BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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12 Abbau von Asbestzementprodukten (Beispiel)

Im Folgenden werden noch einmal die Maßnahmen beim Entfernen von Asbestzementprodukten zusammenfassend dargestellt und Hinweise für die Praxis gegeben.

Das Risiko einer hohen Faserfreisetzung ist bei sachgerechtem Umgang mit Asbestzementprodukten ungleich geringer als bei schwach gebundenen Asbestprodukten. Asbestzementprodukte haben einen geringen Asbest- und hohen Bindemittelanteil. Das Verhältnis beträgt etwa 15 % zu 85 %; ihr Raumgewicht liegt über 1.400 kg/m3. In Asbestzementprodukten sind die Asbestfasern im Allgemeinen ausreichend fest eingebunden und werden nur bei mechanischen Einwirkungen freigesetzt. Eine Bewertung bzw. Sanierung dieser Produkte ist nicht erforderlich. Infolge des unterschiedlichen Gefährdungsrisikos ist auch der Umfang der Schutzmaßnahmen geringer.

So unterscheidet die Technische Regel (TRGS 519 ) sehr wohl und bewusst zwischen den beiden Hauptverwendungsarten.

Allerdings gilt auch für AI-Arbeiten mit AZ-Produkten, dass die arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften in enger Verbindung mit der Umwelt gesehen werden müssen, um nicht Dritte einer ungewollten passiven Asbestfeinstaubbelastung auszusetzen.

Die für Asbestzementprodukte zu beachtenden Forderungen können in einer groben Gliederung in

  • allgemeine Anforderungen,
  • bauvorbereitende und organisatorische Maßnahmen,
  • Baudurchführung,
  • Abfallbehandlung

eingeteilt werden.

12.1 Allgemeine Anforderungen

Ein wirtschaftlicher, störungsfreier und sicherer Ausbau von Asbestzementprodukten setzt – wie bei Sanierungsarbeiten mit schwach gebundenen Produkten – eine sorgfältige Planung der Arbeiten voraus. Bei allen Überlegungen muss es das Ziel sein, die Freisetzung von Asbestfasern so gering wie möglich zu halten. Dazu müssen alle technischen Möglichkeiten zur Faserminimierung umfassend genutzt werden. Dies setzt voraus, dass in Abhängigkeit vom Umfang und der Art der Arbeit die notwendigen technischen Arbeitsmittel vorhanden sind.
Dazu gehören z. B.:

  • geeignetes Handwerkzeug zum Lösen der Befestigungen,
  • soweit Handmaschinen eingesetzt werden, langsam laufende Geräte mit Absaugung,
  • Sprühgeräte, Staubbindemittel,
  • Industriestaubsauger der Staubklasse "H" mit Prüfzeugnis,
  • Abdeckfolien, Verbotsschilder,
  • geeignete Behältnisse zur Aufnahme der ausgebauten AZ-Produkte, der Befestigungsmittel und Bruchstücke, der verbrauchten persönlichen Schutzausrüstungen

und zusätzlich bei Arbeiten in Innenräumen

  • Luftaustauschgerät,
  • Ein-Kammer-Personenschleuse,
  • Abschottungsmaterial.

Neben den technischen Arbeitsmitteln muss auch ausreichend qualifiziertes Personal vorhanden sein. Dies beinhaltet, dass den eingesetzten Mitarbeitern die Gefährdung und die Schutzmaßnahmen bekannt sind. Um möglichst wenige Personen zu gefährden, ist der Personaleinsatz auf ein Mindestmaß zu reduzieren.

Für die Überwachung der Arbeiten vor Ort, muss eine sachkundige Aufsichtsperson vorhanden sein. Ein Aufsichtführender gilt nur dann als sachkundig, wenn die erfolgreiche Teilnahme an einem behördlich anerkannten Sachkundelehrgang nachgewiesen werden kann (Prüfzeugnis).
Entsprechende Lehrgänge für Abbruch- und Instandhaltungsarbeiten an Asbestzementprodukten dauern 2 Tage und enden mit einer Prüfung. Sie werden von verschiedenen privaten Lehrgangsträgern angeboten.

12.2 Bauvorbereitende und organisatorische Maßnahmen

12.2.1 Mitteilung

Der Beginn von Abbruch- und Instandhaltungsarbeiten an Asbestzementprodukten ist rechtzeitig und mindestens 7 Tage vor Arbeitsaufnahme der für den Ort der Arbeiten zuständigen Arbeitsschutzbehörde und der zuständigen Berufsgenossenschaft schriftlich mitzuteilen. Die Mitteilung ist auch dem Betriebs- oder Personalrat vorzulegen. Mit der Mitteilung soll der Behörde/Berufsgenossenschaft die Möglichkeit gegeben werden, gegebenenfalls noch Nachbesserungen bei den Arbeiten zu verlangen.

Der Eingang der Mitteilung wird nicht bestätigt. Soweit keine Reaktion auf die Mitteilung erfolgt, kann mit den Arbeiten zum geplanten Zeitpunkt begonnen werden. Kann die 7-Tagesfrist aus dringenden Gründen nicht eingehalten werden, kann die Behörde (Gewerbeaufsicht/Arbeitsschutzämter) einer Fristverkürzung zustimmen. In der TRGS wurde bewusst die Formulierung "Zustimmung" gewählt, da im Arbeitskreis nicht gewollt war, eine notwendige Fristverkürzung mit einer kostenpflichtigen Ausnahmeregelung zu verbinden. So werden Fristverkürzungen in der Praxis inzwischen sehr unterschiedlich gehandhabt, zum einen formell und kostenpflichtig, während sie zum anderen bei stichhaltigen Gründen zustimmend zur Kenntnis genommen werden.

Die Mitteilung ist für jede Baumaßnahme neu zu erstellen (Objektbezogene Mitteilung). Eine einmalige unternehmensbezogene Mitteilung bei Tätigkeiten mit Asbestzementprodukten ist nur vorgesehen

  • im Falle von Tätigkeiten mit geringer Exposition,
  • wenn Instandhaltungsarbeiten nach Nr. 16 der TRGS an Asbestzementprodukten durchgeführt werden und
  • bei Tätigkeiten "geringen Umfangs" an AZ-Produkten.

Zu beachten ist, dass die Definition für "Arbeiten geringen Umfangs" bei Tätigkeiten mit AZ-Produkten nur für das Entfernen von Asbestzementplatten im Außenbereich gilt (bei einer Fläche von weniger als 100 m2) und auch in diesen Fällen die Maßnahmen nach Nr. 15.2 der Techn. Regel einzuhalten sind. "Unternehmensbezogene Mitteilungen" gelten unbefristet, solange sich das Arbeitsverfahren, die Schutzmaßnahmen oder die sachkundige Aufsichtsperson nicht ändern. Werden wesentliche Änderungen vorgenommen, ist die Mitteilung zu wiederholen.

Erfolgt für "Arbeiten geringen Umfangs" eine unternehmensbezogene Mitteilung, müssen bei Ausführung der Arbeiten zusätzlich Ort und Zeit ergänzend nachgereicht werden (Formular Anhang ). Dies ist nicht erforderlich, bei unternehmensbezogenen Mitteilungen im Falle von Tätigkeiten mit geringer Exposition oder wenn es sich um Instandhaltungsarbeiten handelt.

Durch die ergänzende Meldung von Ort und Zeit bei "Tätigkeiten geringen Umfangs" wird häufig in Frage gestellt, ob unter diesen Umständen unternehmensbezogene Mitteilungen überhaupt noch von Vorteil sind. Die Skepsis ist verständlich, doch liegt der wesentliche Vorteil darin, dass bei der ergänzenden Meldung die 7-Tagesfrist nicht eingehalten werden muss.

12.2.2 Gefährdungsbeurteilung und Arbeitsplan

Die Gefährdungsbeurteilung hat zum Ziel, das mit den Arbeiten verbundene Gefährdungspotential aus dem Gefahrstoff und der Tätigkeit rechtzeitig zu erfassen, zu bewerten und darauf aufbauend, die Schutzmaßnahmen festzulegen. Dabei sind neben dem Normalbetrieb auch mögliche Betriebsstörungen, Unfälle und Notfälle zu berücksichtigen.

Die Gefährdungsbeurteilung darf nur von einer fachkundigen Person durchgeführt werden. Die notwendige Qualifikation ist nicht formell vorgeschrieben. Sie ergibt sich aus der Art der Tätigkeit. Ist der Arbeitgeber nicht in der Lage, die Risiken ausreichend zu bewerten, muss er sich ggf. fremder Personen bedienen. Als fachkundige Personen gelten im Übrigen der Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist zu dokumentieren (schriftlich) und bei maßgeblichen Änderungen zu aktualisieren. Unter "maßgeblicher Änderung" wird ein Zustand verstanden, bei dem veränderte Arbeitsbedingungen Auswirkungen auf den Grad der Gefährdung haben. Die Gefährdungsbeurteilung ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Beurteilung der Arbeitsbedingungen und zur Festlegung angemessener Schutzmaßnahmen. Aufgrund der zentralen Bedeutung kann die Arbeitsschutzbehörde die Arbeiten untersagen, wenn keine Gefährdungsbeurteilung vorliegt.

Neben der Gefährdungsbeurteilung wird bei Asbestarbeiten zusätzlich ein Arbeitsplan verlangt.
Zwischen dem Arbeitsplan und der Gefährdungsbeurteilung bestehen zweifellos Parallelen. Mit dem Arbeitsplan soll erreicht werden, alle über die Gefährdungsbeurteilung hinausgehenden Maßnahmen und Schutzeinrichtungen zur Abwicklung der gesamten Arbeiten rechtzeitig zu überdenken und vorzuplanen. Die Baustelleneinrichtung, die Beschreibung des Arbeitsablaufs und des Arbeitsverfahrens, technische und persönliche Schutzmaßnahmen, die Abfallbehandlung und Pausenregelungen sind dabei ebenso zu berücksichtigen wie Angaben zur Freigabe der Arbeitsstätte. Mit der Gesamtplanung sollen Improvisationen vor Ort vermieden werden.

Die zum Schutz der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten festgelegten Maßnahmen müssen nach der Umsetzung regelmäßig auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Darüber hinaus ist eine kontinuierliche Verbesserung der Schutzmaßnahmen anzustreben.

Zum Inhalt der Gefährdungsbeurteilung und des Arbeitsplanes herrschen in der Praxis zum Teil unterschiedliche Vorstellungen. Um den Arbeitgebern eine Hilfestellung zu geben, wurden deshalb die Anlagen 1.4 und 1.5 zur TRGS 519 (siehe Anhang, Formulare 4 und 5 ) erarbeitet. Zur Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung und des Arbeitsplanes empfiehlt es sich, sich dieser Anlagen zu bedienen. Die ergänzenden Angaben sind nur erforderlich bei umfangreichen Arbeiten mit schwach gebundenen Produkten. In allen anderen Fällen kann die Anlage zur Gefährdungsbeurteilung herangezogen und mit dem Arbeitsplan verbunden werden.Voraussetzung für die richtige Anwendung der Anlage ist, dass man sich mit dem Inhalt der TRGS 519 genau vertraut macht, die Anforderungen konsequent umsetzt und bei Abweichungen ergänzende Angaben festlegt.

12.2.3 Betriebsanweisung und Unterweisung

Ausgangspunkt für die Information der Beschäftigten ist die Betriebsanweisung. Mit der Betriebsanweisung sollen den Beschäftigten die Gefahren bewusst gemacht und die Schutzmaßnahmen aufgezeigt werden. Sie "übersetzt" die an die Beschäftigten gerichteten Informationen, z. B. aus der Gefährdungsbeurteilung, für die Arbeit. Die Betriebsanweisung ist schriftlich und in einer für die Beschäftigten verständlichen Form und Sprache zugänglich zu machen. "Zugänglich" bedeutet, dass die Beschäftigten jederzeit Einsicht nehmen können, d. h., sie muss an der Arbeitsstätte ausliegen oder aushängen.

Bei Betriebsanweisungen handelt es sich um verbindliche Anordnungen und Verhaltensregeln des Arbeitgebers zum Schutz der Beschäftigten vor Unfall- und Gesundheitsgefahren. Es ist wichtig, unter Beachtung der Qualifikation der Beschäftigten, die Maßnahmen konkret und praxisgerecht zu übermitteln. So ist z. B. die Aussage "Atemschutz tragen" wenig hilfreich, wenn der Maskentyp nicht konkret benannt wird. Auch Betriebsanweisungen müssen bei maßgeblichen Änderungen aktualisiert werden. Eine Änderung der Gefährdungsanalyse wird in der Praxis auch zu einer Aktualisierung der Betriebsanweisung führen.

Die Betriebsanweisung ist auch Grundlage für die Unterweisung der Beschäftigten. Die Unterweisung gehört zu den wirksamsten Instrumenten, um die mit dem Gefahrstoff verbundene Gefährdungssituation zu verdeutlichen und die Notwendigkeit der Maßnahmen zu erklären. Die Informationen, Anweisungen und Erläuterungen sollen auch dazu beitragen, die Akzeptanz bei der Anwendung der Schutzmaßnahmen zu erhöhen und zur sensiblen Mitarbeit beitragen.

Die Unterweisung soll auch eine "arbeitsmedizinisch-toxikologische" Beratung beinhalten. Bei dieser etwas hoch angesetzten Formulierung geht es vornehmlich darum, auf die gesundheitsschädigende Wirkung von Asbest einzugehen, insbesondere auch auf die verstärkende Wirkung des Rauchens, die Berufskrankheiten kurz zu erläutern sowie Sinn, Zweck und Möglichkeiten der arbeitsmedizinischen Vorsorge zu erläutern. Die Beratung kann durchaus vom Unternehmer selbst vorgenommen werden, wenn er sich zu den Punkten vorab und z. B. anhand der Broschüre informiert. Gegebenenfalls kann er sich auch vom Betriebsarzt beraten lassen.

Prinzipiell gilt für Unterweisungen, dass sie

  • erstmals vor Beginn der Arbeiten und
  • mindestens einmal jährlich

durchzuführen sind.

Bei veränderten Arbeits- oder Gefährdungsbedingungen muss sie angepasst und ggf. wiederholt werden. Inhalt und Zeitpunkt der Unterweisung sind schriftlich festzuhalten und von den Unterwiesenen durch Unterschrift zu bestätigen. Der Nachweis ist bis zur nächsten Unterweisung aufzubewahren.

12.2.4 Arbeitsmedizinische Vorsorge

Da auch bei Tätigkeiten an Asbestzementprodukten mit einer Asbestfaserbelastung gerechnet werden muss, werden arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen als Pflicht- oder Angebotsuntersuchungen verlangt.

Vorsorgeuntersuchungen dienen zur Früherkennung von Gesundheitsstörungen und Berufskrankheiten und zur Beratung der Beschäftigten über die mit der Tätigkeit verbundenen Gesundheitsgefährdung. Aus den Ergebnissen können auch Empfehlungen zur Verbesserung der Schutzmaßnahmen resultieren. Einzelheiten zu Pflicht- und Angebotsuntersuchungen siehe Abschnitt 5.11 .

In der Praxis wird bei Tätigkeiten mit Asbestzementprodukten von einer Überschreitung des 15.000-Faserwertes ausgegangen, weshalb die Vorsorgeuntersuchungen verpflichtend sind. Liegt die Faserkonzentration nachweislich darunter, wie z. B. bei Anwendung von Arbeitsverfahren geringer Exposition, hat der Arbeitgeber die Untersuchungen den Beschäftigten anzubieten. Da bei Nichteinhaltung der Asbestfaserkonzentration von 15.000 F/m3 auch Atemschutz zu tragen ist und bei Verwendung von Atemschutz ebenfalls Vorsorgeuntersuchungen vorgeschrieben sind, werden die Asbest- und Atemschutzvorsorgeuntersuchungen in der Regel gemeinsam organisiert und durchgeführt.

Um bei den Untersuchungen eine Gleichbehandlung aller Probanden zu gewährleisten, erfolgen sie nach einheitlichen Grundsätzen und zwar bei Asbestexposition nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 1.2 (Mineralischer Staub,Teil 2: Asbesthaltiger Staub) und bei Verwendung von Atemschutz nach G 26 (Atemschutzgeräte). Bei den Untersuchungen wird vom Arzt eine Untersuchungsbescheinigung ausgestellt, aus der hervorgeht, ob gegen die Beschäftigung gesundheitliche Bedenken bestehen. Im Falle von Pflichtuntersuchungen ist diese Bescheinigung dem Arbeitgeber vorzulegen, damit sich dieser danach richten kann. Eine Verpflichtung zur Vorlage der Untersuchungsbescheinigung besteht nicht bei Angebotsuntersuchungen. Es empfiehlt sich aber, den Arbeitgeber zu informieren.

12.3 Baudurchführung

12.3.1 Persönliche Schutzausrüstung und hygienische Anforderungen

Solange nicht nachgewiesen ist, dass bei Abbruch- oder Instandhaltungsarbeiten die Asbestfaserkonzentration unterhalb von 15.000 F/m3 liegt, sind neben den üblichen persönlichen Schutzausrüstungen wie Schutzschuhen und dergl.

  • Halbmasken mit P2-Filter oder partikelfiltrierende Halbmasken FFP2 sowie
  • Ein- oder Mehrwegschutzanzüge

zu tragen.

Absaugen der Arbeitskleidung

Absaugen der Arbeitskleidung

Absaugen der oberen Gerüstlage

Absaugen der oberen Gerüstlage

Besprühen der Platten mit staubbindendem Mittel

Zu den hygienischen Mindesteinrichtungen gehören

  • Wasch-/Duschmöglichkeiten,
  • Einrichtungen zur getrennten Aufbewahrung der Straßen- und Arbeitskleidung.

Um eine Faserverschleppung in Aufenthaltsräume zu vermeiden, sind Schutzanzüge und Atemschutzmasken nach Möglichkeit im Freien abzulegen.

12.3.2 Maßnahmen beim Abbau von Dach- oder Fassadenplatten

Bei unbeschichteten Dach- oder Faserplatten besteht die Gefahr, dass unmittelbar an der Oberfläche haftende Asbestfasern infolge der Verwitterung nur mehr eine geringe Bindung aufweisen und schon bei geringer Beanspruchung freigesetzt werden. Um dies zu vermeiden, sind die Platten während der Arbeit feucht zu halten oder mit staubbindendem Mittel zu besprühen.

Das Annässen der Oberfläche mit drucklosem Sprühstrahl ist bei Dächern wegen der Rutschgefahr nicht unproblematisch und im Übrigen nur bedingt wirksam. Es ist in jedem Fall wirkungsvoller und auch wirtschaftlicher, die Platten mit staub- oder faserbindendem Mittel zu besprühen. Geeignet sind die meisten Stein- oder Putzverfestiger. Die Sprühmittel können mit jeder Gartenspritze aufgebracht werden, sie müssen schnell einziehen und abtrocknen und dürfen bei Dächern nicht zur Rutschgefahr führen.

Bei frei zugänglichen Hallen können die Dachplatten ggf. unter Verwendung einer Hubarbeitsbühne auch von innen abgenommen werden. Das Dach wird abschnittsweise an der Oberfläche mit einem Sprühstrahl genässt oder mit einem Staubbindemittel behandelt. Anschließend werden mit einer Bolzenschere die Befestigungen innen abgezwickt und die Platten nach innen abgehoben.

Abnehmen der Dachplatten von einer Hubarbeitsbühne aus

Abnehmen der Dachplatten (von innen) von einer Hubarbeitsbühne aus

Bei beschichteten Asbestzementprodukten ist eine Oberflächenbehandlung mit Wasser oder Staubbindemittel nicht erforderlich, wenn die Beschichtung noch in gutem Zustand und nicht großflächig abgewittert ist. Wird mit Wasser genässt, kann dieses wie Regenwasser abgeleitet werden. Dachrinnen sind nach dem Arbeiten zu spülen.

Die größte Faserfreisetzung erfolgt beim Zertrümmern der Asbestzementprodukte. Diese Arbeitsweise ist unzulässig, ebenfalls das Abwerfen oder die Verwendung von Schuttrutschen. Stattdessen sind die Befestigungen zu lösen, die Platten Zug um Zug abzunehmen, von Hand oder mit Hebezeugen vorsichtig zu transportieren und in Transportbehälter (Big-Bags) zu verpacken. Die Behälter sind zu kennzeichnen.

Unvermeidbare Bruchstücke, Befestigungen, Dichtungsschnüre und sonstige Kleinteile müssen ebenfalls in staubdichten und gekennzeichneten Behältern eingesammelt werden.

Gewöhnlich sind Asbestzementplatten mit Schrauben oder Nägeln und in Ausnahmefällen mit Nieten befestigt.

Lösen der Befestigungen mit einer Armierzange

Lösen der Befestigungen mit einer Armierzange

Das Herausdrehen der Schrauben ist im Allgemeinen problemlos möglich. Dies gilt auch für Nägel. Sie können meist mit einer einfachen und etwas nachgeschärften Armierzange gezogen werden. Größere Umstände bereiten lediglich Nieten. Sie müssen aufgebohrt werden, wobei der Bohrstaub mit Sauggeräten abgesaugt werden muss. Zum Absaugen des Bohrstaubes dürfen nur behördlich oder berufsgenossenschaftlich zugelassene Industriestaubsauger der Staubklasse "H" (früher K1) verwendet werden.

Natürlich schließt ein zerstörungsfreier Ausbau nicht aus, dass gelegentlich Platten ungewollt zu Bruch gehen oder vereinzelt aus der Befestigung herausgebrochen werden müssen. Dies ist kaum vermeidbar, darf aber nicht zur planmäßigen Zerstörung oder Zertrümmerung führen.

Einsammeln von Bruchstücken

Einsammeln von Bruchstücken

Bei Arbeiten an Außenwandbekleidungen ist zum Auffangen etwa herabfallender Bruchstücke das Gelände an der Gebäudewand mit einer Plane oder Folie auszulegen. Außerdem ist es notwendig, dass Fenster oder sonstige Bauwerksöffnungen im unmittelbaren Arbeitsbereich geschlossen gehalten werden.

Da Platten nicht aus der Überdeckung gezogen werden dürfen, um einen Faserabrieb zu vermeiden, sind sie bei Dächern entgegen der Verlegerichtung vom First zur Traufe und bei Wänden – falls überdeckt verlegt – von oben nach unten auszubauen. Dies gilt nicht für das Auswechseln einzelner Platten im Zuge von Instandhaltungsarbeiten. Sie dürfen – soweit unvermeidbar – vereinzelt auch aus Überdeckungen hervorgezogen werden.

12.3.3 Behandlung der Unterkonstruktion

Bei verkleideten Bauteilen ist nicht auszuschließen, dass die Unterkonstruktion wie Latten, Sparren, Pfetten, Schalungen geringfügig kontaminiert ist. Dies kann bereits beim Anbringen der Dach- oder Wandverkleidung passiert sein, insbesondere dann, wenn nicht vorkonfektionierte Produkte verwendet und z. B. die Platten angebohrt worden sind. Zwar bewirkt bei hinterlüfteten Bauteilen die Luftspülung eine natürliche Schadstoffverdünnung, doch verbleibt eine gewisse Unsicherheit. Zur Bindung oder Beseitigung etwa vorhandener Restfasern muss deshalb die Unterkonstruktion je nach Untergrund

  • mit zugelassenen Industriestaubsaugern abgesaugt oder
  • feucht abgewischt oder
  • mit staubbindendem Mittel besprüht

werden.

Absaugen von Staubablagerungen

Absaugen von Staubablagerungen

Der Ausbau der Unterkonstruktion und der Wärmedämmung ist in der Regel nicht erforderlich.

12.3.4 Ausbau von Asbestzementprodukten in Innenräumen

Beim Ausbau von Asbestzementprodukten in Innenräumen ist besonders behutsam vorzugehen. Die Produkte sind unter Beachtung der aufgezeigten Forderungen zerstörungsfrei auszubauen. Dabei müssen die Arbeitsräume geschlossen gehalten werden. Raumlufttechnische Anlagen sind selbstverständlich stillzulegen.

Nach Beendigung der Arbeiten ist eine gründliche Raumreinigung durchzuführen und – falls auf eine Freigabemessung verzichtet werden soll – ein mehrfacher Raumluftwechsel durchzuführen. Ist eine weitgehend bruchfreie Demontage nicht möglich, können in Abhängigkeit vom Grad der möglicherweise auftretenden Faserkonzentration weitergehende Maßnahmen erforderlich werden, z. B.

  • Abschottung des Raumes,
  • Absaugung der Raumluft/Luftaustausch,
  • Ein-Kammer-Schleuse.

In ungünstigen Fällen oder sensiblen Bereichen wie Schulen oder Kindergärten können auch Freigabemessungen erforderlich werden.

12.3.5 Abfallbehandlung

Asbestabfälle gelten als gefährliche Abfälle und unterliegen dem abfallrechtlichen Nachweisverfahren. Der Entsorgungsweg ist rechtzeitig mit der zuständigen Abfallbehörde zu klären (Einzelheiten dazu s. Abschnitt 10.1 ).

Weiter ist es notwendig, sich nach den Deponieeinlagerungsbedingungen zu erkundigen, da die Annahmebedingungen nicht immer gleich sind. Nur so kann bereits an der Baustelle der Abfall so verpackt werden, dass er auch problemlos abgegeben und eingelagert werden kann. Da der Transport zur Deponie so erfolgen muss, dass keine Fasern freigesetzt werden, sollte immer die oberste Lage des verpackten Abfalls, z. B. auch in Big-Bags, satt mit Staubbindemittel besprüht werden, um eine Faserfreisetzung zu verhindern. Anstelle eines Staubbindemittels kann auch mit Wasser genässt werden, doch ist die Staubbindung mit Wasser weniger wirksam.

Vorsichtiges Beladen des Transportbehälters

Vorsichtiges Beladen des Transportbehälters

 

Webcode: M169-51


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