BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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2 Asbest

2.1 Asbestminerale, Vorkommen

Asbeste sind natürliche, mineralische Rohstoffe, die bereits vor ca. 4000 Jahren aufgrund ihrer Eigenschaften z. B. für feuerfeste Lampendochte,Totenhemden und bruchsichere Keramiken verwendet wurden. Mineralogisch handelt es sich um faserförmige, silikatische Mineralien, die aus Magnesium und eisenhaltigen magmatischen Ausgangsgesteinen über komplizierte Reaktionsmechanismen unter hohem Druck und bei hohen Temperaturen entstanden sind.

Asbestbergwerk auf Zypern

Asbestbergwerk auf Zypern (Trodos-Gebirge, von 1904 – 1988). Jahresproduktion zwischen 20.000 t und 40.000 t pro Jahr.

Je nach der mineralischen Zusammensetzung des Ausgangsgesteins wird unterschieden zwischen der

  • Serpentin- und der
  • Amphibolgruppe.
Amphibolasbest

Krokydolith-Fasern (Amphibolasbest)

Serpentinasbest

Chrysotilasbest-Fasern (Serpentinasbest)

Wichtigster, das heißt der am häufigsten vorkommende und verarbeitete Asbest aus der Gruppe der Serpentine ist das Magnesiumsilikat Chrysotil, das auch unter dem Namen Weißasbest bekannt ist.

Aus der Gruppe der Amphibole sind die wichtigsten Vertreter das Natriumsilikat Krokydolith, auch Blauasbest genannt, und das Magnesiumeisensilikat Amosit (Braunasbest). Von den in Deutschland technisch genutzten Asbesten entfallen 94 % auf den Weißasbest (Chrysotil) und ca. 4 % auf den Blauasbest Krokydolith. Der Rest verteilt sich auf Amosit und Anthophyllit, ebenfalls Asbestminerale der Amphibolgruppe.

Die Fasern von Chrysotilasbest sind elastisch, lang und lassen sich gut verspinnen. Amphibolasbestfasern sind dagegen spröde, brüchig und schwer verspinnbar.

Die größten Asbestvorkommen befinden sich in Russland (Chrysotil, Anthophyllit), Kanada (Chrysotil), Südafrika (Chrysotil, Amosit, Krokydolith) und China (Chrysotil).

Der Asbestanteil im Muttergestein von abbauwürdigen Lagerstätten liegt im Allgemeinen zwischen 4 % und 10 %. Die Aufbereitung des "Asbesterzes" erfolgt zunächst durch Aufspalten und Zermahlen. Anschließend werden die feinen Asbestfasern herausgefiltert (Windsichten).

Aufgrund des allgemeinen Rohstoffmangels im Ersten Weltkrieg versuchte man auch in Sachsen und Thüringen Chrysotilasbest abzubauen und kommerziell zu nutzen. So förderten die Deutschen Asbestbergwerke in den Jahren 1916 bis 1930 in Thüringen insgesamt 1930 Tonnen Asbest. Die Aufbereitung des im Tagebau gewonnenen Asbestmaterials erfolgte in einem Asbestwerk bei Dresden. Da der Asbestanteil im Muttergestein sehr gering war, wurde der Asbestabbau kurze Zeit später eingestellt. Auch anfängliche Überlegungen Mitte des Zweiten Weltkrieges, die Gewinnung wieder aufzunehmen, wurden aus wirtschaftlichen Gründen fallen gelassen.

2.2 Eigenschaften

Asbeste weisen eine Reihe hervorragender chemischer und physikalischer Eigenschaften auf. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Faserstruktur,
  • geringe Dichte,
  • hohes Elastizitätsmodul,
  • geringe thermische und elektrische Leitfähigkeit,
  • hohe Hitzebeständigkeit,
  • gute chemische Resistenz gegenüber Säuren (Krokydolith) und Laugen (Chrysotil),
  • Alterungsbeständigkeit.

Die vielseitigen Eigenschaften haben dazu geführt, dass Asbest in allen Bereichen und schätzungsweise in ca. 4.000 Produkten verwendet worden ist.

2.3 Verwendung

Während Asbest bereits Ende des 19. Jahrhunderts z. B. zur Herstellung von Flachdichtungen oder Stopfbuchspackungen verwendet oder zu Kordeln, Schnüren und Tüchern geflochten oder verwebt worden ist, kam es zu einer wesentlichen Ausweitung der Asbestverwertung mit der Erfindung des Asbestzements durch den Österreicher Ludwig Hatschek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er stellte fest, dass sich Asbest, Zement und Wasser zu einem Brei vermischen ließen, der sehr leicht formbar war und die ausgeformten Produkte nach Lufttrocknung sehr witterungsbeständig waren. Hatschek prägte den Namen Eternit für seine Asbestzement-Platten und ließ ihn patentrechtlich schützen. In den Folgejahren versuchten sich weitere Firmen in der Asbestzementproduktion.

1929 wurde die Deutsche Asbestzement-Gesellschaft in Berlin (Urzelle von Eternit) gegründet. Die Produktionspalette umfasste Rohre, gewellte und ebene Tafeln, kleinformatige Platten und Formstücke ohne Beschichtung. Der Import von Rohasbest unterlag keiner Beschränkung. In den Jahren von 1937 bis 1945 erfolgte eine Bewirtschaft des Rohasbests zu Gunsten der Rüstungsindustrie. Wegen Devisenmangels musste von 1945 bis 1948 der Import von Rohasbest weitgehend eingestellt werden. Fehlender Rohstoff zwang auch Eternit von 1939 bis 1949, die Produktion einzustellen. Die Wiederaufnahme der Produktion erfolgte 1950. Nach bescheidenen Anfängen erfolgte eine sehr rasante Produktionssteigerung. Von 1970 bis 1979 betrug der Import von Rohasbest in der alten Bundesrepublik jährlich ca. 180.000 Tonnen, davon wurden etwa 70 % für die Asbestzementproduktion verwendet. Etwa 10 % dienten zur Herstellung von schwach gebundenen Produkten und der Rest für sonstige Anwendungsgebiete.

Nicht ganz so rasant und etwas zeitversetzt verlief der Asbestverbrauch in der DDR (s. Abbildung im Abschnitt 3.2). Auch hier wurde Asbest vornehmlich zu Asbestzementprodukten verarbeitet. Spritzasbestisolierungen wurden bis auf wenige Ausnahmen fast nicht ausgeführt.
Markantestes Beispiel war der Palast der Republik (1975/76). Eine Ausnahmeregelung erlaubte hier überhaupt noch die Verwendung von Spritzasbest, nachdem die Verwendung bereits seit 1969 verboten war. Auch wurden in der DDR keine asbesthaltigen Bodenbeläge eingebaut.
Asbestzement – oder fest gebundene Produkte – haben einen Asbestanteil von ca. 15 % und ein Raumgewicht von in der Regel mehr als 1,4 g/cm3. Bei schwach gebundenen Produkten liegen der Asbestanteil meist über 60 % und das Raumgewicht unter 1,0 g/cm3.

Schwach gebundene Asbestprodukte in Gebäuden wurden hauptsächlich verwendet als

  • Spritzasbest oder asbesthaltiger Spritzputz,
  • asbesthaltiger Leichtmörtelputz,
  • Asbestmatten, Asbestpappen,
  • asbesthaltige Leichtbauplatten,
  • Asbestmassen in loser Form für Verstopfmassen,
  • asbesthaltige Dichtungsschnüre,
  • asbesthaltige Kordeln, Schnüre, Gewebe, Schaumstoffe.

Schwach gebundene Asbestprodukte dienten im Wesentlichen zu Brand-, Wärme- und Schallschutzmaßnahmen

Darüber hinaus wurden schwach gebundene Produkte auch verwendet als

  • Bodenbeläge mit filzpappeähnlicher Asbestunterlage (CV-Beläge),
  • Lüftungskanäle aus Leichtbauplatten,
  • Brandschutzklappen und Füllungen in Brandschutztüren,
  • Schutzvorhänge,
  • Einlagen in Rohrschellen,
  • Teile von Nachtstromspeicherheizgeräten.

Die Produktpalette von Asbestzementprodukten umfasste vornehmlich

  • Dacheindeckungen (gewellte und ebene Platten),
  • Fassadenverkleidungen,
  • Rohre für alle Bereiche des Tief- und Hochbaus,
  • Lüftungsrohre und Abgaskamine (Gasheizungen),
  • Gartenartikel wie Blumenkästen,
  • Fensterbänke.
Palast der Republik

Palast der Republik

Auch bauchemischen Produkten wurden Asbestfasern zugesetzt.
So zum Beispiel

  • Bitumen-, Dach- und Dichtungsbahnen,
  • Fußbodenbelägen (Flex-Platten),
  • Dichtungskitten (z. T. auch Fensterkitten),
  • Fugenmassen,
  • Spachtel- und Vergussmassen,
  • Anstrichmitteln, Korrosionsschutzanstrichen (Wasserbau),
  • Klebstoffen auf Harz- und Bitumenbasis.

Asbesthaltige Bodenbeläge hatten in den siebziger Jahren einen Marktanteil von etwa 20 %. Die verschiedenen Belagstypen weisen folgende Merkmale auf:

  • Vinyl-Asbest-Fliesen oder Flex-Platten: meist grau oder braunmelierte, quadratische, glatte Einzelplatten ohne Trägerschicht, die ca. 15 % Asbest in festgebundener Form enthalten. Schwarzbraune Bitumenkleber, die hier häufig verwendet wurden, können ebenfalls asbesthaltig sein. Soll neben den Platten auch die – möglicherweise asbesthaltige – Bitumenkleberschicht entfernt werden, sind spezielle Schutzmaßnahmen zu treffen.
  • Cushion-Vinyl-Beläge: geschäumte PVC-Bahnenware, die auf der Unterseite (Trägerschicht) mit weißer oder hellgrauer Asbestpappe beschichtet sind. Die meist nur einen Millimeter starke Asbest-Trägerplatte besteht zu ca. 90 % aus schwach gebundenem Asbest, meist gepresstem Weißasbest (Chrysotil). 1982 wurde die Verwendung dieser Platten vom Gesetzgeber verboten. Nicht verwechseln darf man Cushion-Vinyl-Beläge mit PVC-Fußbodenbelägen aus den 60er Jahren, die als Rückseite einen ca. 5 mm starken hellbraunen Jutefilz aufweisen. Dieser ist asbestfrei.
  • Asbest-Tiles: Die auch als "Asbesthartfliesen" bezeichneten Platten auf Asbest- oder Bitumenbasis sind stark mit dem Untergrund verhaftet. Sie sind spröde und leicht brüchig.

Prozentuale Verwendung des Rohasbestes

Produktbezogen verteilte sich der eingeführte Rohasbest in den 70er Jahren auf:

  • Asbestzement zu ca. 70 %;
  • Brems- und Kupplungsbeläge zu ca. 5 %;
  • Fußbodenbeläge zu ca. 8 %;
  • Textilien zu ca. 3,5 %:
    Gewebe,
    Schutzkleidung,
    Schnüre,
    Schläuche;
  • Bautechnisch Produkte zu ca. 6 %:
    Bitumen-, Dach- und Dichtungsbahnen,
    Kittmassen,
    Spachtel- und Vergussmassen,
    Feuerschutzmittel,
    Unterbodenschutz;
  • Sonstiges zu ca. 3,5 %:
    Hochdruckdichtungen,
    Pappen und Papiere,
    Filtermaterialien,
    Formmassen,
    Straßendeckschichten.

 

Webcode: M169-4


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