BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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11 Sanierung eines Gebäudes mit schwach gebundenen asbestprodukten (Beispiel)

In einem Gebäudetrakt eines mehrflügeligen und mehrgeschossigen Verwaltungsgebäudes waren aus Brandschutzgründen die Stahlträger mit Spritzasbest isoliert und die Stahlstützen mit Promasbestplatten verkleidet worden.
Nach der bautechnischen Untersuchung und Beurteilung des schwach gebundenen Asbestmaterials entschloss sich der Bauherr unverzüglich zu einer umfangreichen Sanierung.

Die Geschosse hatten eine Größe von ca. 650 m2. Nachdem der Gebäudetrakt wieder schnellstmöglich genutzt werden musste, wurde vom Auftraggeber noch vor der Vergabe der Sanierungsarbeiten ein Ablauf- und Terminplan erstellt. Dabei war vorgesehen, dass nach der Räumung des gesamten Gebäudetraktes sofort und weitgehend in allen Geschossen gleichzeitig mit der Sanierung begonnen wird.

Der mit der Abwicklung der Baumaßnahme beauftragte Hauptunternehmer sah sich aufgrund der kurzen Terminvorgabe veranlasst,Teilaufträge an leistungsfähige und qualifizierte Subunternehmer zu vergeben. Um Störungen im Bauablauf durch die Untervergabe von Aufträgen zu vermeiden, wurde ein Koordinator mit Asbestsachkunde bestellt. Ihm oblagen neben der Terminüberwachung und Abstimmung der Arbeiten auch die sicherheitstechnische Überwachung der Arbeitsausführung. Im Folgenden soll die Sanierung eines Geschosses durch einen Subunternehmer kurz dargestellt werden.

Träger mit Spritzasbest

Träger mit Spritzasbest, Stützenverkleidung mit Promasbestplatten

Verpackte Zwischendeckenplatten

Verpackte Zwischendeckenplatten

Abnehmen der Zwischendeckenplatten

Abnehmen der Zwischendeckenplatten im Randbereich

11.1 Bauvorbereitung

Nach der Auftragsvergabe erfolgte unverzüglich die Mitteilung der Sanierungsarbeiten an die zuständige Behörde (Gewerbeaufsichtsamt) und an die zuständige Berufsgenossenschaft. Mit der Mitteilung wurden die Gefährdungsbeurteilung sowie ein Arbeitsplan und eine Betriebsanweisung vorgelegt. Der Mitteilung wurde außerdem eine Kopie der Zulassung beigefügt.

Im Arbeitsplan war u.a. festgelegt, dass eine Geschossebene in zwei Abschottungsbereiche aufgeteilt und der Spritzasbest mit einem HVS-Gerät (Hochleistungsvakuumsauggerät) direkt abgesaugt wird. Die Herausgabe der Promasbestplatten aus dem Schwarzbereich war über eine Materialschleuse vorgesehen.

Neben Betriebsanweisung und Arbeitsplan musste dem Koordinator auf Weisung des Bauherrn zusätzlich ein Störfallplan vorgelegt werden. Dieser sah insbesondere provisorische Sofortmaßnahmen bei Störfällen und die Alarmierung von Personen und Rettungsdiensten vor.

Für jeden Arbeitnehmer musste außerdem nachgewiesen werden, dass die erforderlichen Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt worden sind und eine objektbezogene Unterweisung der Beschäftigten stattgefunden hat. Rechtzeitig und noch vor Sanierungsbeginn war auch die Entsorgung der Asbestabfälle zu klären. Die Promabestplatten konnten in Folien verpackt auf einer Deponie eingelagert werden, während man sich bei den Spritzasbestabfällen entschloss, den Abfall nicht wie üblich zu verfestigen, sondern in luftdicht verschlossenen 200-I-Fässern einer thermischen Behandlung und Verwertung zuzuführen (der Betrieb hat inzwischen die thermische Behandlung von Asbestabfällen aus Kostengründen wieder eingestellt).

Ausgehängte Arbeits- und Betriebsanweisung mit Störfallplan

Ausgehängte Arbeits- und Betriebsanweisung mit Störfallplan

11.2. Einrichten des Sanierungsbereiches

Bei den Sanierungsarbeiten wurden in einem ersten Schritt und nachdem in den Räumen das bewegliche Mobiliar entfernt worden war, die Zwischenwände (Trockenbauständerwände) ausgebaut und die Teppichböden, Heizkörper sowie Deckenleuchten unter Weißbereichbedingungen entfernt. Anschließend wurden die Abschottungen aus Folienständerwänden erstellt, die Fenster- und sämtliche Öffnungen einschließlich der stillgelegten Lüftungseinrichtungen luftdicht verklebt. Weitere Arbeitsschritte waren:

  • Andocken der Personenschleuse (3-Kammer-Schleuse mit Vorraum) einschließlich Installation der Leitungen für Frisch- und Abwasser unter Zwischenschaltung eines Wassermanagement-Systems zur Aufheizung des Dusch-/Waschwassers sowie zur Filterung des Abwassers,
  • Aufstellen der 2-Kammer-Materialschleuse,
  • Aufstellen der Luftaustauschgeräte einschließlich der Saugleitungen zur Unterdruckhaltung. Um einen unkontrollierten Luftaustausch zwischen dem Arbeitsbereich (Schwarzbereich) und der Personen- und Materialschleuse zu verhindern, wurden die Bereiche jeweils getrennt an ein separates Luftaustauschgerät angeschlossen. Die Dokumentation des Unterdrucks erfolgte mit einem mehrkanaligen Unterdruckschreiber.
  • Aufstellen des HVS-Gerätes (MaxVac) auf der Geschossebene im Weißbereich, Verlegen des Saugschlauchs in den Schwarzbereich und des Abluftschlauches ins Freie.
Zugang Mehrkammerpersonenschleuse

Zugang Mehrkammerpersonenschleuse

Mehrkammerpersonenschleuse

Mehrkammerpersonenschleuse. Die Kammern wurden versetzt angeordnet.

Wassermanagement

Wassermanagement

11.3 Sanierungsdurchführung

Bei den Sanierungsarbeiten wurden Einwegschutzanzüge mit Kapuze, gebläseunterstützte Atemschutzgeräte mit Partikelfilter der Schutzstufe P 3 und Gummistiefel getragen.

Vor Beginn der eigentlichen Entsorgungsarbeiten war es notwendig, zuerst die Zwischendecke abzunehmen. Da die Deckenplatten an der Oberseite kontaminiert waren, mussten sie als kontaminiertes Material behandelt, verpackt und über die Materialschleuse herausgegeben werden. Der Spritzasbest an den Unterzügen wurde angefeuchtet, direkt abgesaugt und jeweils in 200-l-Fässern (Vorabscheider) gesammelt.

Der Vorabscheider stand im Schwarzbereich, die Herausgabe der Fässer erfolgte über die Materialschleuse. Die Promasbestplatten konnten weitgehend bruchfrei abgenommen werden. Aus Transportgründen wurden sie genässt, anschließend mit der Handsäge mittig geteilt, mit Faserbindemittel besprüht, verpackt und nach sorgfältiger Reinigung der Verpackung im Schwarzbereich der Materialschleuse und der nachfolgenden Zwischenlagerung im Weißbereich (30facher Luftaustausch) ausgeschleust.

Materialschleuse, zwangsverriegelt, Kammer 1

Materialschleuse, zwangsverriegelt, Kammer 1

Materialschleuse, Kammer 1

Materialschleuse, Kammer 1 (Weißbereich), offen

HVS-Gerät (MaxVac)

HVS-Gerät (MaxVac)

Nach dem Entfernen des Asbestmaterials erfolgte eine gründliche Reinigung des abgeschotteten Bereichs, sowohl trocken mittels H-Sauger als auch nass. An schwer zu reinigenden und rauen Oberflächen wurde zusätzlich ein Restfaserbindemittel aufgesprüht.
Um sicherzugehen, dass nach Abschluss der Arbeiten keine Asbestgefährdung mehr vorliegt, erfolgte eine Asbestfasermessung nach VDI 3492 Blatt 2. Aufgrund des positiven Ergebnisses konnten die Schutzmaßnahmen aufgehoben und die Abschottungen abgebaut werden.

Anschließend wurde der Raum nochmal gründlich nachgereinigt und eine weitere VDI-Messung zur Erfolgskontrolle durchgeführt. Da auch dieses Ergebnis zu keinen Beanstandungen geführt hatte, konnte der sanierte Raum wieder an den Hauptunternehmer übergeben und die Sanierung des nächsten Teilabschnittes vorbereitet werden.

Luftaustauschgerät zur Unterdruckhaltung

Luftaustauschgerät zur Unterdruckhaltung

Ausgeschleuste Fässer mit Spritzasbest

Ausgeschleuste Fässer mit Spritzasbest

 

Webcode: M169-55


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