen Leitung und Beaufsichtigung wird für ASI-Arbeiten mit Asbest ein fachkundiges Personal verlangt. Die Forderung beinhaltet, dass die Beschäftigten in der Lage sind, mit den Arbeitsmitteln und Schutzausrüstungen sicher umzugehen und in die Arbeitsweise sicher eingewiesen sind.

Werden umfangreiche Arbeiten an schwach gebunden Asbestprodukten ausgeführt (Arbeiten nach Nr. 14.1 der TRGS), muss der Betrieb zusätzlich über eine befähigte Person (Gerätefachkundigen) zur Prüfung der sicherheitstechnischen Einrichtung verfügen. Die befähigte Person muss mit der Bedienung und Wartung der lufttechnischen Arbeitsmittel vertraut und in der Lage sein, den Zustand und die Funktion der Geräte sicher zu beurteilen. Die erforderlichen Fachkenntnisse können z. B. durch Herstellerunterweisungen erworben und entsprechende Bescheinigungen nachgewiesen werden.
Ist für ASI-Arbeiten ein Koordinator erforderlich, muss dieser ebenfalls sachkundig sein oder sich von einem Sachkundigen beraten lassen.

5.7 Gefährdungsbeurteilung, Arbeitsplan
(TRGS 519 Nr. 5.1 und 5.3, GefStoffV Anhang I, Nr. 2.4.4)

Von zentraler Bedeutung für die Festlegung angemessener Schutzmaßnahmen ist eine sorgfältige Ermittlung der mit der Tätigkeit verbundenen Gefährdung und deren Beurteilung.
Die Gefährdungsbeurteilung ist vor Aufnahme der Tätigkeit zu erstellen.
Dazu ist vorab zu ermitteln, ob asbesthaltige Produkte in fest oder schwach gebundener Form vorliegen. Soweit dies nicht erkennbar oder bekannt ist, sind dazu Angaben beim Bauherrn einzuholen, ggf. Experten einzuschalten und Materialproben untersuchen zu lassen.

Folgende Punkte sind bei der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen:

  • Art und Menge des vorliegenden Asbestproduktes,
  • mechanischer Zustand,
  • Umfang und Dauer der Arbeiten,
  • Arbeitsbedingungen,
  • mögliche passive Gefährdungen Dritter.

Davon ausgehend sind festzulegen:

  • geeignetes und sicheres Arbeitsverfahren,
  • erforderliche Schutzmaßnahmen,
  • Festlegungen zur Wirksamkeitsprüfung der getroffenen Maßnahmen.

Die Gefährdungsbeurteilung einschließlich der Schutzmaßnahmen ist vor Aufnahme der Tätigkeit zu dokumentieren. Zur Präzisierung der Maßnahmen und um vor Ort Improvisationen zu vermeiden, müssen die Ergebnisse in einem Arbeitsplan münden.

Inhalt des Arbeitsplanes:

  • Beschreibung der Baustelleneinrichtung,
  • Beschreibung der technischen Schutzmaßnahmen,
  • Angaben zu den persönlichen Schutzausrüstungen,
  • Beschreibung des Arbeitsablaufes mit Arbeitszeit- und Pausenregelung,
  • Beschreibung der Arbeitsdurchführung und Angaben zur Abfallbeseitigung,
  • bei Arbeiten in Innenräumen Angaben zur gefahrlosen Freigabe der Räume.

Ein Arbeitsplan ist auch für Instandhaltungsarbeiten erforderlich. Gefährdungsbeurteilung und Arbeitsplan sind in gegenseitiger Abhängigkeit zu sehen. Die Dokumente sollten deshalb immer im Zusammenhang erstellt werden. Zur Vereinfachung wurde ein Musterformular als Anlage aufgenommen (s. Anhang ). Die Anlage kann zur Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung und des Arbeitsplanes verwendet werden. Bei umfangreichen Arbeiten an schwach gebundenen Produkten ist ergänzend dazu noch eine weitere Anlage zu verwenden (s. Anhang ).Werden Gefährdungsbeurteilung und Arbeitsplan anhand der Formulare abgehandelt, sind im Regelfall keine weiteren Angaben erforderlich.

5.8 Betriebsanweisung und Unterweisung
(TRGS 519 Nr. 5.2, GefStoffV § 14)

Hintergrund einer Betriebsanweisung ist es, den Beschäftigten die Gefährdungen aufzuzeigen und die erforderlichen Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln einschließlich der Abfallentsorgung zu erläutern und zu erklären. Es handelt sich um verbindliche Anordnungen und Verhaltensregeln des Arbeitgebers zum Schutze der Beschäftigten vor Unfall- und Gesundheitsgefahren.

Verantwortlich für die Erstellung einer Betriebsanweisung ist der Arbeitgeber; die Beschäftigten haben sie zu beachten. Damit Letztere dieser Verpflichtung nachkommen können, sind Betriebsanweisungen am Arbeitsplatz an geeigneter Stelle, zum Beispiel durch Aushang, bekannt zu geben. Sprachlich sind Betriebsanweisungen allgemein verständlich, konkret und doch knapp zu fassen. Bei Tätigkeiten mit Asbest muss die Betriebsanweisung folgende Informationen enthalten:

  • Angaben zur Tätigkeit und zum Arbeitsbereich,
  • Angaben zu den auftretenden asbesthaltigen Gefahrstoffen,
  • die erforderlichen Schutz- und Hygienemaßnahmen,
  • Angaben zur Verwendung von persönlichen Schutzausrüstungen,
  • Maßnahmen bei Betriebsstörungen/Unfällen,
  • Angaben zur Abfallbehandlung und Entsorgung.

Sind im Betrieb ausländische Arbeitnehmer beschäftigt, die kein oder nur ungenügend Deutsch verstehen, ist die Betriebsanweisung in deren Sprache zu übersetzen.
Die äußere Form einer Betriebsanweisung ist nicht verbindlich festgelegt. Allerdings fördert die einheitliche Gestaltung von Betriebsanweisungen den "Erkennungseffekt" für die Beschäftigten, weshalb zu empfehlen ist, eine einmal festgelegte Form beizubehalten.

Im Anhang der Broschüre sind Betriebsanweisungsentwürfe als Beispiele vorgegeben. Sie sollen lediglich als Orientierungshilfe dienen und sind zumindest den betriebsspezifischen Gegebenheiten anzupassen, falls sie als Vorlagen benutzt werden.

Da nicht sichergestellt ist, dass Betriebsanweisungen in allen Punkten verstanden werden, ist zusätzlich eine Unterweisung der Arbeitnehmer anhand der Betriebsanweisung vorgeschrieben.
Dabei sind auch die Gefährdungsbeurteilung und der Arbeitsplan sowie wesentliche Punkte der Hygiene einzubeziehen. Insbesondere sind folgende Punkte anzusprechen:

  • Eigenschaften von Asbest und seine Wirkungen auf die Gesundheit einschließlich der verstärkenden Wirkung des Rauchens, ggf. unter Einbeziehung eines Arztes,
  • gewerkspezifische asbesthaltige Produkte,
  • Tätigkeiten, bei denen eine Exposition auftreten kann,
  • sachgerechte Anwendung der Verfahren und der persönlichen Schutzausrüstungen,
  • Maßnahmen bei Störungen des Betriebsablaufs,
  • die Abfallbehandlung,
  • die arbeitsmedizinische Vorsorge.

Die Unterweisung ist durchzuführen:

  • erstmals vor Beginn der Arbeiten,
  • mindestens einmal jährlich,
  • zusätzlich bei wesentlichen Änderungen der Arbeitsbedingungen, der Arbeitsverfahren oder der Schutzmaßnahmen.

Inhalt und Zeitpunkt der mündlichen Unterweisung sind schriftlich festzuhalten und von den Unterwiesenen durch Unterschrift zu bestätigen. Zur Dokumentation kann das Formblatt im Anhang (s. Anhang ) verwendet werden.

Je gründlicher und sorgfältiger die Unterweisung erfolgt, um so bereitwilliger werden die Beschäftigten den notwendigen Anordnungen und Maßnahmen der betrieblichen Vorgesetzten nachkommen.

Werden umfangreiche Arbeiten an schwach gebundenen Produkten durchgeführt, ist zusätzlich eine objektbezogene Einweisung erforderlich.

5.9 Verwendung persönlicher Schutzausrüstungen
(TRGS 519 Nr. 8, GefStoffV Anhang I, Nr. 2.4.3 Abs. 4)

Bei ASI-Arbeiten mit Asbest sind vom Arbeitgeber geeigneter Atemschutz und Schutzanzug zur Verfügung zu stellen und von den Beschäftigten zu tragen, soweit nicht sichergestellt ist, dass bei der Tätigkeit die Asbestfaserkonzentration von 15.000 F/m3 unterschritten wird. Dies ist z. B. bei Anwendung von geprüften Verfahren geringer Exposition gewährleistet.
Geeignete Atemschutzgeräte bis zu einer Faserkonzentration von 150.000 F/m3, z. B. für Arbeiten an Asbestzementprodukten und für Arbeiten geringen Umfangs sowie für Probenahmen sind

  • Halbmasken mit P2-Filter,
  • partikelfiltrierende Halbmasken FF P2,
  • Masken mit Gebläse und Partikelfilter TM1P.

Bei höheren Faserkonzentrationen wie z. B. bei umfangreichen Arbeiten an schwach gebundenen Produkten:

  • Vollmasken mit Partikelfilter P3, nach Möglichkeit Masken TM3P mit Gebläseunterstützung und ggf. Anwärmung der Einatemluft.

Sollten in Ausnahmefällen Faserkonzentrationen größer als 6 Mio F/m3 zu erwarten sein (z. B. beim trockenen Entfernen von Spritzasbest), sind Isoliergeräte mit Vollmaske oder Mundstückgarnitur einzusetzen. Atemschutzgeräte müssen geprüft sein; ein Verzeichnis zertifizierter Atemschutzgeräte enthält die BGI 693.

Da die Verwendung von Atemschutzgeräten eine erhebliche körperliche Belastung darstellt, sind zur Vermeidung von Überbelastungen Tragezeitbegrenzungen zu beachten. Die BG-Regel "Benutzung von Atemschutzgeräten" (BGR 190 ) nennt dazu im Anhang Anhaltswerte, bei deren Einhaltung im Allgemeinen eine Überbelastung des Geräteträgers vermieden wird. Bei Verwendung von Halbmasken oder filtrierenden Halbmasken mit Ausatemventil ist danach nach einer Einsatzdauer von jeweils 120 Minuten eine Maskenpause von 30 Minuten einzulegen.

Dabei wird von 3 Einsätzen pro Schicht ausgegangen (s. BGR 190, Anhang 2 ).
Während der Maskenpause dürfen die Beschäftigten nur mit leichten Arbeiten beauftragt werden.
Durch die erhöhte körperliche Belastung werden bei Benutzung von Atemschutz auch spezielle arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen erforderlich (s. Abschnitt 5.11 ).

Die Wirksamkeit von Atemschutzgeräten hängt im Wesentlichen vom Dichtsitz ab. Die Geräteträger müssen deshalb in die richtige Benutzung eingewiesen werden.

Um ein Verschleppen von Asbestfasern in unbelastete Bereiche zu vermeiden, sind bei ASI-Arbeiten auch geeignete Schutzanzüge zu tragen. Dabei können sowohl Ein- als auch Mehrwegschutzanzüge benutzt werden. In beiden Fällen muss es sich um zertifizierte Staubschutzanzüge mit CE Kennzeichnung handeln (im Allgemeinen Kategorie III Typ 4 – 5, bei Sprühnebel und Feuchtigkeit Typ 3 – 4). Dabei steht Typ 3 für flüssigkeitsdicht, 4 für sprühdicht, 5 für partikeldicht und 6 für begrenzt spritzdicht.

Neben Schutzanzug und Atemschutz können selbstverständlich weitere Schutzausrüstungen erforderlich werden, wenn dies zur Vermeidung von Verletzungen notwendig ist (z. B. Schutzhelm, Schutzschuhe, Augenschutz, Schutzhandschuhe und dergl.).

5.10 Hygienemaßnahmen
(TRGS 519 Nr. 9, GefStoffV Anhang I, Nr. 2.4.3 Abs. 6)

Bei ASI-Arbeiten ist eine Duschmöglichkeit am Arbeitsort bereitzustellen. Die Forderung ist auch erfüllt, wenn eine Personenschleuse mit Nasszelle vorhanden ist. Von Duschmöglichkeiten vor Ort kann abgesehen werden

  • bei Verfahren geringer Exposition,
  • bei Arbeiten an AZ-Produkten im Freien, sofern diese nicht länger als drei Tage dauern,
  • bei Arbeiten geringen Umfanges.

Der Verzicht setzt voraus, dass Duschmöglichkeiten am Betriebshof vorhanden sind; eine Waschgelegenheit ist in jedem Fall vor Ort erforderlich.

Weiter muss bei Tätigkeiten mit asbesthaltigen Gefahrstoffen sichergestellt sein, dass

  • eine getrennte Aufbewahrung der Straßen- und Arbeitskleidung möglich ist,
  • Pausenräume vorhanden sind und
  • sofern Mehrwegschutzkleidung verwendet wird, diese vom Arbeitgeber regelmäßig gereinigt wird.

5.11 Arbeitsmedizinische Vorsorge
(TRGS 519 Nr. 10, ArbMedVV)

Arbeitsmedizinische Untersuchungen dienen zur Feststellung der körperlichen Eignung. Die Untersuchungen werden nach speziellen Grundsätzen durchgeführt. Bei einer Belastung durch Asbestfaserstaub ist zu unterscheiden zwischen Pflicht- und Angebotsuntersuchungen. Pflichtuntersuchungen sind vom Arbeitgeber zu veranlassen, wenn bei Tätigkeiten mit Asbest die Asbestfaserkonzentration von 15.000 F/m3 überschritten wird.

Beratung durch den Betriebsarzt im AMD

Beratung durch den Betriebsarzt im AMD

Sie erfolgen als

  • Erstuntersuchung vor Aufnahme der Tätigkeit,
  • Nachuntersuchungen in regelmäßigen Abständen während der Tätigkeit,
  • Nachuntersuchung bei Beendigung der Tätigkeit
    und sind Voraussetzung für die Beschäftigung mit Asbestarbeiten.

Bei Unterschreitung der Faserkonzentration von 15.000 F/m3 (Nachweisgrenze nach BGI 505-46), z. B. bei Anwendung von geprüften Arbeitsverfahren nach BGI 664, sind vom Arbeitgeber

  • die Erstuntersuchung und
  • regelmäßige Nachuntersuchungen während der Tätigkeit den Beschäftigten anzubieten (Angebotsuntersuchungen).

"Anzubieten" bedeutet, dass der Arbeitgeber auf die Untersuchungen aufmerksam machen und deren Wahrnehmung ermöglichen muss. Dies beinhaltet auch die Freistellung für die Untersuchung.

Im Hinblick auf die lange Latenzzeit von Asbesterkrankungen sind im Falle von Pflichtuntersuchungen den Beschäftigten auch Nachuntersuchungen als sogenannte "nachgehende Untersuchungen" (ngU) anzubieten. Voraussetzung dafür ist, dass mindestens eine Nachuntersuchung zu veranlassen ist oder mindestens über einen Zeitraum von 3 Monaten Asbestarbeiten ausgeübt worden sind.
Nachgehehende Untersuchungen werden Lebens begleitend und damit auch noch durchgeführt, wenn sich die Personen bereits im Ruhestand befinden, um eventuelle Erkrankungen möglichst frühzeitig zu erkennen.

Die Untersuchungen sind von Fachärzten für Arbeitsmedizin oder von Ärzten mit der Zusatzbezeichnung "Betriebsmedizin" durchzuführen. Bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft werden sie vom Arbeitsmedizinischen Dienst durchgeführt. Sie sind kostenlos und erfolgen nach dem berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G1.2 "Gesundheitsgefährlicher mineralischer Staub, Teil 2: Asbesthaltiger Staub".
Die Fristen für Nachuntersuchungen legt der Arzt fest. Sie werden im Falle von Pflichtuntersuchungen in die Untersuchungsbescheinigung eingetragen. Die weitere Terminüberwachung für Nachuntersuchungen erfolgt häufig von den Berufsgenossenschaften selbst oder der von den Berufsgenossenschaften eingerichteten Zentralen Gesundheitsvorsorge (GVS, früher ZAs).
Die Vorsorgestelle wurde bereits 1972 von den Berufsgenossenschaften mit dem Ziel eingerichtet, alle asbeststaubgefährdeten Personen zentral zu erfassen und nach einheitlichen Kriterien arbeitsmedizinisch zu betreuen. Mit der Zusammenführung von Messdaten und medizinischen Befunddaten konnten außerdem wichtige epidemiologische Erkenntnisse gewonnen werden.
Im März 2007 waren bei der GVS ca. 249.100 Personen für nachgehende Untersuchungen gemeldet.
Etwa 63.700 Personen sind als "noch staubgefährdet" erfasst.

Bei Pflichtuntersuchungen ist die Befundbescheinigung dem Arbeitgeber vorzulegen, damit dieser prüfen kann, ob gegen die Ausübung der Tätigkeit gesundheitliche Bedenken bestehen.

Bei Überschreitung der Faserkonzentration von 15.000 F/m3 ist das Tragen von Atemschutzgeräten erforderlich. Die Benutzung von Atemschutzgeräten bedeutet im Allgemeinen eine zusätzliche Belastung, so dass die Eignung des Atemschutzgeräteträgers durch eine arbeitsmedizinische Untersuchung nach G26 nachzuweisen ist. Auch diese arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung umfasst Pflicht- und Angebotsuntersuchungen.
Für Filtergeräte mit Partikelfilter P2, partikelfiltrierende Halbmasken und gebläseunterstützte Filtergeräte mit Voll- oder Halbmaske ist durch den Unternehmer eine Angebotsuntersuchung anzubieten. Eine Pflichtuntersuchung ist z.B. für Voll- oder Halbmasken mit P3-Filter erforderlich.

Die Untersuchungen nach G1.2 und G26 werden in der Regel im Zusammenhang vorgenommen.
Es ist Aufgabe des Arbeitgebers, geeignete Personen für Tätigkeiten mit Asbest auszuwählen und die Untersuchungen zu organisieren.

5.12 Beschäftigungsbeschränkungen

Jugendliche und werdende oder stillende Mütter dürfen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz bzw. dem Mutterschutzgesetz mit Asbestarbeiten nicht beschäftigt werden.

Asbest-Verbotsschild

Asbest-Verbotsschild

5.13 Allgemeine sicherheitstechnische Maßnahmen
(TRGS 519 Nr. 7)

  • Um zu verhindern, dass Unbefugte asbestbelastete Arbeitsbereiche betreten, sind die Arbeitsbereiche deutlich abzusperren und mit dem Verbotszeichen nach BGV A 8 (s. Abb.) zu kennzeichnen. Je nach Erfordernis können dabei feste Umzäunungen mit Sichtschutz erforderlich werden oder auch Absperrungen mit Flatterleinen ausreichend sein. In sensiblen Bereichen wie Schulen oder Kindergärten sollten immer feste Absperrungen mit Sichtschutz gewählt werden.
  • Bei den Arbeiten sind immer Verfahren und Techniken anzuwenden, mit denen weitgehend eine Faserfreisetzung und -ausbreitung verhindert wird.
  • Abgesaugte Luft darf nicht zurückgeführt werden. Sie muss gereinigt und ins Freie geleitet werden. Dabei darf die Asbestfaserkonzentration in der gereinigten Abluft nicht mehr als 1000 F/m3 betragen. Dies muss durch Messungen bei der ersten Inbetriebnahme und anschließend im Turnus von drei Jahren nachgewiesen werden, soweit für die lufttechnischen Geräte keine Baumusterprüfung vorliegt.
  • Abweichend vom allgemeinen Verbot kann die Luft bei Verwendung berufsgenossenschaftlich oder behördlich anerkannter ortsveränderlicher Entstauber oder Industriestaubsauger in Räumen zurückgeführt werden, wenn Arbeiten geringen Umfangs oder geringer Exposition vorliegen und eine Abluftführung ins Freie nicht möglich oder unverhältnismäßig ist. Dies gilt auch für Nebenarbeiten wie Reinigungsarbeiten oder für vorbereitende Arbeiten. Der Abscheidegrad für das Filtern muss in diesem Fall 99,995 % betragen. Dies wird erreicht mit Geräten der Staubklasse "H" oder bei älteren Geräten, wenn sie der Kategorie "K1" entsprechen.
  • Lufttechnische Anlagen oder Geräte sind mindestens einmal jährlich zu warten und von einem Gerätefachkundigen oder Wartungsunternehmen zu prüfen. Das Prüfergebnis ist auf Verlangen vorzulegen.
  • Im Schwarzbereich eingesetzte Industriestaubsauger dürfen erst nach sorgfältiger Reinigung des Motorgehäuses im Weißbereich eingesetzt werden.

5.14 Maßnahmen bei umfangreichen Arbeiten an schwach gebundenen Asbestprodukten
(TRGS 519 Nr. 14.1)

Umfangreiche Arbeiten liegen in der Regel dann vor, wenn Bauwerke großflächig entsorgt oder saniert werden. In diesen Fällen werden im Wesentlichen folgende Maßnahmen notwendig:

  • Der Arbeitsbereich (Schwarzbereich) muss gegenüber der Umgebung staubdicht abgetrennt sein (Abschottung). Die Abschottungen sind in einem Arbeitsplan darzustellen und möglichst klein zu halten.
  • Als Zugang zum Arbeitsbereich ist eine Mehrkammerpersonenschleuse erforderlich (3 Kammern mit Vorraum oder 4-Kammer-Schleuse im Baukastensystem, s. Abb. "Personenschleuse" ). Dauern die Arbeiten unter Einsatz von 3 Arbeitnehmern nicht länger als zwei Schichten, ist eine 3-Kammer- Schleuse ausreichend. Dies gilt unabhängig vom Umfang auch für Arbeiten mit Faserkonzentrationen < 100.000 F/m3.
    Eine Sonderregelung in Bezug auf Personenschleusen ist in Nr. 14.1.10 der TRGS 519 vorgesehen. Danach kann auf eine Personenschleuse verzichtet werden, wenn bei Einsatz von 2 Beschäftigten die Arbeiten insgesamt nicht länger als 2 Stunden dauern und der abgeschottete Arbeitsbereich während der Arbeiten nicht verlassen wird. Der Zugang ist während der Arbeiten staubdicht geschlossen zu halten. Eine Unterdruckmessung ist nicht erforderlich.
  • Für den Arbeitsbereich ist ein mindestens fünffacher Luftwechsel pro Stunde sicherzustellen.
  • Im Arbeitsbereich ist während der Arbeiten ein Unterdruck von mindestens 20 Pa herzustellen. Der Unterdruck muss kontinuierlich registriert und bei einem Abfall optischer oder akustischer Alarm ausgelöst werden. Nach Schichtende genügt unter Berücksichtigung einer einstündigen Nachlaufzeit ein Unterdruck von 10 Pa.
  • Bei Störungen (z. B. defekter Abschottung) oder bei länger andauernden Arbeiten sind Kontrollmessungen im Weißbereich der Schleusen und der näheren Umgebung durchzuführen (< 1.000 F/m3).
  • Vom Arbeitsbereich nach außen muss eine Sprechverbindung vorhanden sein.
  • Raumlufttechnische Anlagen nicht im Arbeitsbereich aufstellen und Luftleitungen zwischen Schwebstofffilter und Sauggerät nicht durch den Arbeitsbereich führen.
  • Bei der Entfernung von Spritzasbest in größerem Umfang ist ein Hochleistungsvakuumsauggerät (HVS-Gerät) einzusetzen; wird Spritzasbest anschließend verfestigt, muss dies in einem geschlossenen System erfolgen.
  • Asbesthaltige Produkte oder asbestkontaminierte Gegenstände dürfen nur über eine Materialschleuse herausgegeben werden. Die Materialschleuse muss aus mindestens zwei Kammern bestehen (s. Abb. "Materialschleuse").
  • Schleusen müssen nach Schichtende sorgfältig gereinigt werden.
  • Vor Aufhebung der Schutzmaßnahmen (Abschottung) ist nach einer visuellen Sichtkontrolle eine Freigabemessung durchzuführen. Diese Messungen dürfen nicht mit den Erfolgskontrollmessungen nach den Asbestrichtlinien verwechselt werden.
UHG an Folienabschottung

UHG an Folienabschottung

Mehrkanaliger Unterdruckschreiber

Mehrkanaliger Unterdruckschreiber

Personenschleuse (Prinzipskizze)

* Einweganzüge dürfen höchstens über eine Schichtlänge benutzt werden und sind nach Schichtende zu entsorgen

Materialschleuse (Prinzipskizze)

Arbeitsablauf beim Materialschleusen

1)Materialtransport aus Arbeitsbereich in Kammer 2 unter persönlicher Schutzausrüstung (Vollschutz) bei geschlossener Tür.
2)Reinigen der Materialien in Kammer 2 bei geschlossenen Türen 2 und 3 unter Vollschutz.
3)Materialtransport aus Kammer 2 in Kammer 1 bei geschlossener Tür 3.
4)Tür 2/Klappe schließen.
5)30facher Luftaustausch in Kammer 2 bei geschlossenen Türen 1 und 2.
6)Entnahme der verpackten Materialien von außen bei geschlossener Tür 2.

Die Türen der Materialschleuse sind so zu verriegeln, dass die Türen 1 und 2 sowie 2 und 3 nicht gleichzeitig geöffnet werden können.

5.15 Maßnahmen bei Arbeiten geringen Umfangs an schwach gebundenen Produkten
(TRGS 519 Nr. 14.2)

Arbeiten geringen Umfangs liegen vor, wenn der Umfang der Arbeiten bei Einsatz von 2 Beschäftigten 4 Stunden nicht überschreitet und die Faserkonzentration weniger als 100.000 F/m3 beträgt. Entsprechende Arbeiten können z. B. vorliegen beim Entfernen von Asbestpappen unter Fensterbänken, beim Entfernen von Türdichtungen oder beim Beschichten schwach gebundener Asbestplatten.

Bei Arbeiten geringen Umfangs beschränken sich die Maßnahmen auf

  • Verwendung von Atemschutz (P2-Filter) und Schutzanzug,
  • Arbeitsbereich staubdicht abtrennen (Abschottung),
  • nicht entfernte und schwer zu reinigende Gegenstände/Einrichtungen abdecken (z. B. Teppichböden, Heizkörper),
  • Zugang über 1-Kammerschleuse,
    auf die Schleuse kann nur verzichtet werden, wenn die Expositionszeit weniger als 2 Stunden beträgt, Personen den Arbeitsbereich während der Arbeiten nicht verlassen und auch kein Material ausgeschleust wird (TRGS 519 Nr. 14.2 (4)),
  • Entlüftungsgerät für Unterdruckhaltung;
    anstelle des Entlüftungsgerätes kann auch ein baumustergeprüfter Industriestaubsauger (Staubklasse "H") eingesetzt werden, wenn der Staubsauger ständig in Betrieb ist und die Abluft nach außen geleitet wird,
  • Asbestprodukte nässen oder mit Staubbindmittel besprühen, nach Ausbau umgehend staubdicht verpacken,
  • Verzicht auf Freigabemessung, wenn nach sorgfältiger Raumreinigung und vor Abbau der Abschottung ein 30-facher Luftwechsel durchgeführt wird,
  • Waschgelegenheit vor Ort,
  • Dusche vor Ort oder am Betriebshof.

5.16 Maßnahmen bei Arbeiten an Asbestzementprodukten
(TRGS 519 Nr. 15)

5.16.1 Bereitstellung von Arbeitsmitteln und Geräten

In Abhängigkeit von den auszuführenden Arbeiten sind geeignete Geräte und Einrichtungen vorzuhalten.
Dazu gehören z. B.

  • geeignetes Handwerkzeug zum Lösen der Befestigungen,
  • müssen handgeführte Maschinen/Geräte zur Bearbeitung von AZ-Produkten eingesetzt werden, dürfen nur langsam laufende Maschinen/Geräte mit Absaugung verwendet werden,
  • Behältnisse zur Aufnahme der ausgebauten AZ-Produkte, der kontaminierten Befestigungsmittel, Bruchstücke und dergl.,
  • Transportmittel,
  • Sprühgerät, Staubbindemittel,
  • Industriestaubsauger (H-Sauger),
  • Abdeckfolien,Verbotsschilder,
  • Absperrmaterial.

5.16.2 Abbau von Dach-/Fassadenplatten

Folgende Vorkehrungen sind zu treffen:

  • geeignete Absturzsicherungen vorsehen, auf Dächern Laufstege und Absturzsicherungen nach innen berücksichtigen,
  • Benutzung von Atemschutz und Schutzanzug,
  • bei Arbeiten an Außenwandbekleidungen Planen oder Folien zum Auffangen von Bruchstücken auslegen und Bauwerksöffnungen im unmittelbaren Arbeitsbereich geschlossen halten,
  • unbeschichtete AZ-Platten an der bewitterten Oberfläche mit Staubbindemittel besprühen oder feucht halten,
  • entgegen der Einbaurichtung weitgehend zerstörungsfrei von Hand ausbauen, Nägel, Schrauben vorsichtig lösen, Nieten nur mit Absaugung aufbohren,
  • Platten nicht aus Überdeckungen oder über Kanten ziehen,
  • gelöste Platten gegen Abrutschen sichern,
  • ausgebautes Material nicht werfen, keine Schuttrutschen verwenden, mit Hebezeug vom Dach/Gerüst nach unten transportieren,
  • Material staubdicht verpacken (Big-Bags, Platten Big-Bags, PE-Folien),Verpackung kennzeichnen,
  • nach dem Abbau Unterkonstruktion/Gerüstlagen sorgfältig reinigen (raue Flächen absaugen, glatte Flächen feucht wischen),
  • bei Dacharbeiten nach Beendigung Dachrinnen reinigen und anschließend spülen, Spülwasser kann wie Abwasser entsorgt werden, falls keine örtlichen abwasserrechtlichen Bestimmungen dagegen stehen,
  • Arbeitsgeräte reinigen,
  • Schutzanzug und Atemschutz im Freien ablegen.

Für Arbeiten geringen Umfangs an Asbestzementplatten im Außenbereich (kleiner 100 m2) gelten die gleichen Schutzmaßnahmen, Erleichterung besteht nur durch die Möglichkeit einer "unternehmensbezogenen Anzeige".

5.16.3 Arbeiten in Innenräumen

Bei Arbeiten in Innenräumen ist auf bruch- und staubfreie Arbeitsmethoden besonders zu achten. Asbestzementprodukte dürfen im trockenen Zustand ausgebaut werden, falls sie nicht zerstört werden. Kann Bruch nicht vermieden werden, ist durch Nässen oder durch das Auflegen von feuchten Tüchern eine Staubfreisetzung weitgehend zu verhindern.

  • Bewegliche Gegenstände/Einrichtungen aus dem Raum entfernen.
  • Nicht entfernte und schwer zu reinigende Gegenstände/Einrichtungen abdecken (z. B. Teppichböden, Heizkörper).
  • Lüftungstechnische Anlagen außer Betrieb setzen.

Arbeitsräume dürfen während der Arbeiten und bis zum Abschluss der Reinigung nicht genutzt werden. Sie sind geschlossen zu halten. Nach Beendigung der Arbeiten ist eine sorgfältige Endreinigung und ein mehrfacher Luftwechsel durchzuführen. Können die Produkte zerstörungsfrei ausgebaut werden, kann auf Abschottungen und Freigabemessungen verzichtet werden, wenn

  • Öffnungen zu angrenzenden Räumen geschlossen gehalten werden,
  • unbeteiligte Dritte den Raum (Arbeitsbereich) vor Abschluss der Arbeiten (einschließlich Reinigung und Durchlüftung) nicht betreten,
  • der Arbeitsbereich nach Abschluss des Umgangs mit Asbest sorgfältig mit einem baumustergeprüften Staubsauger der Staubklasse "H" (Filter-Abscheidegrad 99,995 %) gereinigt und feucht gewischt wird. In Räumen mit einem Fußbodenbelag, der nicht feucht gewischt werden kann, muss der Fußboden vor Beginn der Arbeiten faserdicht abgeklebt werden, so dass eine Feuchtreinigung des abgeklebten Fußbodens nach den Arbeiten und vor Wiederbenutzung erfolgen kann.
  • Nach der Feuchtreinigung ist die Abklebung zu entfernen und der Fußbodenbelag mit einem baumustergeprüften Staubsauger zu reinigen und anschließend ein mehrfacher Luftwechsel durchzuführen.

Tritt beim Ausbau merklicher Bruch auf oder muss gebohrt oder geschnitten werden, ist im Arbeitsbereich zur Minimierung der Faserkonzentration ein Entlüftungsgerät einzusetzen und der Arbeitsbereich über eine 1-Kammerschleuse zu betreten bzw. zu verlassen. Für die Durchlüftung des Arbeitsbereiches ist ein mindestens 5-facher Luftwechsel pro Stunde vorzusehen.

Luftaustausch-/Unterdruckhaltegerät_1

Luftaustausch-/Unterdruckhaltegerät_2

Luftaustausch-/Unterdruckhaltegerät mit 3-stufigem Filtersystem und einer Luftleistung von 900 m3/h, Gewicht 24,0 kg, geeignet für kleinere Raüme (Quelle Deconta)

5.16.4 Ausbau von Rohrleitungen

Asbestzementrohre müssen möglichst von Hand zerstörungsfrei aus den Steckverbindungen gezogen und ausgebaut werden.
Muss die Rohrleitung getrennt werden, sind langsam laufende oder grob spannende Sägen zu verwenden, z. B. Kettenschneider (s. Abschnitt 7.3 ). Die Schnittstellen sind mit Staubbindemittel zu behandeln, die ausgebauten Rohre und Abfallstücke staubdicht zu verpacken.
Erdverlegte und erdfeuchte Rohre dürfen auch maschinell ausgebaut und verladen werden. Nach dem Ausbau sind sie bei einer Zwischenlagerung mit einer Folie staubdicht abzudecken. Soweit beim maschinellen Ausbau Rohre zertrümmert/gebrochen werden müssen, ist durch eine Erdüberdeckung eine Staubfreisetzung zu verhindern.

5.17 Instandhaltungsarbeiten
(TRGS 519 Nr. 16)

Die speziellen Regelungen für Instandhaltungsarbeiten beschreiben besondere technische Maßnahmen mit dem Ziel, möglichst eine Asbestfaserkonzentration von 15.000 F/m3 zu unterschreiten. Die Vorbemerkung lässt erkennen, dass nicht Verfahren geringer Exposition beschrieben werden, sondern Minimierungsmaßnahmen mit der Vorgabe, dieses Ziel möglichst zu erreichen. Eine Bestätigung durch Ermittlungsergebnisse liegt nicht vor.
Für bestimmte kleinere Instandhaltungsarbeiten an Asbestzementprodukten, an Dichtungen und Packungen sowie an Bremsanlagen und Kupplungen sind die beschriebenen Maßnahmen jedoch so konkret, dass auf persönliche Schutzmaßnahmen verzichtet werden kann, wenn die Arbeiten nur im Einzelfall ausgeführt werden.Werden die Arbeiten häufiger durchgeführt, gilt die Erleichterung nicht bzw. nur dann, wenn die Unterschreitung von 15.000 F/m3 durch Ermittlungen nachgewiesen ist (z. B. bei Anwendung geprüfter Verfahren).
Die unterschiedliche Behandlung mag etwas unverständlich erscheinen. Dahinter verbirgt sich jedoch die kumulative Dosiswirkung von Asbest.

Instandhaltungsarbeiten an Asbestzementprodukten bzw. geringfügige Arbeiten an AZ-Produkten können z. B. sein:

  • der Ausbau einzelner defekter Platten einer Dachdeckung oder Außen-Wandbekleidung,
  • das Anbringen, Durchführen oder Entfernen einzelner Befestigungen, Masten oder Dachständern,
  • der Ausbau einzelner Platten zur Wartung oder Instandhaltung darunter liegender Bauteile,
  • das Abwaschen oder Beschichten von Außenwandflächen.

Im Zuge von Wartungs- oder Instandhaltungsarbeiten ausgebaute und unbeschädigte AZ-Produkte dürfen wieder eingebaut werden, wenn dies ohne Beschädigung oder Bearbeitung möglich ist.

Instandhaltungsarbeiten sind in der Regel vom Umfang her kurzzeitige Tätigkeiten, die mitunter sehr kurzfristig durchgeführt werden müssen.
Bei Inanspruchnahme der Erleichterungen ist Vorsorge zu treffen, dass Personen und Nachbarbereiche nicht gefährdet werden. Dies bedeutet eine sorgfältige Arbeitsplanung. Dabei sind vornehmlich folgende Maßnahmen und Überlegungen einzubeziehen:

  • Arbeitsstelle bzw. Umgebung z. B. durch Folien abdecken; ggf. Kleinabschottung vorsehen,
  • Türen/Fenster im unmittelbaren Arbeitsbereich geschlossen halten,
  • Staubfreisetzung durch Befeuchten oder durch penetrierende Flüssigkeiten weitgehend verhindern bzw. Staub direkt mit H-Sauger absaugen,
  • Keine schnelllaufenden Maschinen/Geräte verwenden,
  • Möglichst zerstörungsfrei ausbauen,
  • Arbeitsstelle vor Freigabe sorgfältig reinigen.

Die Praxis zeigt, dass gerade bei kurzzeitigen und gelegentlichen Tätigkeiten mit Asbest eine gewisse Sorglosigkeit zu beobachten ist. Nachdrücklich muss deshalb daran erinnert werden, dass auch in diesen Fällen eine hohe Faserfreisetzung zu einer Gefährdung führen kann.

 

Webcode: M169-7


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